Ein Zimmer für 350 Euro pro Nacht

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Der ursprüngliche Entwurf des Architekten: Die Glasfront, die fast bis ans Wasser reicht, fällt weg. Auffälliger hingegen dürfte das Laternengeschoss werden. Dort, wo die zeltartigen Strukturen die Technik beherbergen sollten, würden diese nun durchgängig zu einem zurückspringenden vierten Obergeschoss miteinander verbunden, das Sitzungsräume aufnehmen soll.

Lechbruck – Die Pläne für das Hotel am oberen Lechsee hat der Lechbrucker Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung diskutiert. Nicht nur weil die Uferzone unbebaut bleiben soll, musste Planer Gerhard Abt umdisponieren. Insgesamt wären die Planungen unbezahlbar geworden.

Die Pläne für ein Sternehotel am Lechsee, die Gerhard Abt den Lechbrucker Gemeinderäten im vergangenen Herbst vorstellte, klangen gut. Ein bisschen zu gut, wie sich nun in der jüngsten Gemeinderatssitzung herausstellte. Erneut war der Kaufbeurer Planer in der Sitzung dabei, erneut stellte er den Räten die Pläne vor, allerdings geänderte und reduzierte Pläne für das Hotel-Vorhaben. Geschuldet den Einwendungen der Träger öffentlicher Belange, aber auch der Tatsache, dass das Bauvolumen, insbesondere das des Spa- und Wellnessbereiches scheinbar jeglichen Rahmen gesprengt hätte.

Auffälligste Änderung ist der freigehaltene Uferbereich. Vor allem die überbaute Uferzone, so Abt, hätten die Träger öffentlicher Belange bei der vorzeitigen Beteiligung bemängelt. Das habe man nun korrigiert. Wo vorher der Wellness-und Spabereich im Untergeschoss bis fast an das Wasser heranreichte, wurde dieser nach Norden unter das eigentliche Hotel verschoben. Der Grundriss ähnelt nun einem ungleichschenkligen Pentagon mit zwei Anhängseln, in denen eine medizinische Abteilung einerseits und ein kleines Restaurant andererseits untergebracht sind. Die Räume, vor allem Vortrags- und Sitzungsräume, die bislang im Untergeschoss vorgesehen waren, sollen nun auf das, quasi Dach, verlegt werden. Dadurch wachse der Bau aber nicht in der Höhe, so Abt, da dort bereits Technikräume vorgesehen waren. Diese zeltartige Konstruktion soll durch ein sogenanntes Laternengeschoss durchgängig ersetzt werden.

Durch diese Änderungen habe man nun anstatt eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans nur noch einen qualifizierten Bebauungsplan, der durch einen städtebaulichen Vertrag ergänzt und definiert wird. Verwirrend war für manchen, dass Abt, entgegen der Herbstsitzung, diesmal nur einen Grundriss zeigen konnten und keine Visualisierung der Pläne.

Überraschende Kalkulation 

Womit man zu einem anderen Problem der bisherigen Planungen kam. Wie sich herausstellte, hatte der Architekt Robert Rappold, der die Entwürfe für das Hotel vorgelegt hat, bislang nur 200 Wellnesslandschaften realisiert. Niemals aber 200 Hotels, wie Abt, und scheinbar auch die Planungsgesellschaft Polo AG, bislang vermutet hatten. Deshalb, so Gerhard Abt: „ist der Plan vom Rappold nicht mehr relevant.“

Polo AG betreibt Hotel 

Herr Götzfried von der Polo Projekt AG habe, so Abt gegenüber den Räten, mit einem namhaften europäischen Baukonzert die Pläne kalkuliert „Dem sind die Augen aufgegangen“, meinte Abt. Bei dem vorgegebenen Volumen müsste ein Hotelbett wenigstens 350 Euro pro Nacht kosten, um die geschätzten 20 Millionen Euro Baukosten für den „Spaßbereich“, also die Badelandschaft, wieder einzuspielen. „Das ist so nicht machbar“. Daher habe man umgeschichtet und das Untergeschoß reduziert, vor allem die großen Freiflächen verkleinert.

Weiterhin merkte Abt an, dass die Polo AG nach wie vor an dem Projekt interessiert sei. „Herr Götzfried ist nicht nur auf der Suche nach einem Investor, er fährt demnächst auch nach Luzern zu einem Architekten, der bereit und in der Lage ist, das zu entwickeln“. Dabei spiele auch die Zeit mittlerweile eine Rolle. Die Polo AG werde das Hotel betreiben, so Abt, wobei er meinte: „Dass der Bauträger nicht bekannt war, war von vornherein das Manko“. Und erläuterte, dass dann der vorhabensbezogene Bebauungsplan richtig gewesen wäre. Damit dürfe nur so gebaut werden, wie es die Pläne des Architekten vorsehen. Nun aber müsse man einen einfachen B-Plan aufstellen. Wie gebaut werden soll, müsse mit dem künftigen Investor bzw. der Baufirma in einem städtebaulichen Vertrag geregelt werden, so Abt. In diesem kann die Gemeinde bzw. der Gemeinderat auch regeln, ob man ein Laternengeschoss – also zurückgesetzte Wände mit einer Umrandung – will, oder nicht.

Im weiteren diskutierten die Räte noch, wie man das Thema Ausgleichsflächen angehen wolle und einigte sich auf eine Art Konto, auf dem man Flächen ein- und ausbuchen kann, das aber nicht vorhabenbezogen ist. Interessant wird nochmals die spezielle artenschutzrechtliche Prüfung, bei der sich dann entscheidet, ob die Straße, die derzeit nahe des Sees verläuft und später an die Hangkante verlegt werden soll, eingehaust werden muss. Oberhalb des Hanges gibt es eine besondere, geschützte Schmetterlingsart. Weitere Einwendungen diskutierten die Gemeinderäte bei der Abwägung. Sie wurden in die Pläne aufgenommen. Oliver Sommer

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