Vor zehn Jahren übernahmen Geschäftsleute und Mediziner die St. Vinzenz Klinik

Zehnjährige Erfolgsgeschichte

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Erhalten die Vinzenz von Paul-Medaille für ihr Engagement zugunsten der Klinik von Sr. M. Michaela Lechner: Hagen Heigel (v.l.), Dr. Dominik Müller neben Sr. M. Michaela Lechner, Dr. Johannes Spengler, Dr. Michael Geyer sowie Dirk Kuschmann. Auf dem Bild fehlt der 6. Gesellschafter, Holger Heigel.

Pfronten – „Was gibt es zu feiern?“, begann Dirk Kuschmann seine Begrüßung. Und der Geschäftsführer der St. Vinzenz Klinik lieferte die Antwort gleich mit: „Vielleicht, dass es uns überhaupt noch gibt. Nach dem Motto: Hurra, wir leben noch“.

Ein Umstand, den viele den Gesellschaftern vor zehn Jahren nicht zugetraut hätten. Trotzdem konnten die Gesellschafter am Freitag mit ihren Mitarbeitern und Weggefährten das zehnjährige Bestehen der Klinik in privaten Händen feiern. Schaut man sich die Situation auf dem medizinischen Sektor an, ist diese alles andere als rosig. Allein im Ostallgäu wurden die Kliniken in Obergünzburg und Marktoberdorf geschlossen, weil sie nicht mehr rentabel waren.

So stand es auch um das von der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Hl. Vinzenz von Paul geleitete Haus in Pfronten. Das bis 1938 erbaute Haus –als letztes wurde die Kapelle 1939 fertiggestellt – schrieb Verluste und sollte verkauft werden.

Ein Umstand, den drei Kaufleute –neben Kuschmann auch Hagen und Holger Heigel – und drei Mediziner – die Doktoren Dominik Müller, Johannes Spengler und Michael Geyer – nicht hinnehmen wollten und deshalb ein Angebot abgaben. „Unser damaliges medizinisches wie auch wirtschaftliches Konzept war offensichtlich überzeugend“, so der Geschäftsführer. Man habe auf dem bestehenden Fundament aufgebaut und dieses weiterentwickelt.

Wie diese Weiterentwicklung aussah und künftig aussehen wird, erläuterte Kuschmann in kurzen Worten. Nach der Übernahme des Hauses 2006 wurden demnach nur dreieinhalb Jahre später alle Gebäude von der Kongregation erworben. „Danach haben wird dann gleich angefangen, fleißig zu sanieren.“ Als erstes wurde der Eingangs- und Empfangsbereich umgebaut und freundlich gestaltet, ein Bistro ersetzt den „Marketender“-Automaten und die Station wurde umgebaut.

Außerdem wurde eine A1-Station für die geriatrische Reha mit 24 Patientenbetten geschaffen.

Meilenstein MVZ

 Vereinfacht habe dieses Vorgehen die Tatsache, dass das Krankenhaus ohne Fördermittel auf- und ausgebaut worden war. Neben der Erweiterung der Physiotherapie sei vor allem das Medizinische Versorgungszentrum MVZ ein Meilenstein gewesen. Neben der Chirurgie in Pfronten sei nur zwei Jahre später in Füssen eine Filiale des MVZ für Orthopädie eröffnen worden.

Traurig sei der Moment gewesen, als 2014 die Schwestern der Kongregation Pfronten in Richtung Mutterhaus in Augsburg verlassen hätten. „Das ist der Lauf der Dinge, aber umso schöner, dass Sie wieder da sind“, begrüßte Kuschmann die erschienen Schwestern um die Generaloberin Sr. M. Michaela Lechner und die Oberin Sr. M. Ingrid.

Doch der Weggang der Schwestern bedeutete keinen Stillstand: Noch im Herbst des gleichen Jahres habe man begonnen, die OP-Kapazitäten zu erweitern. Heute werden beispielsweise um die 500 Hüft- und Knieoperationen vorgenommen. Durch die Erweiterung der Patientenzimmer um den Schwesterntrakt habe man die Auslastung der Station von 4300 auf 6700 Patienten im vergangenen Jahr steigern können.

Gleichzeitig stieg auch die Bettenzahl von 126 auf 185. Seit 2006 hat sich die Zahl der Mitarbeiter nahezu verdreifacht und stieg auf 419 Mitarbeiter. Auch das MVZ, zu dem seit 2015 eine weitere Filiale in Marktoberdorf gehört, sei eine Erfolgsgeschichte. Hier werden pro Jahr etwa 20.000 Patienten ambulant versorgt. All das habe man aus Eigen- und Fördermitteln sowie Krediten gestemmt, erinnerte Kuschmann.

Neuer Tomograf 

Der gute Job, den Kuschmann erwähnt hatte, kann auch an einem anderen Fakt festgemacht werden: Drei Mal habe die Klinik mittlerweile am Wettbewerb als bester Arbeitgeber teilgenommen und im vergangenen Jahr den zweiten Platz geholt. „Und wie geht es jetzt weiter?“. Auch auf diese Frage hatte Dirk Kuschmann eine Antwort, denn neben der noch besseren Auslastung des Hauses beginnen im Frühjahr die Arbeiten, um einen „Magnetresonanztomografen“ im Haus zu installieren.

Dieses bildgebende Verfahren wird vor allem zur Darstellung von Struktur und Funktion der Gewebe und Organe eingesetzt. Im Gegensatz zum Röntgen lassen sich damit auch krankhafte Veränderungen, Tumore etc. darstellen, aber auch Bildreihen der sich bewegenden Organe.

Oliver Sommer

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