Sontheimer zapft zum letzten Mal an 

Anstoßen mit dem frisch angezapften Starkbier: Wolfgang Schopper (v.l.), Bürgermeister Reinold Sontheimer, Andreas Kießwetter von der Paulanerbrauerei sowie Peter und Martin Helmer mit Mutter Luise. Foto: gau

Schwangau – Es ist traditionell der erste Starkbieranstich im Gäu, der beim Schneiderhanser in Schwangau. Heuer allerdings schwang etwas Wehmut mit, war es doch das letzte Mal, dass Schwangaus Bürgermeister Reinhold Sontheimer zum Hammer griff, um den Zapfhahn in das Fass zu treiben.

Vor 32 Jahren wurde in der Familie Helmer, genauer gesagt im Hotel und Restaurant „Beim Schneiderhanser“ in Schwangau erstmals ein Fass mit Starkbier angestochen. Über 24 Jahre hinweg begleitete Schwangaus erster Bürgermeister Reinhold Sontheimer diese Tradition, nur einmal, im vergangenen Jahr, musste er einen Ersatz schicken. So war es denn ein besonderer Augenblick, als nach drei Schlägen Sontheimers auf den so genannten Wechsel das erste Bier floss. „Es muss ein bisschen Bier spritzen“, so Sontheimer im Nachhinein, „sonst ist das wie ein Trockenskikurs“. 

In all den Jahren, erinnert sich der noch amtierende Rathauschef, sei nur einmal etwas Außergewöhnliches passiert. Da habe, erzählt Sontheimer, sich der Wechsel nicht richtig verkantet im Fass. Und sei im nächsten Moment, aufgrund des Druckes im Fass, quer durch den Raum geschossen. Geistesgegenwärtig habe er seinen Finger in die Öffnung gesteckt, während Wolfgang Schopper von der Brauerei und die Umstehenden das Fass gedreht hätten. Alljährlich spendiert die Paulanerbrauerei ein Fass Freibier für die geladenen Gäste aus Politik und Gesellschaft. 

Diesmal hatten sich, vielleicht auch wegen der bevorstehenden Kommunalwahlen, zahlreiche Politiker aus den Nachbarorten, unter anderem Halblech und Füssen im Kellergewölbe beim Schneiderhanser eingefunden. Weiterhin waren die Landtagsabgeordnete Angelika Schorer sowie Landrat Johann Fleschhut gekommen, um der Fastenpredigt von Gauvorstand Walter Sirch zu lauschen. Seit sechs Jahren hat der Marktoberdorfer ein Auge  geworfen auf das südliche Ostallgäu und nimmt mit gewählten Worten die Zustände  im Gai aufs Korn. Heuer wolle er nicht so sehr auf Füssen eingehen, vielmehr auf das Dorf der Königsschlösser. Das bald nach dem „scheaschda Pfarrar und da schäschda Doktor“ auch noch den schönsten Bürgermeister bekommen werde. Wobei Sirch weniger auf das „Rentner-Duell“ in Füssen einging als auf die monarchischen Traditionen in Schwangau. Da trete der Alte ab und übergebe das Amt dem Neuen. Wofür man aber bei nur einem Kandidaten einen Hochglanzprospekt benötigt habe, erschloss sich Sirch nicht. 

Allerdings bot er dem in den Ruhestand gehenden Sontheimer an, doch mit ihm auf Tournee zu gehen. Denn: „däd d’r des it gfalla, durch die Lande ziacha und an Schmarra verzella. Wäsch sächa, so groß isch dä Unterschied gar it zum jetziga Job (Würde dir das nicht gefallen, durch die Lande zu ziehen und Blödsinn zu erzählen. Du wirst sehen, so groß ist der Unterschied zum jetzigen Job nicht). Aber, so schloss Sirch, er hoffe doch, dass Sontheimer in der Nähe bleibe, vor allem wenn’s brennt. Denn wenn es der neue Bürgermeister mit dem Fassanstechen nicht hinbekomme, nicht dass „i dann a Wasser saufa muaß“. gau

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