Pfarrei wird 400 Jahre alt

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Nach dem Unwetter können die Heiterwanger doch noch im Freien das 400-jährige Jubiläum ihrer Pfarrei feiern.

Heiterwang – Vor 400 Jahren wollte Heiterwang eine eigene Pfarrei werden. Doch die Bichlbacher, zu denen man pfarrlich gehörte, wehrten sich aus finanziellen Gründen vehement. Am Ende setzte sich jedoch Heiterwang durch, so dass das Thanellerdorf nun ein Jubiläum feiern konnte.

Im 17. Jahrhundert erwiesen sich die Heiterwanger als zäh. Sie kämpften für eine eigenständige Pfarrei, eine Trennung auf ewig. Schließlich habe man doch einen Priester und ein Taufbecken. So erteilte der Bischof von Augsburg schlussendlich in einer Separationsurkunde die Bewilligung zur Loslösung vom Nachbarort und zur Gründung einer eigenen Pfarre. Das ganze war allerdings nicht billig, die Bichlbacher erhielten eine Abfindung von 1000 Gulden und „von noch 100 Gulden in gutem baren Gelde.“ „Als ich im Mai dieses Jahres im Zuge einer Kirchenführung das Datum zur Pfarrerhebung, den 1. September 1616, vorgelesen hatte, war mir plötzlich klar, dass wir heuer ein Jubiläum zu feiern hatten“, meinte Karl Gratl ein Mitinitiator der am Hohen-Frauen-Tag nun in Szene gegangenen Feierlichkeiten in Heiterwang. Eile war angesagt, ein Kirchenführer sollte im Jubeljahr zur Verfügung stehen.

1490 entsteht Kirche 

Eine vor zwei Jahrzehnten vorgelegte, daher nicht mehr aktuelle Chronik von Hofrat Dr. Ferdinand Kätzler aus Lähn, musste in kürzester Zeit überarbeitet und auf den neuesten Stand gebracht werden. Diesen Part übernahm Peter Linser und legte sich voll ins Zeug. Auf der Suche nach der Originalurkunde im Dekanatsarchiv wurde festgestellt dass dieses Papier eigentlich in Heiterwang sein müsste. Und tatsächlich, nach penibler Durchforstung wurde diese Urkunde aus dem Jahre 1616 entdeckt. In einer Übersetzung aus dem Lateinischen aus dem Jahr 1751 heißt es darin: „. . . zu khünftig – ewigen Weltzeiten sey zerglideret und abgethaylet und abgesönderet seyn wollen, ofternante Filial-Kirchen zur Pfarr-Kirchen erhebende“ Nun wurde dieser Kirchenführer im Rahmen eines Festaktes, der sturm- und regenbedingt entgegen des ursprünglichen Planes, in der Kirch stattfand, der Allgemeinheit vorgestellt.

Schon im 14. Jahrhundert dürfte in Heiterwang eine Kapelle „Zu Unserer Lieben Frau“ gestanden haben. Um 1490 entstand ein gotisches Gotteshaus, wie heute noch an den Spitzbögen erkennbar, das dann barockisiert wurde. Mitte des 19. Jahrhunderts hielt der Nazarenerstil seinen Einzug, die Kirche wurde neu gemalt.

Aufwendige Sanierung 

1978/79 erfolgte die letzte große Erneuerung des Gotteshauses. Es mussten damals mehr als zwei Millionen Schilling aufgebracht werden. Heute präsentiert sich die Kirche als heller freundlicher Sakralraum, der barocke und neuere Elemente in harmonischen Einklang bringt. Nach dem Gottesdienst und einem Unwetter klarte es auf, so dass die Heiterwanger doch noch am vorbereiteten Platz vor der Schule mit vielen Geladenen aus Gesellschaft und Kirche ausgiebig ihre Eigenständigkeit als Pfarrei feiern konnten.

Hans Nikolussi

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