Martin Harbauer präsentiert "Gefahr ist mein Geschäft"

Die Bibliotheksleiterin, Sabine Frey, stellt zu Beginn der LeseZeit den Autor der Kurzgeschichte "Gefahr ist mein Geschäft", Raymond Chandler, dem Publikum vor. Foto: Knoll

Füssen – Mit einem zynischen „Gefahr ist mein Geschäft“ beginnt der Privatdetektiv John Dalmas in der gleichnamigen Kurzgeschichte von Raymond Chandler zu ermitteln. Aus diesem Krimi hat der Diplomsprecher Martin Harbauer im Rahmen der LeseZeit in der Orangerie der Stadtbibliothek vorgelesen. 

Der amerikanische Schriftsteller Raymond Chandler (1888-1959) gilt als einer der Pioniere der amerikanischen „hardboiled novels“. In ihnen steht ein hartgesottener Privatdetektive im Mittelpunkt. Der blickt desillusioniert und zynisch auf die Welt, fühlt sich nur den eigenen Rechtsvorstellungen verpflichtet, nimmt kaum Rücksicht auf Gesetze und gerät deswegen immer wieder in Konflikt mit der Polizei. 

Dazu zählt auch John Dalmas in „Gefahr ist mein Geschäft“. Für ein paar „Riesen“ wird er von dem reichen Jeeter senior damit beauftragt, seinen Stiefsohn, Jeeter junior, aus den Fängen der abgebrühten Harriet Huntress loszukaufen. Die hat es laut Jeeter senior nur auf das Geld seines Stiefsohns abgesehen, da er mit seinem 28. Geburtstag ein Vermögen erben wird. Zudem hat sein Stiefsohn Spielschulden bei dem Gangster Marty Estel. 

Chandler bringt in diesem Krimi auch seine Gesellschaftskritik zum Ausdruck. Auch sein Held weiß, dass sich die Reichen sich alles kaufen können, sogar ihre Freiheit. So ist er sich sicher, dass Jeeter ja eh schon den Oberstaatsanwalt in seiner Tasche habe. Dennoch beginnt er zu ermitteln. Dabei läuft er aber erst nach einigen „Drinks“, seiner „Medizin“, zur Höchstform auf. 

So erzählte Harbauer in lässiger Vortragsweise, wie die Geschichte immer verschachtelter wird und der Privatdetektiv von einer Schwierigkeit in die nächste stolpert. Zunächst findet er die Leiche eines Kollegen, die er aber nicht der Polizei meldet, wird von zwei Kleinkriminellen bedroht und in eine Schießerei verwickelt. Als er schließlich Harriet trifft, wird ihm klar, dass sie sich nicht so einfach von Jeeter junior loskaufen lässt. Denn ihr geht es weniger ums Geld, als um Rache: Jeeter senior hat ihren Vater finanziell ruiniert, der sich daraufhin umgebracht hat. Schließlich findet der Privatdetektiv die Leiche des jungen Jeeter. Als er dann herausfindet, wer ihn „kalt gemacht hat“ fährt er zur Villa des Stiefvaters. 

Denn der alte Jeeter hat seinen Chauffeur beauftragt seinen Adoptivsohn zu ermorden, um seinen Reichtum nicht zu verlieren. Trotz seines Einflusses in der Gesellschaft, bekommt er dennoch seine Strafe: Als ihn Dalmas konfrontiert erleidet er einen Schlaganfall. Mit dem Satz „Gefahr ist mein Geschäft“ verlässt Dalmas schließlich das Polizeirevier, wohin er Jeeter und den Chauffeur gebracht hatte. Ein drittes Mal kann er ihn vor Estel aber nicht sagen, denn „für heute hatte ich genug von dem Witz“, liest Harbauer gegen Ende der Veranstaltung vor. kk

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