Dr. Peter Gauweiler referiert im Museum der Bayerischen Könige über König Ludwig II.

War der "Kini" doch nicht geisteskrank?

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Dr. Peter Gauweiler bei seinem Vortrag in Hohenschwangau.

Schwangau – Auch 130 Jahre nach seinem Tod fasziniert König Ludwig II., Bayerns Märchenkönig, noch immer die Menschen. Da ist es kein Wunder, dass Peter Gauweilers Vortrag am vergangenen Donnerstag im Museum der Bayerischen Könige für einen neuen Besucherrekord gesorgt hat.

Zum vierten Mal hatten die Verantwortlichen um Vanessa Richter eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens gewonnen, über König Ludwig, die Wittelsbacher und die bayerische Politik und Geschichte zu referieren. Und heuer mit Dr. Peter Gauweiler vielleicht einen ähnlichen Rebellen seiner Zeit eingeladen, wie es jener König war, über den Gauweiler sprach: Ludwig II. von Bayern. Dass jener eine besonderer Mensch gewesen sein muss, davon ist der Rechtsanwalt, Publizist und ehemalige CSU-Politiker überzeugt. „Fällt ihnen noch ein Mensch der vergangenen 1000 Jahre ein, wegen dem Sie ansonsten hierhergekommen wären“, fragte er das Publikum.

Doch Gauweiler will nicht nur Bekanntes aufwärmen, er hat Neuigkeiten im Gepäck, genauer gesagt, einen Brief. Der ist zwar auch schon 130 Jahre alt, dafür kommt sein Inhalt einer Bombe gleich. Denn die Zeilen, die Ludwig drei Tage vor seinem Tod an seinen Vetter verfasst, erlauben verschiedene Schlussfolgerungen. So könne man laut Gauweiler daraus ableiten, dass der Kini mitnichten geisteskrank gewesen sein kann, wie es der Begründung für seine Verhaftung heißt. Weiterhin kann man herauslesen, dass Ludwig vom, nennen wir es Komplott, gewusst hat. Wobei Ludwig mit dem späteren Prinzregenten Luitpold auch den Kopf hinter der Verschwörung ausgemacht haben will.

Die Geschichte, wie die Schwangauer, Feuerwehrmänner und Gendarmen die „Fangkommission“ festsetzen, um Ludwigs Verhaftung zu vereiteln, kennt in Schwangau wohl jedes Kind. Doch nicht nur die vorgeblichen Gründe für die Absetzung Ludwigs kann Gauweiler in ein neues Licht rücken. Der 67-Jähirge erweist sich als profunder Kenner der bayerischen Geschichte, aber auch der Königshauses und ihrer Akteure. Mit deren Hilfe kann er ein neues Bild jener Ereignisse zeichnen. Wartete tatsächlich ein Boot im flachen Wasser darauf, den König über den See zu einer Kutsche zu bringen? Dass die Kaiserin Elisabeth tatsächlich auf der anderen Seite des Sees wartete, ist belegt, die Fluchtpläne erweisen sich mittlerweile auch als gesichert. Ludwig hätte im Ufersaum des Starnberger Sees das Gitter, das das Grundstücke abriegelte, passieren sollen. Kam es hier zum Kampf mit dem Arzt von Gudden, als er die Flucht vereiteln wollte? Warum bemerkte keiner der Gendarmen etwas davon? Oder griff die Exekutive doch ein, kam es dabei vielleicht zu jenem, oft vermuteten und doch nie bewiesenen, Schuss, der das Leben des Königs beendet haben könnte? Musste von Gudden als Mitwisser sterben?

Fragen, die Gauweiler anspricht und eloquent nicht beantwortet. Dafür hält sich der Jurist an die Paragraphen, die vor 130 Jahren schon in Bayern galten. Demzufolge war allein das Absetzungsverfahren gegen Ludwig, die Erklärung, dass er geisteskrank sei und wie von Gudden zu dieser Einschätzung kam, illegal.

Bayern als Kunstwerk 

Wichtiger noch aber als sein Ende beschreibt Gauweiler Ludwigs Leben. Einer Persönlichkeit, die so Gauweiler, bis in die Medienwelt des 20. Und 21. Jahrhunderts, wirkt. Erwähnt Andy Warhol, der Ludwig II. in einer Linie mit Che Guevara in seinen Siebdrucken verewigt. Und erinnert an Walt Disney, der die Märchenweltwelt Ludwigs in die dieses Welt trägt, dient doch die neue Burg Schwanstein als Modell für dessen Schloss. Gauweiler hat sich aber nicht nur mit den bayerischen Akteuren auseinandergesetzt sondern lässt auch die Gegenspieler Ludwigs zu Wort kommen. U

nd malt das Bild eines von Zwängen getriebenen Ludwigs, der Bayern zu einer Art Gesamtkunstwerk entwickeln wollte. Als Gegenpart zu den von Kriegen zerfetzen Landen, für die die Menschen leiden mussten. Wenn Gauweiler zu der Erkenntnis gelangt, dass es ein „Staatsstreich reinsten Wasser“ gegen Ludwig II. war, um diesen aus dem Verkehr zu ziehen, dann wird klar, dass die Geschichte um den Märchenkönig noch nicht abgeschlossen ist. Ludwig bleibt ein Mythos, in dessen Vita es noch viele Facetten zu entdecken gibt.

Oliver Sommer

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