Ausschuss genehmigt Übergang an der Morisse

"Ja" zur Querungshilfe

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Um Fußgängern und Rollatorfahrern die Überquerung der Kemptener Straße zu erleichtern, soll hier an der Ecke Kobelstraße eine Querungshilfe probeweise installiert werden.

Füssen – Fußgänger sollen leichter die Kemptener Straße überqueren können. Dass fordern einige Stadträte seit Jahren. Doch der Antrag scheiterte bisher immer wieder, da „eine Bündelung der Fußgänger nicht erzielbar“ sei, erklärte ein Sprecher des Verkehrsamt am Dienstag im Verkehrsausschuss. Daran habe sich nichts geändert.

Auch einen direkten Bedarf sah das Verkehrsamt nicht. Dennoch sprachen sich die Räte mehrheitlich für eine Querungshilfe aus. Sie soll für ein Jahr auf Probe am westlichen Ende der Morisse an der Ecke Kobel-/Sonnenstraße eingerichtet werden.

Um zu prüfen, ob überhaupt der Bedarf für eine Querungshilfe an der Kemptener Straße da ist, hat die Verkehrsbehörde stichprobenhaft an fünf Tagen für jeweils eine Stunde die Fußgänger gezählt. Durchschnittlich wollten nur zwölf bis 20 Personen pro Stunde die Straße passieren. Ausreißer nach oben gab es nur während eines Eishockey-Schülercamps, als viele Jugendliche zwischen den Eishockeygeschäften über die Straße wollten, und während des Wochenmarkts.

„Insgesamt war festzustellen, dass von den Fußgängern meist eine Wartezeit von nur wenigen Sekunden zu überbrücken war, bis eine Lücke im fließenden Verkehr das Queren ermöglichte. Probleme, die Straße zu überqueren, waren nicht zu erkennen, zumal auch zahlreiche Abbiegevorgänge den Verkehr verlangsamen“, so ein Sprecher des Verkehrsamts.

Während der Zählungen wollte zudem nur eine Person mit Rollator über die Straße in Richtung Wochenmarkt.

Furt statt Querung

 Bei den Zählungen zeigte sich zudem, dass die Personen an den unterschiedlichsten Stellen über die Straße wollen. Deshalb werde ein „angebotener Übergang mangels Bündelungsfunktion kaum angenommen werden“, vermutet das Verkehrsamt.

Falls die Räte jedoch trotzdem einen Übergang einrichten möchten, sollte der entweder an der Tennishalle oder am westlichen Ende der Morisse entstehen. Dafür empfahl das Verkehrsamt eine Furt. Eine Ampel lehnte das Verkehrsamt ab, da erfahrungsgemäß nur die wenigsten abwarten bis die Ampel auf grün umspringt, so der Sprecher. Für einen Zebrastreifen passieren dagegen zu wenige Fußgänger die Straße. Außerdem suggeriere er eine Sicherheit, „die in der Realität nicht gegeben ist.“ Das könne man beispielsweise am Zebrastreifen in der Augsburgerstraße, Ecke Dr. Samer-Straße sehen. Hier sei es in der Vergangenheit zu Unfällen gekommen.

Anderer Meinung war da Dr. Martin Metzger (BfF). „Das ist ein querer Gedankengang, den ich nicht nachvollziehen kann.“ Der deute an, dass Fußgänger selbst schuld seien, wenn sie angefahren werden, weil sie sich am Zebrastreifen „der Illusion hingibt dort sicher zu sein.“ Der Zebrastreifen an der Augsburger Straße sei nicht optimal gelöst. Dort müsse die Stadt vielleicht eine zusätzliche Markierung anbringen, erklärte er.

Auch beim Bedarf der Rollatorfahrer hatte er Zweifel. Schließlich könne es sein, dass Senioren mit Rollatoren sich einfach nicht mehr trauen die Kemptener Straße zu überqueren. Eine Furt sah er ebenfalls kritisch. Die sei nach der Straßenverkehrsordnung eigentlich nur bei Ampeln oder Lotsen zulässig. Ähnlich sah das SPD-Fraktionschef Lothar Schaffrath. „Wir müssen etwas Sicheres als eine Furt machen.“

Eine Gegenstimme

 Gegenwind kam dagegen von Heinz Hipp (CSU). Am Friedhof habe sich eine Furt bewährt, weil beide Verkehrsteilnehmer – Autofahrer und Fußgänger – sich nicht im Recht sehen und deshalb Rücksicht aufeinander nehmen. Am Zebrastreifen am Luitpoldkreisl komme es jedoch oft zu brenzligen Situationen, weil der Fußgänger ohne zu schauen, die Straße passiert. Deshalb empfahl er „die Furt zu probieren und dann weiterzuschauen.“

So sprach sich der Bauausschuss bei einer Gegenstimme von Dr. Anni Derday (FWF) dafür aus, am westlichen Ende der Morisse eine Querungshilfe für ein Jahr auf Probe einzurichten. Die Stadtverwaltung soll zudem prüfen, ob hier eine Furt zulässig ist oder doch ein Zebrastreifen aufgemalt werden sollte. Ob zudem die Geschwindigkeit in der Kemptener Straße auf 30 km/h begrenzt werden soll, wie von der Füssener SPD gefordert (der Kreisbote berichtete), sollen die einzelnen Fraktionen zunächst erst intern beraten. „Ich finde den Vorschlag immer noch nicht schlecht“, erklärte Schaffrath.

Allerdings soll die Geschwindigkeitsbegrenzung erst ab dem Soldatenheim greifen, „vorher wäre das Quatsch“, so Schaffrath. Damit gehe es nur um 600 bis 700 Meter. Für einen interessanten Vorschlag hielt das auch Metzger. Damit werde der Verkehrsfluss stadteinwärts verzögert und damit vielleicht der Stau im Sommer abgebaut. Dann müsste allerdings flächendeckend 30 km/h eingeführt werden, sagte Bürgermeister Paul Iacob (SPD). „Es macht keinen Sinn“, wenn man in der Kemptener Straße nur 30 km/h, in den angrenzenden Straßen aber weiterhin 50 km/h fahren dürfe.

Katharina Knoll

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