Architekt Magnus Peresson nimmt Sie mit auf eine historische Zeitreise durch Füssen

Serie: Füssen und seine Historie

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König Rudolf von Habsburg soll Füssen die Stadtrechte verliehen haben.

Füssen – Die Wurzeln Füssens reichen bis in die Römerzeit zurück. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich vor allem die Altstadt zu einem Kleinod und lockt jedes Jahr hunderttausende Besucher an. Unter dem Titel „Füssen und seine Historie“ stellt der Kreisbote historische Orte der Stadt vor.

Der Füssener Architekt und Historiker Magnus Peresson nimmt Sie dabei an die Hand und zeigt Ihnen die schönsten Fleckchen der Stadt. Entscheidend für die Entstehung eines Ortes waren immer eine Reihe günstiger Faktoren, die in ihrer Summe die Lage für eine Siedlung bestimmten, etwa die Geländeform, Wasserläufe, Wegeverbindungen, die Bodenbeschaffenheit in Hinblick auf Ernährung der Bewohner, aber auch Bodenschätze. 

Die Lage Füssens zeichnen einige günstige Faktoren aus: Der Ort liegt absolut hochwasserfrei über dem sonst wilden Lech, er liegt weitab jeglicher Erdrutsch- oder Bergsturzzonen und er liegt – was das ältere Stadtgebiet anbelangt – außerhalb der Verschattungszone der nahen Berge. Der Ort selbst verdankt seine Entstehung einer wichtigen römischen Straße, der im Jahre 46 n. Chr. unter dem Caesaren Claudius vollendeten Via Claudia Augusta. Sie überquerte im Bereich der Hängenden Wand den Lech, führte entlang des Vilser Berges nach Faulenbach und von dort über den Baumgarten in das heutige Stadtgebiet. 

Vermutlich im 3. Jahrhundert entstand auf dem heutigen Schlossberg ein Kastell, von dem aus der Nachschub für die entlang des Limes stationierten III. Italische Legion organisiert wurde. Lange nach dem Ende der römischen Herrschaft entstand durch die Begünstigung durch Kaiser Karl den Großen und der Augsburger Bischöfe unmittelbar an der antiken Straße das Benediktinerkloster St. Mang. Die Steine seiner Bauten stammten von den mittlerweile ruinösen römischen Mauern auf dem Schlossberg. Die Klöster zählten in jener Zeit zu den wichtigsten Stützen des Reiches. Sie boten dem Kaiser, der ja keine feste Residenz besaß und deshalb ein fast nomadenhaftes Leben führte, bei Bedarf Quartier. 

Sie waren auch Garant dafür, dass die für den Kaiser und Bischöfe wichtigen, nach Rom führenden Straßen instand gehalten wurden. Die wichtigsten Reiseziele des Mittelalters waren für die Christen Rom, für Kaufleute und Händler hingegen die großen oberitalienischen Handelszentren und vor allem der Hafen von Venedig. 

Von Fiesse zu Füssen 

Zu Beginn des 13. Jahrhunderts existierte in der Ansiedlung, die die Einheimischen „Fiesse“ nannten – was in der Sprache der Zeit einen Ort an einem Steilhang über einem tief eingeschnittenen Wasserlauf umschrieb – ein blühendes Benediktinerkloster und eine lose Bebauung mit hölzernen Häusern entlang der Via Claudia Augusta. 

Die Menschen lebten von den Erträgen ihrer kleinen Landwirtschaften und davon, den Bedarf der durchziehenden Fuhrleute und der Reisenden auf der Reichsstraße zu decken. Wichtigste Gewerke waren die der Schmiede und der Wagner. Es war bekannt, dass ein etwa in Verona frisch beschlagenes Pferd spätestens in Füssen mit neuen Hufeisen versehen werden musste. Nach der Wiederherstellung der Rechte des untergegangenen römischen Reiches zugunsten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation Karls des Großen wurde aus der antiken Straße „des Reiches Straße“, die heutige Reichenstraße, die nie der Stadt gehörte, sondern immer im Besitz des Reiches verblieb. 

Die Erhebung der kleinen bäuerlichen Siedlung zur Stadt kam erst im Zusammenhang mit der teilweise blutigen Auseinandersetzungen um das Erbe Konradis von Hohenstaufen im Jahr 1270. Ausgetragen wurde dieser Streit zwischen Herzog Ludwig dem Strengen von Baiern und dem Augsburger Bischof, auf dessen Seite im Übrigen das Recht stand. Es war aber erst König Ludwig von Habsburg (1273 bis 1291) der im Land für dauerhaften Frieden sorgte und der im Rahmen seiner Städtepolitik zwischen den Jahren 1276 und 1286 Füssen zur Stadt machte. Voraussetzung zur Stadterhebung war der Bau einer Mauer: „Allein die Mauer unterscheidet Bürger und Bauer.“ Ein Ort, der nicht in der Lage war, eine Mauer zu errichten, konnte kein Stadtrecht erlangen. 

Der Spruch verrät aber auch ein nicht zu unterschätzendes Detail: Die Bauweise der Häuser vor oder hinter der Mauer unterschied sich damals nicht, denn sowohl die Bauernhäuser als auch die Stadthäuser bestanden fast ohne Ausnahme aus Holz. 

Dem Kloster unterlegen 

Die Planung und die Anlage einer Stadt besorgten im Auftrag der Reichslandverwaltung eigens ausgebildete, in Sachen Geometrie und Vermessung erfahrene Spezialisten, sogenannte Locatores. Sie bestimmten den Stadtgrundriss und den Verlauf der Stadtmauer, sie legten den Verlauf der Gassen fest, die Lage der Plätze im Stadtgefüge und die Größe der zu bebauenden Grundstücke. 

Das Rückgrat der Stadtanlage blieb die Via Claudia Augusta, die im Gegensatz zu den Gassen schnurgerade durch die Stadt verläuft. Das Kloster St. Mang blieb im Übrigen während seiner ganzen Geschichte ein rechtlich von der Stadt unabhängiges Gemeinwesen und es war der Stadt in jeder Weise weit überlegen. Sei es auf kulturellem oder wirtschaftlichem Sektor. Für die selbstbewussten Benediktiner blieb die Stadt immer nur die „benachbarte Gemeinde“. In welcher Weise die älteste Stadt mit Trinkwasser versorgt wurde ist bis dato unbekannt. 

Es darf allerdings davon ausgegangen werden, dass man das Dachwasser der Häuser in einer Zisterne auffing, sodass jedes Haus über eine eigene Wasserbevorratung verfügte. Bei Bedarf konnte Wasser auch im Lech geschöpft werden. Alles in allem war „Fiesse“ in den ersten Jahrzehnten der Stadtgeschichte nichts anderes als ein schlichtes, von einer Mauer umgebenes Dorf mit niederen, schindelgedeckten Häusern.

kb

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