Orkantief entwurzelt zahlreiche Bäume und deckt Kirchendach zum Teil ab

Dauereinsatz wegen "Niklas"

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An die 100 Quadratmeter Kupferblechdach drohen von der Kirche „Zu den Acht Seligkeiten“ geweht zu werden – Schwerstarbeit für Feuerwehr und Spengler.

Füssen – Orkantief „Niklas“ hat mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 km/h am Dienstag auch in Füssen und dem Altlandkreis für erhebliche Schäden und Behinderungen gesorgt. Feuerwehr und Polizei waren den ganzen Tag über im Dauereinsatz.

In der Allgäu-Kaserne wurde ein Arbeiter leicht verletzt, der durch eine Böe von einem Baugerüst fiel. In der Birkstraße musste ein Teil des Kirchendachs von der Feuerwehr geborgen werden. Ein kompletter Überblick über sämtliche Schäden lag bis Redaktionsschluss am Mittwochnachmittag zwar noch nicht vor – sie dürften nach ersten Einschätzungen aber erheblich sein. 

Am Tag danach sind sich Helmut Maucher, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Füssen, und Füssens Feuerwehrkommandant Thomas Roth einig, was die Auswirkungen von Orkantief „Niklas“ am Tag zuvor anbelangt. „In dem Ausmaß kommt so etwas sehr selten vor“, erklärte Kommandant Roth. Maucher sprach von „erheblichen Schäden über das normale Maß hinaus“. 

Verletzt wurde im Bereich Füssen aber bis auf einen Arbeiter in der Allgäu-Kaserne niemand. Der Mann war am Morgen auf der dritten Etage eines Baugerüsts tätig, als die starken Böen einen Steg lösten, sodass der Mann eine Etage tiefer fiel. Er zog sich dabei eine Gehirnerschütterung und eine Platzwunde zu. 

Von 2.34 Uhr in der Nacht bis Dienstagabend gegen 17.45 Uhr verzeichnete die Feuerwehr Füssen Roth zufolge 16 Einsätze in Füssen und der näheren Umgebung. Darüber hinaus war die Wehr auf Weisung der Integrierten Rettungsleitstelle (ILS) in Kempten zusätzlich als Abschnittführungsstelle (AFüSt Füssen) für den südlichen Landkreis Ostallgäu im Einsatz. 

In dieser Funktion mussten nach Angaben von Feuerwehrkommandant Roth insgesamt 36 Einsätze abgewickelt werden. „Wir waren den ganzen Tag im Einsatz“, berichtete Roth dem Kreisboten. Vor allem umgestürzte Bäume sorgten dafür, dass die 35 Füssener Feuerwehrleute kaum zur Ruhe kamen. Alles in allem waren rund 100 Feuerwehrkräfte im Umland im Einsatz. 

Bäume stürzen um 

Insgesamt stürzten nach derzeitigem Stand mindestens neun Mal unzählige Bäume auf die Straße und sorgten für Verkehrsbehinderungen und Straßensperrungen. Auch die B16 musste in Höhe „Achmühle“ wegen umgefallener Bäume zeitweise gesperrt werden. Auf Höhe des Gasthofes „Wiesbauer“ „lagen etliche Bäume auf den Gleisen“, so Roth und blockierten die Bahnlinie Füssen–Kaufbeuren. In Weißensee stürzte außerdem ein Baum auf ein Gebäude. 

In der Birkstraße riss Orkan „Niklas“ ein nach Polizeiangaben etwa 100 Quadratmeter großes Stück des Kupferdaches der Kirche „Zu den Acht Seligkeiten“ ab, das von der Feuerwehr und Spenglern abgeschnitten, geborgen und gesichert werden musste. „Das war unter extremsten Bedingungen“, schilderte Thomas Roth den fast dreistündigen Einsatz mit Hilfe der Drehleiter. „Wir haben alles runtergeschnitten und den Rest fixiert“, erläuterte er. „Ein Abdichten war wegen der Böen aber nicht mehr möglich.“ 

Schlimmer als "Kyrill" 

Dazu kamen etliche kleinere Vorfälle wie auf Autos gefallene Ziegel (Augsburger Straße), ein weggewehtes „Spargelhäuschen“ (Augsburger Straße) oder die Sicherung von Verkehrsschilder (B16/Festspielhaus) oder verschiedene Ampelanlagen. Im Weidach wurde darüber hinaus ein Trampolin weggeweht. 

Nach Einschätzung von Helmut Maucher, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion, wütete „Niklas“ schlimmer als Orkan „Kyrill“ Mitte Januar 2007. „Das war heftiger“, so Maucher. „Wir waren mit sämtlichen Mitarbeitern im Dauereinsatz“, berichtet er. „Das ist am frühen Vormittag losgegangen und hat sich bis in die Nacht hineingezogen.“ 

Besonders heikel seien das abgedeckte Kirchendach in der Birkstraße gewesen sowie zwei umgestürzte Kamine. „Das war schon ganz erheblich“, so Maucher. „Und alle Schäden sind wahrscheinlich noch gar nicht bekannt.“

Matthias Matz

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