Museum freut sich über zwei Anton Sturm-Figuren

"Der Erhaltungszustand ist perfekt"

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Sturm-Kenner Herbert Wittmann (vorne) erklärt den typischen Stil des Bildhauers Anton Sturm Bürgermeister Paul Iacob (rechts) und Museumsleiter Dr. Anton Englert (verdeckt).

Füssen – Über zwei neue Exponate freut sich derzeit das Museum der Stadt Füssen: Zwei Holzfiguren aus der Werkstatt des Füssener Barock-Bildhauers Anton Sturm hat die Stadt einem Sammler aus dem Außerfern abgekauft. Die Figuren stellen Maria und den Jünger Johannes als Teil einer Kreuzigungsgruppe dar.

Zusammen mit der Figur des gekreuzigten Jesus sollen sie künftig im Kapitelsaal des Museums ausgestellt werden. Die neuen Exponate stellten jetzt Museumsleiter Dr. Anton Englert, Kulturamtsleiterin Karina Hager, Bürgermeister Paul Iacob und der Sturm-Kenner Herbert Wittmann der Presse vor.

Mit staunenden Augen blickt Maria zum Himmel, ihr blauer Mantel bauscht sich um ihre hoch aufgeschossene Gestalt. Neben ihr steht Johannes. Auch er blickt zum Himmel, während er mit einer Hand seinen roten Mantel festhält.

Beide Figuren sind mindestens 260 Jahre alt und weisen noch die Originalbemalung, die sogenannte Fassung, auf – ein „ganz seltener“ Zustand, so Englert. „Der Erhaltungszustand ist wirklich perfekt“, erklärte Sturm-Kenner Wittmann. Der Biessenhofener hat sich intensiv mit dem Bildhauer Anton Sturm beschäftigt. Er habe dessen Schnitzstil, die Einzelheiten, die jenen kennzeichnen, verinnerlicht.

So bestätigte er, was Bürgermeister Paul Iacob und der ehemalige Museums- und Kulturamtsleiter Thomas Riedmiller bereits vermutet hatten: Die beiden Figuren stammen mit ziemlicher Sicherheit von Anton Sturm. „Das kann kein anderer sein“, so Wittmann. Dafür sprechen unter anderem die dreieckigen Falten in den Gewändern der Figuren, die Form der Haarlocken und die Haltung der Hände.

Außerdem stimmen beide Figuren in allen wesentlichen Details mit den Holzfiguren einer lebensgroßen Kreuzigungsgruppe in der Benediktinerabtei Ottobeuren überein, die Sturm 1733 fertigte.

Günstiger Preis

„Die Übereinstimmung geht derartig weit. Man kann fast annehmen, dass die Figuren als Vorbild für die lebensgroßen Figuren in Ottobeuren dienten. Aber dafür sind sie zu groß und zu gut ausgearbeitet“, meinte Wittmann. Beweise für diese Theorie gebe es aber nicht. Die Figuren hat die Stadt Füssen einem Sammler aus dem Außerfern abgekauft, der „nicht weiter genannt werden möchte“, erklärte Hager. „Er hat uns das zu einem günstigen Preis überlassen“, so die Kulturamtsleiterin. „Ein äußerst anständiges Angebot“, bestätigte Iacob.

17.000 Euro hat die Stadt für die Figuren bezahlt. Das Geld dafür stammt aus der Endresstiftung, die genau für solche Käufe dem Museum überlassen wurde, erklärte Iacob. Zum Vergleich: Das Bayerische Nationalmuseum hat kürzlich eine Anton-Sturm-Figurengruppe für 63.000 Euro ersteigert. Auch die Stadt Füssen habe mitgeboten, sei aber bei 14.000 Euro ausgestiegen, erklärte der Rathauschef.

Zusammen mit der Figur eines gekreuzigten Jesus, einem sogenannten Cruzifixius, sollen die Figuren künftig als Kreuzigungsgruppe ausgestellt werden. Auch der Cruzifixius stammt wohl von Sturm. Dessen Nasen-Mund-Partie trage Sturms Handschrift, so Wittmann. Bisher befand sich dieser im großen Sitzungssaal im Rathaus, wurde aber bei der Renovierung abgenommen und durch einen anderen ersetzt. „Sonst haben wir in Füssen keine Kreuzigungsgruppe von Sturm“, erklärte der Museumsleiter. Damit habe die Stadt nun „einen direkten Nachweis für den Künstler in diesem Museum“, so Iacob.

Würde vermitteln 

Die Kreuzigungsgruppe soll künftig auf dem Altar des Kapitelsaals unmittelbar neben dem Mönchschor der Kirche St. Mang ausgestellt werden, erklärte Englert. Derzeit werde der Raum in den Originalzustand während der Barockzeit zurückversetzt. Das sei der erste Schritt zur Eneuerung des Magnusplatzes, der direkt vor dem Saal liegt, erklärte der Museumsleiter. „Der Kapitelsaal war der alte Versammlungsraum der Mönche. Hier wurden alle wichtigen Dinge besprochen.“

Es sei zudem die einzige Stelle im gesamten Kloster, an der die Tagesheiligen an den Wänden nicht übermalt wurden. „Der Raum ist in Sargform gestaltet worden“, so der Museumsleiter. Er sollte an das Ende des irdischen Lebens erinnern. Die Kreuzigungsgruppe soll den Besuchern die Würde und Bedeutung des Raums vermitteln, meinte Englert.

Wann genau die Figuren aufgestellt werden, ist aber noch unklar. Allerdings sollen Besucher sie 2017 zum Jubiläum 300 Jahre Barockkloster St. Mang zu sehen bekommen.

Katharina Knoll

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