Detailreich, blumig und bunt

"Vorne oi oi, hinten dirididldi"

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Dr. Karl Pörnbacher führt seine Lechbrucker Zuhörer in die Welt des Georg Britting ein.

Lechbruck – Es ist einen beinahe schon lieb gewordene Tradition: Im Lechbrucker Flößermuseum präsentiert Dr. Karl Pörnbacher in unregelmäßigen Abständen Werke bayerischer Schriftsteller – diesmal des Regensburger Georg Britting, der vor 125 Jahren geboren wurde.

Aus Bayern kommen zahlreiche Schriftsteller, die nicht nur für ihre Zeit sondern auch für Bayern und sogar Deutschland maßgeblich und mitbestimmend waren. Die Liste ihrer Namen ist lang. Besondere Schriftsteller und Autoren schaffen es sogar, dass sich der Germanist und Historiker Dr. Karl Pörnbacher mit ihnen beschäftigt und sie vorstellt.

Im Jubiläumsjahr – Britting wurde 1891 geboren – nahm sich Pörnbacher dieses, in weiten Kreisen eher unbekannten Autoren an, dessen Büste sogar in der bayerischen Ruhmeshalle steht. Was diesen Schriftsteller besonders macht, erfuhren die Gäste nun im Flößermuseum, wo Pörnbacher seine Geschichten und Gedichte las. Es ist schwer zu beurteilen, ob es eine seiner schönsten Geschichten ist, aber mit Abstand bestimmt eine eingängige und lustige, die vom „Franzosen und dem Ferkel“.

Auch Pörnbacher hatte sie ausgewählt, als erste seiner Lesung. Und dabei wird Brittings Bedeutung für die Literatur deutlich. Der gebürtige Regensburger, der nach dem Ersten Weltkrieg in die Landeshauptstadt kommt, um dort als Schriftsteller zu arbeiten, schreibt nicht, wie viele seiner Kollegen, in Mundart. Vielmehr ist es seine Erzählweise, mit Hilfe derer er ein Gemälde seiner Zeit zeichnet und für die Nachwelt festhält.

Früher war alles besser 

So beginnt auch diese Geschichte damit, dass die Zeit früher einfach noch besser gewesen sein muss: „Im Jahre 1872, der Himmel war noch blauer damals,erzählte mein Onkel, und die Donau grüner als heut“. Und bevor der Leser auch nur im Ansatz erfährt, was es mit dem Ferkel auf sich hat, wird zunächst der Franzose vorgestellt, der nach dem großen Krieg in Regensburg hängen geblieben ist. Rancourt mit Namen, habe man diesen kleinen, schwarzkinnbärtigen Herrn oft in den Straßen gesehen, wie er mit seinem bürgerlichen Rock und den mohnroten Hosen des Soldaten einherging, ein gelbes, biegsames Stöckchen lustig kreisen lassend.

So geht es über viele Zeilen. Britting beschreibt detailreich, blumig und bunt diese Zeit. „Als das Bier noch dickflüssig klebrig und hönigsüß war und der Mond groß wie ein Wagenrad.“ Allein die Beschreibung dieses „glühpunschfarbigen Lichtträgers“ nimmt Raum ein, ehe die Geschichte sich weiterbewegt, vom Französischlehrer Rancourt erzählt, der sogar eine Professur begleitete, und endlich zum Ferkel kommt. Dass besagter Rancourt dieses nur erwirbt, um es zu verspeisen, ist dabei Nebensache.

Der Kern ist jener Moment, als das rosafarbene und wunderlieblich behaarte Tier seine Freiheit sucht und der Rancourt mit gezücktem Säbel ein Fräulein erschreckt. Und jene Magd mit „Fräulein, aben Sie nicht gesehen kleine Person, vorne oi, oi, hinten dirrididldi?“, um Hilfe bittet.

Vielseitiges Repertoire

Nicht das einzige Mal, dass Pörnbacher, oder vielmehr der Autor, ein Schmunzeln in die Gesichter seiner Zuhörer zaubert. Auch die Geschichte der schönen Magd ist nicht ohne. Es ist eine Liebesgeschichte, die, so Pörnbacher, in einem Wirtshaus beginnt und in einem Pfarrhaus endet.

Das Repertoire des 1964 in München gestorbenen Britting ist vielseitig. Begonnen hatte der Schriftsteller schon in jungen Jahren mit Gedichten und Theaterkritiken, absolviert ein Volontariat und meldete sich dann freiwillig zum Dienst an der Waffe, was ihn einen Teil seiner Gesundheit kostet.

1921 lässt sich Britting in München nieder und hält sich mehr schlecht als recht über Wasser, bis er in das Künstlerhaus übersiedeln kann, wo er dann zusammen mit seiner Frau lebt. Das ist in groben Zügen die Vita des Autoren, von Pörnbacher ebenso „gekürzt“, wie die Geschichte vom Sturz in die Wolfsschlucht. Diese Kürzung hatte Britting aber selbst eingebaut, um die ebenfalls wortgewaltige Geschichte, die ein bisschen an die Lausbubenstreiche Thomas erinnert, kurz zu halten.

Und wollte man alle Auszeichnungen und Mitgliedschaften, unter anderem das Große Bundesverdienstkreuz und in der Akademie der Künste in Berlin erwähnen, würde der Lebenslauf Brittings ebenso wie seine Geschichten– bunt, ausschweifend und das reale Leben seiner Zeit darstellend.

So aber beschränkte sich Dr. Karl Pörnbacher im Museum darauf, den Autoren vorzustellen und verband damit die Hoffnung, dass seine Zuhörer „eine Ahnung bekommen haben, wie gut der Britting schreibt“. Dass die Zuhörerschaft dabei überschaubar blieb, dürfte aber nur jenen geschadet haben, die nicht gekommen waren.

Oliver Sommer

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