Luitpoldkreisel soll erweitert werden

Mehr Fluss

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Neben dem Bau eines zweispurigen Bypasses im Luitpoldkreisel sollen eine Verkleinerung des Gehwegs und der Wegfall des Zebrastreifen für mehr Verkehrsfluss sorgen.

Füssen – Mit einem zweispurigen Ausbau des Kreisels am Prinzregentenplatz in Richtung Kaiser-Max-Platz und dem Rückbau des Zebrastreifens in der Luitpoldstraße will die Stadtverwaltung noch vor der nächsten Hauptsaison für eine spürbare Reduzierung des innerstädtischen Staus sorgen.

Bei einer Gegenstimme von Ilona Deckwerth (SPD) stimmte der Stadtrat am Dienstagabend in einer Sondersitzung für die Maßnahme. Für Diskussionen sorgte allerdings ein Antrag der SPD-Fraktion, die aus der kompletten Luitpoldstraße eine verkehrsberuhigte Zone machen wollte.

Bereits seit Jahren diskutieren Stadtverwaltung und Kommunalpolitik darüber, wie der Verkehr in der Innenstadt flüssiger gemacht und Staus reduziert werden können. Denn vor allem zur Hauptsaison im Sommer ist für viele Füssener das Maß des Erträglichen mittlerweile erreicht.

Als ein Hauptproblem hat sich dabei der Luitpoldkreisel mitsamt Zebrastreifen in der Luitpoldstraße herauskristallisiert, der für Rückstaus in beide Richtungen sorgt. „Die einzelnen Fußgänger behindern den Verkehrsfluss“, erklärte CSU-Fraktionsvorsitzender Heinz Hipp.

Deshalb hatte die Verwaltung bereits vor Jahren zusammen mit den Stadträten Jürgen Doser und Andreas Ullrich (FWF) vier mögliche Lösungsvarianten ausarbeiten lassen, von denen zwei am Dienstag von Planer Gerald Blumrich zur Diskussion gestellt wurden (siehe eigener Artikel unten).

Bei einer Gegenstimme von Ilona Deckwerth sprach sich das Gremium für Variante 2 aus. Diese sei zwar kein Allheilmittel, biete aber die meisten Vorteile, lautete der Tenor. „Das ist vielleicht nicht der Weisheit letzter Schluss – aber ein erster Schritt“, war sich Jürgen Doser (FWF) sicher. „Wir könnten entscheidende Schritte zur Verbesserung für den Autoverkehr machen – auch wenn das vielleicht verpönt ist“, sagte er. Herbert Dopfer von Füssen-Land plädierte ebenfalls für Variante 2: „Das scheint vernünftig und schlüssig zu sein“, meinte er. „Aber man muss die Fußgänger dann sehr deutlich leiten“, appellierte er.

Kritik aus der SPD

Aus der SPD-Fraktion wurde dagegen zum Teil deutliche Kritik an den Plänen laut. Fraktionschef Lothar Schaffrath legte ein eigenes Konzept vor. „Wir opfern einen ganz erheblichen Bereich für die Fußgänger“, kritisierte Georg Waldmann. „Und Fahrradfahren ist da überhaupt nicht möglich.“ Deckwerth kritisierte die ihrer Ansicht nach fehlende Gleichberechtigung. „Das ist ein Auto zentriertes Konzept zu Lasten aller anderen“, sagte sie. 4000 Fußgänger, die täglich den Zebrastreifen nutzen würden, könne man nicht einfach „wegschieben“. „Wir müssen jetzt an die Sicherheit der Fußgänger denken!“

Diese könne aus Sicht der Sozialdemokraten eine Ausweisung der kompletten Luitpoldstraße bis zum Prinzregentenplatz als verkehrsberuhigte Zone mit einer zweispurigen Aufstellfläche vor dem Kreisel gewährleisten. In dieser wären alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt. Ähnlich sei die Stadt Landsberg vorgegangen. Dafür müssten allerdings die Gehwege komplett abgebaut werden. „Durch eine Verkehrsberuhigung werden motorisierte Verkehrsteilnehmer aus der Innenstadt fern gehalten“, heißt es im Antrag der SPD.

Für Fußgänger und Radfahrer werde die Durchquerung der Innenstadt dagegen erleichtert. Außerdem könnten so viel Geld gespart werden.

