Rädchen für Rädchen

Uhrmachermeister Ralph Prinz (Mitte) vor der Konventuhr des Franziskanerklosters, die bei den Besuchern, so auch bei Füssens Zweiter Bürgermeisterin Ursula Lax (links) auf großes Interesse stieß. Foto: Schröder

Mit einer festlichen Abendveranstaltung am vergangenen Freitag wurde die Sonderausstellung, die zusammen mit einer Jubiläumsschau „150 Jahre Uhrenfabrik Junghans“ gezeigt wird, eröffnet. Die Wurzeln für diese Ausstellung liegen in der Tradition und Kunstfertigkeit der Füssener Uhrmacher. In einer Zeit, in der Uhren eine nur wenigen vorbehaltene Kostbarkeit waren, gehörten die Kirchen- und Turmuhren seit dem 15. Jahrhundert zur einer äußerst wichtigen Einrichtung im Alltag der Menschen. Die 200 ausgestellten Uhren reichen von der Konventuhr des Franziskanerklosters, einer Renaissance Madonnenuhr über Spindeltaschenuhren bis zu Standuhren des 19. Jahrhunderts.

„Uhren sind ein Zeichen für Kultur und die Zeitmessung prägt unsere Kultur schon lange“, erklärte Zweite Bürgermeisterin Ursula Lax in ihrer Begrüßung zu den geladenen Gästen im Kaisersaal. Sie bedankte sich bei den Initiatoren Dieter und Ralph Prinz „die mit enormen Engagement, Fachwissen und finanziellem Beitrag dieses Ausstellungsprojekt ermöglichten“. Die Firma Junghans fördert ebenfalls dieses Projekt und bereichert mit ihrem Beitrag zur 150-jährigen Firmengeschichte die Ausstellung. Dank ging von Dieter Prinz in seiner Laudatio auch an das Schwäbische Turmuhrenmuseum in Mindelheim und das Allgäu-Museum in Kempten, die mit ihren Leihgaben die Ausstellung unterstützen. Dieter Prinz gab einen kurzen Rückblick, wie es zu der Idee einer Ausstellung gekommen war. Die Entdeckungsreise Füssener Uhren und Uhrmacher lässt sich mit dem Erwerb einer prachtvollen silbernen Taschenuhr mit Spindelhemmung von einem jungen Ehepaar im Jahr 1985 genau datieren. Es war ein Torso, denn Teile fehlten – aber die Gravur „Johan Maurer in Fiessen 1724-1802“ - ließ aufhorchen. Die berühmte Totenkopfuhr dieses Meisters befindet sich heute im Britischen Museum in London. Die Benediktinerabtei St. Mang war wichtiger Auftraggeber, die das Uhrmacher-Kunsthandwerk in Füssen voranbrachte, weil genaue Zeiteinteilung den klösterlichen Alltag bestimmte. Mit den fünf Kienings: Hans, Jakob, Abraham, Isaak und Christoph beginnt die Zeitreise. Die Horizontalsonnenuhr von Isaak Kiening, ist eine Leihgabe des Museums Kempten. Ab 1557 sind es die Fendts. Hans, Anthoni, Mang, Matteus, Jacob und Peter waren von Haus aus Schlosser, die Kunstwerke aus Eisen schafften. Die Kirchturmuhr von St. Mang, eine Fendt-Uhr, zeugt von ihrer Kunstfertigkeit. Ein Prunkstück der Ausstellung ist die Konventuhr des Franziskanerklosters, „die wohl schönste barocke süddeutsche Turmuhr“, wie es Dieter Prinz formuliert und von der sich Wolfgang Vogt, Leiter des Turmuhrenmuseums in Mindelheim „nur schweren Herzens“ für die Dauer der Ausstellung getrennt hat. Mit Nicolaus Fridl aus Reutte, Thomas und Rudolf Haaf aus Pfronten oder Karl Danasl sind bedeutende Handwerker der Uhrmacherkunst der Region in der Ausstellung vertreten. Besonderes Exponat Sozusagen in letzter Minute kam ein einmaliges Exponat nach Füssen. Die Rokoko-Bodenstanduhr von Joseph Niggl aus Lechbruck, gebaut um 1755, ursprünglich aus der Sakristei der Wieskirche, soll nach Wunsch der Familie Prinz und Kulturamtsleiter Thomas Riedmiller ihren Platz in einer Uhren-Dauerausstellung finden. Für den Erwerb werden noch Sponsoren gesucht, die mithelfen, die historischen Werte für Füssen zu bewahren. Parallel zur Sonderausstellung ist auch die Jubiläumsschau „150 Jahre Uhrenfabrik Junghans Schramberg“ zu sehen. Die Ausstellung ist noch bis 13. Juli im Museum der Stadt Füssen zu sehen.

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