Ritterspiele "Ehrenberg – Die Zeitreise"

"Tirol braucht keinen Herrn"

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Kämpfer stürmen auf das Publikum zu, um es zu erschrecken.

Reutte – Die Bogen werden gezogen, die Kanonen gezündet und die Schwerter gezückt: Zum zwölften Mal haben am Wochenende Protestanten und Katholiken um Burg Ehrenberg gekämpft.

Den Höhepunkt der Ritterspiele „Ehrenberg – Die Zeitreise“ wollten erneut tausende Besucher miterleben. Sie drängten sich in der Turnierarena, schlenderten über den Mittelaltermarkt und lauschten Musik aus dem Mittelalter und der Renaissance. 

Mit weit aufgerissenen Augen, lautem Gebrüll und den Schwertern fest in der Hand rennen die Ritter aufeinander zu: Es ist das Jahr 1546 und die beiden Feldherren Melchior und Balthasar Fieger kämpfen um Burg Ehrenberg. Alle Vorverhandlungen sind gescheitert, wie Herold und Moderator Michel von Aragon den Zuschauern erklärt. Nichts was Balthasar Fieger auf der katholischen Seite seinem Bruder Melchior, der die Protestanten befehligt, vorschlägt, überzeugt diesen die Burg aufzugeben. Nicht 30 Silbergulden und auch nicht sein Lieblingsessen, zubereitet von seiner Mutter. 

Also bleibt nur der Kampf. 

Und Michel von Aragon warnt vorsichtshalber das Publikum: „Es kommt schon mal ein Pfeil rüber. Zieht ihn aus eurem Bauch und gebt ihn zurück. Die sind teuer“, scherzt er. Während des Kampfgeschehens, erklärte der Moderator den Zuschauern die verschiedenen Phasen der Schlacht und streute allgemeine Informationen rund um Kämpfe im Mittelalter ein. Davon angestachelt, probierten zwei Buben gleich ihre neu erworbenen Schwerter und Schilde aus. Die gab es auf dem Mittelaltermarkt reichlich. 

Hier konnten sich auch kleine Burgfräulein mit den passenden Accessoires ausstatten. Daneben gab es Gewürze, Seifen, Schmuck, Holzkunst, Gewänder und richtige Schwerter und Rüstungen zu kaufen. Wer genug vom Bummeln hatte, der konnte sich beim Barbier eine neue Frisur schneiden lassen, in den Waschzubern von Thermale Gaudium entspannen oder sich die Zukunft beim Kartenlegen oder Steinorakel voraussagen lassen. 

Auch für das leibliche Wohl wurde gesorgt: Kaiserschmarren und Bratwürste, Rösti, Langos und Leberkäs wurden angeboten. Daneben wurde ein Spanferkel gegrillt. Als Nachspeise gab es Crepes, Muffins oder auch Kuchen. 

Duell um Ländereien 

Frisch gestärkt, tobten die kleinen Besucher auf dem Burgenspielplatz und probierten sich im Axtwerfen, Armbrust- und Bogenschießen aus. Daneben konnten sie auf Drachenjagd gehen, Eier knacken oder mit Ton arbeiten. Für leuchtende Augen sorgten auch die Gaukler „Mimikry“ mit ihrer Feuershow. Für die passende Musik waren die Bands „Cradem Aventure“ und „Heidenlärm“ zuständig. 

Action war dann noch einmal beim Ritterturnier geboten. Hier überfiel der Bischof von Augsburg mit seinen Schergen die Bauern in Ehrenberg, um Steuern einzuziehen. Denn der Herzog von Tirol war gestorben. Um für Ordnung zu sorgen, schickte der Kaiser den Herold Michel von Aragon nach Ehrenberg. Der sollte eigentlich einen stattlichen Ritter suchen, der bei einem Turnier die Ländereien erobern sollte. 

Doch stattdessen fand er nur Anders, den Schweinehirten. Also musste der zum Ritter ausgebildet werden. Auch wenn er sich zunächst vor der Größe der Pferde fürchtete. „Das ist eine optische Täuschung. Es wird kleiner, wenn es näher kommt“, beruhigte ihn der Herold. Bei dem Turnier ging es dann so wild zu, dass sogar ein Pferd ausrutschte und stürzte. Doch der Herold gab Entwarnung – weder Reiter noch Pferd hatten sich verletzt. 

Ein Duell musste schließlich die Entscheidung bringen. Anders und der Bischof gingen zu Pferd mit Lanzen aufeinander los, dann zogen sie die Schwerter. Am Ende behielt Anders die Oberhand und wurde zum Graf von Ehrenberg ernannt. Denn „Tirol braucht keinen Herrn. Tirol bleibt Tirol“, verkündete der Herold.

Katharina Knoll

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