Zunächst keine Ampel

Bei den übrigen Stadträten und auch Planer Blumrich stieß der Antrag jedoch auf Zweifel. Das Risiko sei zu groß, dass Fußgänger gefährdet und der Stau verstärkt werde. „Das ist das Nadelöhr von Füssen mit 9000 Fahrzeugen am Tag“, betonte Blumrich. „Das ist zu gefährlich.“ Selbst Dr. Martin Metzger, leidenschaftlicher Radfahrer, sprach sich hier für den Autoverkehr aus: „Wir sollten an dieser Stelle die Autofahrer bevorzugen“, sagte er.

Die von der SPD und CSU-Stadtrat Dr. Christoph Böhm geforderte Bedarfsampel für Fußgänger ungefähr auf Höhe des jetzigen Zebrastreifens lehnte das Gremium mehrheitlich ebenfalls ab. Denn dann, so erklärte Martin Köpf von der Bauverwaltung, sei der Zeitplan nicht mehr einzuhalten, da der Bau einer Ampel mit dem Staatlichen Bauamt in Kempten koordiniert werden müsse.

Doch laut Beschluss soll Planer Blumrich bereits im November Planungen und Kostenschätzungen vorlegen, damit rechtzeitig in die Ausschreibung gegangen werden kann. „Wir wollen so schnell wie möglich die bauliche Umplanung haben“, so Bürgermeister Paul Iacob (SPD). Daher verständigte sich die Runde darauf, vorsorglich die Infrastruktur wie Leitungen und Kabel für einen späteren Ampelbau bereits jetzt bereit zu stellen.

Matthias Matz

Füssen – Zwei sich nur in Details unterscheidende Varianten für den Umbau des Luitpoldkreisels stellte Planer Gerald Blumrich am Dienstagabend den Stadträten vor. 

Wesentlicher Unterschied: Variante 1 sieht statt des Zebrastreifens in der Luitpoldstraße eine Mittelinsel für Fußgänger vor. Dadurch passt laut Blumrich allerdings immer nur ein Auto auf die neue zweispurige Aufstellfläche vor dem Kreisel. Außerdem werde die Mittelinsel die Einfahrt von Bussen auf das Gelände des Hotels „Sonne“ erschweren bzw. sogar ganz unmöglich machen.

Variante 2 beinhaltet dagegen den Rückbau des Zebrastreifens ohne Ersatz, sodass bis zu vier Autos hinter einander Platz auf der zweispurigen Aufstellfläche Richtung Kaiser-Max-Platz haben. Busse könnten so ebenfalls weiterhin ohne Probleme auf den Parkplatz der „Sonne“ fahren. Zwei Spuren Ansonsten sind beide Vorschläge identisch. Demnach soll der Kreisel in Richtung Osten auf zwei Spuren erweitert werden.

Vor dem Kreisel in der Luitpoldstraße soll bereits eine zweispurige Aufstellfläche eingerichtet werden. Der Fußgängerweg auf der südlichen Seite (Hotel „Sonne“ soll auf einer Länge von 108 Metern bis zur Fußgängerampel am Kaiser-Max-Platz auf etwa 1,25 Meter verkleinert werden, um so die Luitpoldstraße von Südwest in Richtung Osten für die zweite Spur in und aus dem Kreisel verbreitern zu können.

Parkplatz kommt weg

Auf der nördlichen Seite soll der Kurzzeitparkplatz vor dem Hotel „Schlosskrone“ zurückgebaut und die dadurch frei werdende Fläche dem Gehweg zugeschlagen werden. „Ziel ist es, den Gehweg entlang des Hotel Schlosskrone zu verbreitern und somit optisch sowie technisch aufzuwerten, damit die Fußgängerströme aus der Bahnhofstraße Richtung Altstadt am Hotel Schlosskrone auf der Nordseite des Kreisverkehrs zur Fußgängerampel am Kaiser-Max-Platz geleitet werden“, erklärte Planer Blumrich.

Dafür soll der Gehweg von derzeit etwa 1,75 Meter Breite auf 2,4 bis 3,4 Meter ausgebaut werden, kündigte er an. Die Kosten für den Umbau bschätzt Blumrich auf etwa 140.000 Euro. Vom Tisch sind dagegen zwei weitere Varianten, nach denen die Luitpoldstraße als Einbahnstraße auszuweisen und ein „Durchstich“ durch den Freybergpark zu bauen ist. Diesen hatte der Stadtrat vor Jahresfrist zu den Akten gelegt.

 mm

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