Konstanzer Geschäftsmann will am Festspielhaus ein Shoppingcenter bauen

Outletcenter am Forggensee?

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Die Zukunft des Festspielhauses bleibt zunächst offen.

Füssen – Zwei Wochen nach der Einstellung des Geschäftsbetriebs im Festspielhaus geraten Insolvenzverwalter Dr. Marco Liebler und seine Informationspolitik zunehmend in die Kritik. „Ich hätte erwartet, dass wir auf einen vernünftigen Informationsstand gehalten werden“, kritisiert Bürgermeister Paul Iacob (SPD).

Schließlich hätten zwei mögliche Käufer des Gebäudes am Westufer des Forggensees bereits vor Monaten ihre Ideen für ein Hotel und ein Outletcenter Stadtrat und Fraktionsbeirat vorgestellt.

Wer von beiden bzw. ob überhaupt einer der beiden den Zuschlag bekomme, darüber lasse Liebler die Stadtverwaltung aber nach wie vor im Unklaren. Auch auf Anfrage des Kreisbote wollte Liebler sich nicht äußern.

Seit zwei Wochen ist es Gewissheit: Das Füssener Festspielhaus, im Jahr 2000 mit ebenso viel Pomp wie hohen Erwartungen am Westufer des Forggensees direkt gegenüber Schloss Neuschwanstein eröffnet, ist am Ende. Der Geschäftsbetrieb ist eingestellt, die letzten verbliebenen Mitarbeiter wurden freigestellt (der Kreisbote berichtete mehrfach). Trotz wochenlanger Verhandlungen war es Liebler bis Anfang September nicht gelungen, einen Käufer für den pompösen, mittlerweile aber sichtbar vor sich hin gammelnden Prunkbau zu finden.

Immerhin: Mit einem Interessenten werde demnach noch verhandelt, bis Ende September soll das Geschäft laut dem Münchner Insolvenzverwalter stehen, hieß es seinerzeit in einer Pressemitteilung.

Einiges deutet derzeit daraufhin, dass es sich bei dem künftigen Besitzer des Festspielhauses um den Konstanzer Jan Dieter Leuze handeln könnte. Dieser will an die Rückseite des Gebäudes ein Outletcenter bauen – Kultur und Konsum sollen so miteinander verbunden werden.

Seine grundsätzliche Idee habe Leuze dem Fraktionsbeirat des Füssener Stadtrates bereits vor der Insolvenz des Festspielhauses vorgestellt, berichtet Iacob. Eine zentrale Rolle im kulturellen Konzept des Shoppingcenters soll dabei König Ludwig II. spielen.

Ähnliche Outletcenter baut Leuze derzeit im hessischen Gelnhausen und im niedersächsischen Wilhelmshaven. Während in Hessen Stadtgründer Kaiser Friedrich I., auch bekannt als „Barbarossa“, Namensgeber des dortigen Outlets ist, soll jenes in Wilhelmshaven an Kaiser Wilhelm erinnern. Beide sind für 50 bis 60 Läden gedacht.

Im fränkischen Feuchtwangen zog Leuze nach monatelangen Debatten im Mai aber einen Schlussstrich unter ein ähnliches Projekt.

Widerstand aus der Politik

Auch im südlichen Ostallgäu droht dem Geschäftsmann vom Bodensee Widerstand. Zwar gibt sich Bürgermeister Iacob diplomatisch, wenn er sagt: „Wenn der Stadtrat ein Outlet präferiert, dann kommt das.“ Allerdings hat Iacob in der Vergangenheit nie einen Hehl daraus gemacht, dass er ein höherklassiges Hotel am Festspielhaus als unerlässlich für einen nachhaltigen Betrieb hält.

Landrätin Maria Rita Zinnecker (CSU) wird deutlicher: „Wir wollen als Landkreis eine nachhaltige Nutzung, die in unsere Region und an diesen Platz passt“; sagte sie gegenüber dem Kreisbote. „Ein Outlet-Center an dieser Stelle wäre Rück- statt Fortschritt und nicht die von uns favorisierte Lösung.“ Außerdem sei ein Outlet an dieser Stelle baurechtlich „kaum vorstellbar“.

Stadtrat für Hotel?

Ganz anders verhalte es sich aber, wenn am Festspielhaus ein Hotel entstehen sollte. „Falls die Stadt mitgeht und den Bebauungsplan ändert, können wir uns ein Hotelkonzept gut vorstellen“, so Zinnecker.

Tatsächlich hat der Treuhänder Hartmut Oldenburg laut Bürgermeister Iacob bereits vor etwa einem Jahr entsprechende Pläne eines prominenten Topmanagers dem Stadtrat hinter verschlossenen Türen vorgestellt.

Dieses „Denkmodell“ würde unter anderem ein Vier-Sterne-Hotel, den Festspielhausbetrieb, Erlebnisgastronomie, ein Panorama-Cafè sowie Kulturveranstaltungen vorsehen. „Das wurde positiv vom Stadtrat beschieden“, berichtet Iacob.

Auch Tourismuschef Stefan Fredlmeier bevorzugt eindeutig ein Hotel an dieser Stelle. „Wir erachten ein Hotelkonzept auf dem angedachten Qualitätsniveau als geeigneter im Vergleich zu einem Factory Outlet Center“, erklärte er. Zumal dieses die Verkehrsprobleme und den Andrang während der Hauptsaison wohl noch verschärfen würde.

Stadt ist Gläubiger

Einfluss auf den Ausgang der Verhandlungen hat die Stadt aber kaum. Denn zu Insolvenzverwalter Liebler durchzudringen, gelinge nur schwierig, so Bürgermeister Iacob. „Wir kommen da kaum ran.“ Das sei umso verwunderlicher, da die Stadt zu den Gläubigern der Musiktheater Füssen Besitz GmbH & Co. KG gehöre. Dabei handle es sich um einen sechsstelligen Betrag, der aber über das Grundbuch abgesichert sei.

Außerdem sei der Parkplatz am Festspielhaus im Besitz der Stadt. Der künftige Besitzer müsse sein Konzept also mit der Stadtverwaltung abstimmen. Die bisherigen Verträge mit dem insolventen Betreiber sind nach Angaben des Bürgermeisters bereits gekündigt worden. Vor diesem Hintergrund sei es unverständlich, dass keine Abstimmung mit dem Münchner Insolvenzverwalter zustande komme. Nun müsse abgewartet werden, was dieser entscheide.

Vor zwei Wochen hatte Liebler angekündigt, die Verkaufsverhandlungen bis Ende dieses Monats abschließen zu wollen. „Ansonsten würden eine dauerhafte Schließung des Hauses und die Zwangsversteigerung drohen.“ Zu einem Fragenkatalog des Keisbote wollte Liebler sich nicht äußern.

Matthias Matz

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