Reise in den Verstand

Philipp Gätz vor einigen seiner Bilder, die derzeit in der Lichtbildnerei in Füssen zu sehen sind. Foto: Schuster

1111 Kilometer ist der Bielefelder Phillip Gätz gewandert, von der dänischen an die österreichische Grenze. Währenddessen hat er fotografiert, Menschen, Gebäude, Momente festgehalten bei der Reise durch sein „fremd-vertrautes Deutschland“. Das Ergebnis seiner Reise stellt er noch bis 10. Oktober in der Lichtbildnerei in Füssen, seinem Zielort, aus.

Ganz nebenbei stellt das fotografische Werk seiner Deutschlanddurchquerung die Diplomarbeit seines Fotodesign-Studiums dar, das der 27-Jährige derzeit in Bielefeld absolviert. Aber für ihn ist es mehr als nur das, es ist auch eine persönliche Aufgabe, die der Fotograf sich selbst gegeben hat, erklärte er bei der Vernissage zu seiner Ausstellung am Dienstag. Nein, nicht nach der Hape-Kerkeling-“Ich-bin-dann-mal-weg“-Art. „Es war keine Pilgerreise“, sagt Gätz, und so richtig weg war er auch nicht, denn er hat täglich über seine Erlebnisse im Internet geblogt, sprich: ein Tagebuch im Netz geführt. Und die Resonanz war groß, berichtet er. Kern seiner Ausstellung stellen Portraits von Menschen dar, denen er auf seiner Reise begegnet ist.„Mit dem hab ich zwei Bier getrunken, mit dem nur zwei Minuten gesprochen und bei ihr hab ich gegessen“, antwortet er auf die Frage, wie denn die Gespräche mit seinen Modellen abliefen und deutet von Bild zu Bild. Auf dem Land komme man eher ins Gespräch mit den Leuten, in den Städten muss man sie regelrecht „erwischen“, deswegen habe er große Städte nach Möglichkeit gemieden. „Nürnberg und Augsburg gehörten zu den größten“, sagt Gätz. Und auf Eindrücke nach dem Muster „McDonalds-Aral-McDonalds-Aral-McDonalds-Aral“ habe er keine Lust gehabt. Abgesehen davon sind Städte zum wandern eh doof. Sein Blick auf Deutschland ist schon ein bisschen satirisch zu verstehen, sagt Grätz, und er besteht offenkundig aus ganz subjektiven Eindrücken, ohne den Anspruch zu haben, ein Gesamtbild der Republik wiederzugeben, schließlich war der 27-Jährige ja weder im Westen noch allzu tief im Osten. Nicht alle Begegnungen waren ganz zufällig, den Boxweltmeister Marco Huck traf er etwa in Erfurt, und lichtete ihn entspannt sitzend mit Meistergürtel ab. Den Sportler hat ein bekannter ihm vermittelt. Ein Bademeister, den Grätz fotografierte, sieht in Badehose, die unter seinem T-Shirt kaum zu sehen ist ein wenig albern aus, ein Mann auf einer Nordsee-Fähre blickt streng, eine Geigenbauerin verträumt in die Luft. Aber nicht nur Menschen, auch eine heruntergekommene Bank, eine Deutschlandfahne oder Gebäude nahm Gätz in seine Ausstellung mit auf, je nachdem ob er ihnen etwas interessantes abgewinnen konnte. Die Ausstellung „das fremd-vertraute Deutschland“ von Phillip Gätz ist noch bis zum 10. Oktober in der Lichtbildnerei in der Brunnengasse 21 zu sehen. Seinen Blog finden man im Internet unter der Adresse www.reiseindenverstand.de

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