Zwei bis drei Sterne Hotel darf in das ehemalige Sparkassengebäude in der Reichenstraße ziehen

"Wir können das nicht verhindern"

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Hotelzimmer sollen im ehemaligen Sparkassengebäude im ersten bis dritten Obergeschoss entstehen.

Füssen – Nun ist es fix: In der Reichenstraße entsteht ein weiteres Hotel. Dort, wo vor Jahren einmal H&M rein wollte, wird im Obergeschoss jetzt wohl ein Hotel im zwei bis drei Sternebereich einziehen.

Im Juli hatten die Stadträte einen entsprechenden Bauantrag noch abgelehnt. Doch nun sind alle rechtlichen Hürden aus dem Weg geräumt. „Wir haben keine Möglichkeit eine Hotelnutzung zu verhindern“, erklärte Bürgermeister Paul Iacob (SPD).

Begeistert ist von dem Projekt wohl niemand im Stadtrat. Es entspricht auch nicht dem Ziel von Füssen Tourismus und Marketing, die Qualität im Tourismus zu steigern, wie Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier in der Julisitzung erklärt hatte. Aber: „Fredlmeiers Vortrag hat mit dem Baurecht nichts zu tun“, erklärte Bürgermeister Paul Iacob.

Auch die Verkehrsanbindung über die Hintere Gasse, die der Ausschuss im Juli ebenfalls kritisiert hatte, sei kein ausreichender Grund, das Projekt abzulehnen. Zu diesem Schluss kam laut Stadtverwaltung das Landratsamt Ostallgäu. Und genug Stellplätze könne der Bauherr auch nachweisen, selbst wenn man den Versammlungsraum im Keller berücksichtige, für den sechs zusätzliche Parkplätze fällig werden, so die Stadtverwaltung.

"Unsäglicher Rhythmus"

Nach weiteren Gesprächen habe der Bauwerber außerdem seine Pläne überarbeitet. Auf der Rückseite Richtung Hinterer Gasse will er nun auf einen Balkon verzichten und für den Brandschutz eine Außentreppe bauen. „Das ist nicht das Schönste“, erklärte die Stadtverwaltung. Allerdings haben andere Hotels in der Umgebung auch schon solche Treppen. In Richtung Reichenstraße will der Bauherr zudem auf die geplanten Dachgauben verzichten, die die Stadträte in der Julisitzung stark kritisiert hatten. Stattdessen soll das Dach so bleiben wie es ist.

Dass das eine Verbesserung ist, konnte Magnus Peresson (UBL) jedoch nicht sehen. Hier bleibe der gleiche „unsägliche Rhythmus“ aus Einfach- und Doppelfenster erhalten wie bei den Dachgauben, meinte der Stadtrat und Architekt. „Den Bestand kann man nicht ändern, weil der Dachstuhl und der Keller absolut unter Einzeldenkmalschutz stehen“, wandte Bürgermeister Iacob ein.

Doch Peresson bezweifelte, dass die Anordnung der Fenster von Architekten in historischen Zeiten stammen. „Die Fenster wurden rein willkürlich reingesetzt.“ Weshalb er vermute, dass sie eher aus Zeiten der Sparkasse stammen. Kein Einfluss auf Nutzung Erst über die Baugenehmigung und nicht über Einzelheiten wollte dagegen Dagmar Rothemund (SPD) diskutieren.

Die Stadträte sollten an die gesamte Stadtentwicklung denken. Wenn man nur mit dem Baurecht argumentiere, könne man „alles durchwinken“, meinte sie. Doch diesem Einwand erteilte Iacob gleich eine Absage: „So wenig Einfluss wie wir im Krieg in Syrien haben, so wenig Einfluss haben wir, was da reinkommt.“

Wenn die Nutzung in der Altstadt möglich sei und die nötigen Stellplätze nachgewiesen werden, müsse die Stadtverwaltung diese laut Baurecht auch zulassen. „Auf die Nutzung können wir keinen Einfluss nehmen. Wir können das nicht verhindern“, so der Rathauschef. Das ginge nur, wenn die Stadt einen Bebauungsplan über das gesamte Stadtgebiet lege. „Aber das können wir gar nicht zahlen“, sagte der Bürgermeister.

Schließlich genehmigte der Bauausschuss mit 7:3 Stimmen den Bauantrag für die Hotelnutzung. Allerdings soll noch geprüft werde, ob die Doppelreihung der Dachfenster aufgelöst werden kann. Daneben muss noch in einem Vertrag sicher gestellt werden, dass die Passage erhalten bleibt. Gegen den Beschluss stimmten am Ende die Stadträte Magnus Peresson (UBL), Ursula Lax (CSU) und Dagmar Rothemund (SPD).

Katharina Knoll

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