Bau unterhalb des Klosters

"Mehr als unverschämt"

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Architekt Hans-Peter Meyer (rechts) zeigt den Grundstücksbesitzern Manfred Wagner (2.v.r.) und Wolfgang Gött (2.v.l.) von der domus sana GmbH sowie Rainer Herrmann von Ferienwohnungen Herrmann, wie hoch das Haus D sein wird.

Füssen – „Bodenlosigkeit“, „Unverschämtheit“, „Enttäuschung“: Grundstücksbesitzer, Planer und Bürgermeister Paul Iacob (SPD) haben ihren Unmut am Franziskanerkloster Luft gemacht. Denn die geplante Bebauung unterhalb es Klosters stößt auf heftigen Widerstand.

Einige Füssener erwägen sogar zu klagen (der Kreisbote berichtete). Die ganze Aufregung können die Versammelten nicht verstehen. Schließlich halte man sich an die Vorgaben des Landratsamtes Ostallgäu, meinten sie. Vor Ort stellten sie jetzt ihre Sicht der Dinge dar und betonten, dass einige Behauptungen ihrer Gegner falsch seien. Dabei kritisierte Iacob vor allem den Verein Alt Füssen und dessen Vorsitzenden Magnus Peresson.

 Seit 6,5 Jahren wird nun schon an den Häusern, die unterhalb des Franziskanerklosters entstehen sollen, geplant. Dabei wurden der ursprüngliche Halb-rundbau immer weiter reduziert, sodass jetzt nur noch drei zusammenhängende Gebäude (A, B, C) und ein einzelnes Haus (D) vorgesehen sind. Nach vielen Gesprächen hat nun das Landesamt für Denkmalpflege grünes Licht gegeben. 

Doch die Angst, dass durch den Bau der Blick auf das Hohe Schloss und die Altstadtdächer verloren gehen sowie das Kloster gefährdet werden könnte, blieb bei einigen bestehen. Unter anderem das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) in Thierhaupten, der Landesverein für Heimatpflege, Kreisbaumeister Anton Hohenadl und der Historische Verein Alt Füssen hatten bei der jüngsten Auslegung des Bebauungsplans (B-Plan) A52 östliche Floßergasse Bedenken. 

Dennoch segnete der Bauausschuss in seiner Julisitzung den B-Plan mit drei Gegenstimmen ab. Nicht jedoch ohne eine Ergänzung des Bodengutachtens zu fordern. Nun soll eine archäologische Fachfirma in Abstimmung mit dem BLfD in Thierhaupten den Boden unter anderem auf seine Standfestigkeit untersuchen. Derzeit überprüfe die Firma, wo der Felsen verläuft, auf dem das Kloster steht, erklärte am Dienstag Wolfgang Gött von der domus sana Bau GmbH, der ein Teil des Grundstücks gehört. 

Die Bohrungen hätten ergeben, dass die Arbeiten „den Fels nicht einmal berühren“, so Gött. Der liege drei bis vier Meter unter der geplanten Tiefgarage, sagte Architekt Hans-Peter Meyer. Damit wird eine der Vorgaben des Landratsamtes erfüllt. Die Behörde möchte, dass der Fels nicht angegraben wird, „damit keine Erschütterungen hoch zur Kirche gehen“, sagte Meyer. Um bei der Standfestigkeit ganz sicher zu gehen, sollen die Gebäude in einem 30-Grad-Winkel zum Kloster stehen. Und der werde „sowohl bei der Tiefgarage als auch im Erdgeschoss inklusive Arbeitsraum eingehalten“, so Meyer. 

Blick bleibt erhalten 

Auch dass das sogenannte Haus D vier Meter in den Hang hineinrage, wie vor allem die Stadträte Magnus Peresson (UBL) und Dr. Christoph Böhm (CSU) immer wieder kritisiert hatten, sei falsch, meinte Meyer. In Bezug zum fertigen Fußboden rage die Hausecke nur 2,50 Meter in den Hang hinein. Weiter betonte der Planer, dass auch zukünftig das Hohe Schloss und die Altstadtdächer vom Kloster aus zu sehen sein werden. 

Denn das Haus D dürfte maximal 803,42 NN hoch werden, was der Höhe des Hauses in der Spitalgasse 34 entspreche. Tatsächlich werde das Haus aber 60 Zentimeter kleiner, so Meyer. Dadurch könne eine Person, deren Blickhöhe bei 1,60 Meter liegt, über das Haus auf das Schloss schauen. Und „ich werde mit aller Strenge darauf achten, dass die Höhe eingehalten wird“, betonte Iacob. 

Auch der Blick in den Innenhof werde es laut dem Planer weiter geben, da zwischen dem Gebäudekomplex und Haus D ein sieben Meter breiter Durchgang entstehen wird. Damit dieser „Quaglio-Blick“ zukünftig sichtbar ist, soll eine Dienstbarkeit dafür sorgen, dass die Büsche dort entsprechend gepflegt werden. Auch eine Aussichtsplattform soll entstehen, so Iacob. Die Eigentümer domus sana GmbH und Manfred Wagner wären bereit dafür „etwas Grundstück abzugeben“, wie Gött sagte. 

Tatsachen verzerren 

„Das Objekt kommt dem Ganzen zugute“, meinte Wagner. Aber „die Tatsachen werden absolut verzerrt.“ Wenn das Landratsamt und der Denkmalschutz schon grünes Licht geben, könne man davon ausgehen, dass das Projekt „sehr wohl überlegt und sehr gut durchgearbeitet ist“, meinte der Grundstücksbesitzer. 

Außerdem hätte der Verein Alt Füssen, der Bürger bei einer Klage unterstützen will, sich schon lange mit den Planern in Verbindung setzen können. Dass er aber erst dann interveniert habe, nachdem die großen Amtsstellen das Projekt genehmigt hatten, sei „mehr als unverschämt“, so Wagner, der selbst Vereinsmitglied ist. Das sei „hinterfotzig“. 

Auch der Bürgermeister zeigte sich enttäuscht. Er könne nicht verstehen, dass Stadträte gegen das Projekt vorgehen, obwohl ein demokratischer Mehrheitsbeschluss des Gremiums vorliege. Stadtrat Peresson ziehe das Landratsamt und den Kreisbaumeister immer nur dann heran, wenn er es gebrauchen könne, kritisierte Iacob. „Ich akzeptiere immer die Meinung des Landratsamtes”, so der Rathauschef. Zudem habe der Verein Alt Füssen unter Peressons Vorsitz „leider Gottes eine Rolle einge-nommen, die ich nicht mehr identifizieren kann“, sagte Iacob. 

Es werde nur noch das Alte „brachial aufrechterhalten“, dabei gehe „der Blick für das Neue“ verloren. Deshalb will der Bürgermeister jetzt Konsequenzen ziehen: „Ich bin selbst Mitglied. Ich überlege, wie lange ich noch Mitglied sein werde.“

Katharina Knoll

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