Räte lehnen dm am Stadtrand ab

"Es schadet der Kaufkraft"

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dm will nach Füssen. Die Bemühungen der Stadt die Drogerie in der Innenstadt unterzubringen sind jedoch gescheitert.

Füssen – Die Drogerie dm kommt nicht nach Füssen – zumindest vorerst nicht. Der Versuch, sie in die Innenstadt zu holen, ist gescheitert. Und den geplanten Standort am Stadtrand neben Aldi sehen viele Stadträte nach wie vor kritisch.

Sie befürchten, dass dadurch Kaufkraft aus der Innenstadt herausgezogen wird. Deshalb lehnten die Räte im Bauausschuss mehrheitlich den Bauantrag ab. Aber: „Wir werden den Antrag noch einmal reinkriegen, dann können wir ihn nicht mehr verhindern“, prophezeite Bürgermeister Paul Iacob (SPD).

Die Drogerie dm will nach Füssen: Bei vielen Bürgern hat das für Begeisterung gesorgt, bei vielen Stadträten allerdings für Magengrummeln. Der Knackpunkt: Die Lage. Denn der geplante Standort in der Abt-Hafner-Straße stehe im Widerspruch zu den Bemühungen, Füssens Altstadt zu beleben, meinten einige Ratsmitglieder.

Deshalb sollte die Stadtverwaltung versuchen die Drogerie in die Innenstadt zu holen. Genauer in das ehemalige Sparkassengebäude, in dem vor Jahren schon einmal eine Drogerie war. Das hatte der Bauausschuss in seiner Septembersitzung beschlossen.

Doch diese Bemühungen sind gescheitert, wie der Rathauschef am Dienstag erklärte. Die Strategie der Drogerie sehe vor, sich neben Aldi anzusiedeln. „Die machen das deutschlandweit so und haben damit auch Erfolg. Sie wollen das in Füssen genauso“, informierte Iacob die Räte. „Wir haben alles versucht dm in die Innenstadt zu holen.“

Bei Aldi in der Abt-Hafner-Straße sind aktuell aber nicht genügend Stellplätze für beide Märkte vorhanden, zumindest nach dem derzeitigen Stellplatzschlüssel nicht. Denn während Aldi für zehn Quadratmeter einen Stellplatz nachweisen muss, muss Konkurrent Lidl nur einen Parkplatz pro 15 Quadratmeter zur Verfügung stellen.

Und mit dem 15er-Schlüssel hätte auch Aldi ausreichend Parkplätze für beide Märkte, was der Discounter jetzt auch in Anspruch nehmen möchte. Diese Änderung sei juristisch „schon möglich. Es muss in den Antrag ausdrücklich aufgenommen werden“, gab Bauamtsleiter Armin Angeringer die Beurteilung der Baujuristen am Landratsamt weiter.

Aber: „Das steht so nicht drin.“ Insgesamt befürworte die Füssener Stadtverwaltung allerdings die Änderung, so Angeringer. Denn der Discounter habe ein Gutachten eingereicht, dass der 15er-Stellplatzschlüssel bei der derzeitigen Kundenfrequentierung ausreiche. In der Praxis könne man das auch bei Lidl sehen.

Schaden für Innenstadt? 

Zu einem ganz anderen Schluss kam allerdings Dr. Martin Metzger (BfF). Die Ansiedlung am Stadtrat „schadet der Kaufkraft der Stadt Füssen.“ Aldi und dm stünden in direkter Konkurrenz zu zwei Läden im Theresienhof. Damit zöge man Kaufkraft aus der Innenstadt, so Metzger. „Ich denke wir sind uns einig, dass wir das prinzipiell nicht wollen.“

Und das Argument, dass dm viele gute Eigenprodukte habe, ließ der Stadtrat nicht gelten. „Das sind im Höchstfall zehn, vielleicht 20 Prozent“ des Sortiments, so Metzger. 80 Prozent dagegen seien Produkte, „die die anderen (Drogerien – Anmerk. d. Red.) auch haben“, sagte der Stadtrat.

Deshalb schlug er vor, auf dem derzeitigen Stellplatzschlüssel zu beharren. Der Discounter habe sich damals an eine Vereinbarung gebunden. Die könne er jetzt nicht „nach Lust und Laune“ ändern. Erst müsste er „ganz gravierende Gründe“ dafür vorlegen. „Solange das nicht kommt, müssen wir nicht zustimmen“, so Metzger.

Attraktivierung der Stadt 

Aus der Seele sprach er damit Jürgen Doser (FWF) und Michael Schmück (CSU). Die Stadt müsse dafür sorgen, dass seine Innenstadt attraktiv bleibe, so Doser. Und er schätzte die Gefahr größer ein, dass nach der Ansiedlung von dm der ein oder andere in der Innenstadt aufhören müsse, als dass alle Konkurrenten gut überleben könnten.

Doch „in diesem Verfahren bedeutet die Innenstadtrelevanz gar nichts“, machte der Rathauschef klar. Der Discounter liege in einem Bereich, in dem ein zentrumsrelevantes Sortiment zulässig sei, erklärte der Bauamtsleiter. „Die Art der Nutzung hat ein Recht auf Zulassung“, sagte Angeringer. Ganz so dramatisch wie Metzger, Doser und Schmück schätzte Lothar Schaffrath (SPD) die Lage dagegen nicht ein: „Ich glaube nicht, dass sich das gravierend auf die Märkte in der Stadt auswirkt.“ Personen, die bereits im Theresienhof einkaufen, würden zur Drogerie Rossmann gehen und nicht extra zum dm hinausfahren und umgekehrt, so der Fraktionsvorsitzender der SPD.

Deshalb hatte er weder ein Problem mit dem neuen Stellplatzschlüssel, noch dass die Drogerie an den Stadtrand ziehen möchte. Ganz im Gegenteil, Schaffrath sah darin auch eine Chance. „Da kriegen wir ein paar Autos aus der Stadt raus.“

Vehement für eine Ansiedlung setzte sich dagegen Michael Jakob (CSU) ein. Die Drogerie sorge für eine „zusätzliche Attraktivierung des Angebots der Stadt.“ Denn die Füssener „fahren auf die Autobahn nach Kempten oder Innsbruck, um bei dm einzukaufen“, so Jakob. Bereits jetzt deckten sich die Bürger am Stadtrand für die Woche ein. „Das müssen wir akzeptieren.“ Zudem gebe es in der Innenstadt gar keinen ortsansässigen Drogisten, der mit dm konkurrieren könnte.

Seine Stadtratskollegen sahen das jedoch anders und lehnten den Bauantrag mit Verweis auf die fehlenden Stellplätze mit 7:4-Stimmen ab.

Doch damit ist die Geschichte wohl noch nicht zu Ende: „Wir werden den Antrag noch einmal reinkriegen, dann können wir ihn nicht verhindern“, sagte Iacob. Allerdings habe die Stadt mit diesem Beschluss ihren Standpunkt klar gemacht. Um aber zu klären, unter welchen Umständen der Antrag erneut abgelehnt werden könne, forderte Metzger eine juristische Stellungnahme einzuholen. „Das wird automatisch gemacht“, meinte Iacob.

 

Katharina Knoll

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