Füssener Stadträte kritisieren Harald Vauks Vorgehen bei der Diskussion um den Mühlbach

"Man darf nicht so hetzen"

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Bürgermeister Paul Iacob

Füssen – Wie weit darf man bei seinem Engagement gehen? Und in welcher Form ist Kritik noch in Ordnung? Darüber sprachen die Füssener Räte am Dienstag im jüngsten Stadtrat. Und waren sich einig: Harald Vauk, Sprecher der „Aktiven Bürger Füssen“, geht beim Mühlbach zu weit.

„Dass so ein Sturm los geht, ist eine Frechheit“, erklärte Niko Schulte (CSU), Zweiter Bürgermeister. Er hätte nie gedacht, dass „aus einer einfachen Frage so ein Trubel entsteht“, meinte er. Schulte hatte in der vergangenen Stadtratssitzung begrüßt, dass derzeit an den alten Hanfwerken neue Parkplätze entstehen, und wollte wissen, was seine Stadtratskollegen dazu sagen.

Für die Parkplätze hatte die Firma Glass ohne Genehmigung den denkmalgeschützten Mühlbachkanal zugeschüttet, der auch als Retentionsfläche im Falle eines Lech-Hochwassers dient (der Kreisbote berichtete mehrfach). Vor allem auf Facebook löste Schultes Aussage heftige Kritik aus. So hatte Vauk beispielsweise geschrieben, dass Schultes Anstand und Rechtsverständnis dem korrupter Bankvorstände zu gleichen scheint.

Grenze überschritten

Solche Kritik gehe zu weit, meinten jetzt viele Stadträte. „Es gibt gewisse Anstandsgrenzen, die sind unterschritten worden von Leuten, die nicht im Stadtrat sitzen. Wir müssen ein Zeichen setzen, dass wir uns das als Stadtrat nicht bieten lassen“, sagte Georg Waldmann (SPD). „Man darf hart diskutieren, aber nicht so hetzen.“ Dieser Ansicht war auch Heinz Hipp (CSU): „Diese Angelegenheit ist für mich ein erschütterndes Beispiel wie Sachthemen dazu führen, in unerträglicher Weise gegen Einzelpersonen und auch Stadträte vorzugehen. Nicht das geringste Verständnis habe ich dafür, wenn auch noch der Hauptberuf inklusive Arbeitgeber von Dritten mit Stadtratsentscheidungen vermischt werden.“

Der CSU-Fraktionsvorsitzende fügte hinzu: „Absolut unerträglich ist auch die damit verbundene Stimmungsmache in den heute gebräuchlichen Foren und Kommunikationsmitteln.“

Bei seinem Engagement soll Vauk auch eine weitere Grenze überschritten haben. So berichtete Michael Jakob (CSU), dass Vauk seinen Sohn angeschrieben hätte, nachdem er dem Sprecher der „Aktiven Bürger Füssen“ mitgeteilt hatte, dass er von ihm nicht mehr im Internet kontaktiert werden möchte. Jakobs Sohn sollte seinen Vater dazu bewegen, dass er sich zur Zuschüttung des Mühlbachs äußere.

Jakob bezog Stellung, allerdings zu einer anderen Sache: „Herr Vauk, von Ihnen möchte ich in meine Leben nichts mehr hören.“ Doch daraus wurde nichts: Gleich am nächsten Tag erhielt er eine E-Mail, in der Vauk zu den Vorwürfen Stellung bezog: „Ich wüsste nicht, dass ich Magnus Jakob je beauftragt hätte, Ihnen etwas auszurichten. Der einzige mögliche indirekte Kontakt zu Ihrem Sohn könnte über Facebook in der Gruppe ,Du kommst aus Füssen wenn...... ´ bestehen. Dieses ist aber nur eine Vermutung“, sagte Vauk in seiner E-Mail.

Auch Bürgermeister Paul Iacob (SPD) kritisierte Vauks Vorgehen: „Ich bedauere, dass ein Mensch, der so handelt, sich Bürger nennt und auch noch aktiver Bürger.“

Eine „absolute Lüge

Vauks Behauptung, Iacob und die Stadtverwaltung hätten von den nicht-genehmigten Bauarbeiten am Mühlbach gewusst und sich mit der Firma abgesprochen, sei „eine unverschämte Unterstellung“ und eine „absolute Lüge“. Dem Sprecher der „Aktive Bürger Füssen“ gehe es nur darum, „destruktiv in dieser Stadt zu wirken und Unruhe zu säen“, sagte Iacob.

Vauk reagierte darauf prompt und bat Iacob am Mittwoch per E-Mail, „mir Ihre in der Stadtratssitzung gegen mich vorgebrachten Vorwürfe schriftlich mitzuteilen.“ Sofern Iacobs Vorwürfe berechtigt seien, „bin ich gerne bereit, mich öffentlich von meinen falschen Behauptungen zu distanzieren sowie sie um Entschuldigung zu bitten.“

Katharina Knoll

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