Plötzlich Ingenieurin

Eine gelbliche zähe Masse bereitet den Ingenieuren bei Deckel-Maho in Pfronten Kopfzerbrechen. Der Kühlschmierstoff ist unverzichtbarer Bestandteil beim Kaltfräs-Vorgang einer Maschine des Herstellers. Doch während des Fräsens klebt die Masse dick an der Innenseite des Sichtfensters, durch das der Techniker eigentlich den Arbeitsgang überprüfen sollte. Was also tun? – Hier muss eine kostengünstige, gut umsetzbare und effiziente Lösung her. Alltagsgeschäft für Maschinenbauer – Neuland hingegen für eine Gruppe von Schülerinnen, die in den Herbstferien im Rahmen des „Forscherinnencamps“ eine Woche lang Ingenieur spielten und sich eine Möglichkeit ausdachten, wie die Techniker wieder klare sicht bekommen.

Die Gymnasiastinnen und Fachoberschülerinnen waren aus ganz Bayern nach Pfronten gekommen, um an dem „Forscherinnencamp“ teilzunehmen, das das Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft zusammen mit Deckel-Maho und der Hochschule Kempten realisiert hat. Für die jungen Damen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren ging es nach dem Begrüßungsabend mit Kennenlernspielen ans Eingemachte. Angeleitet von Ingenieuren und Technikern des Maho-Werks suchten sie nach einer Lösung für das Schmierstoff-Problem. Kann man eine Schutzscheibe in die Maschine einbauen? Hilft ein Magnet oder doch ein Scheibenwischer? Wie sähe es mit einer Saugglocke aus oder einer Beschichtung mit Lotus-Effekt, der die Schmiere abperlen lässt? Schnell stand fest: Luftdüsen müssen her, die den gelben Stoff wegpusten. Doch wie viele wird man brauchen? Wo müssen sie angebracht werden? Welcher Typ ist geeignet? Profi-Präsentation Hier half etwas Theorie. Vorlesungen in Konstruktionssystematik und Technischer Strömungsmechanik bekamen die Mädchen am vergangenen Dienstag an der Hochschule zu hören. Ein Rundgang durch die Labore inklusive Windkanal rundete den Theorietag ab. Am Mittwoch gingen sie „mit Einstein und Daniel Düsentrieb als Vorbilder“ ans Werk und experimentierten mit Flachstrahl- und Rundstrahldüsen verschiedener Anzahl. Und toll war es, an all den teuren Maschinen herumprobieren zu dürfen, wie die Mädchen am Freitag vor Ingenieuren, der Geschäftsführung und Eltern erzählten. Denn nachdem die optimale Lösung stand, um das Schmiere-Problem mit Luft, also pneumatisch, in den Griff zu kriegen, gestalteten die Jung-Entwicklerinnen auch ihre Präsentation selbst. Mehr Ingenieurinnen Einen guten Einblick in den Ingenieur-Beruf hat Christina Rinderle aus Seeg durch das Forscherinnen-Camp bekommen. Sie besucht den Technikzweig and der FOS Kaufbeuren. „Ich interessiere mich von vornherein für Technik“, erzählte sie dem KREISBOTE. Kein Wunder – den schon der Papa ist Ingenieur. Auch die Minivorlesungen und die Führung durch die Hochschule fand sie super. Technik-Neuling war hingegen Regine Metz aus Oy-Mittelberg. Sie besucht das Carl-von-Linde-Gymnasium in Kempten, wo sie den neusprachlichen Zweig belegt. Sie hatte sich unter dem Forscherinnencamp etwas langweiligeres vorgestellt. „Der praktische Teil hat mir besser gefallen“, resümierte sie. Die Beteiligten bei Deckel-Maho lobten vor allem die Kommunikationsfreude und den Eifer der Mädchen. Entwickler Dr. Hans Gronbach betonte sein Unverständnis darüber, „dass es nicht mehr Ingenieurinnen gibt. Das muss sich ändern“, erklärte er.

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