Am morgigen Donnerstag geht Kulturamtsleiter Thomas Riedmiller in den Ruhestand

"Ich habe die Arbeit immer gern gemacht"

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Thomas Riedmiller in der Klosterbibliothek.

Füssen – Am morgigen Donnerstag geht eine Ära zu Ende: Nach fast 30 Jahren packt Thomas Riedmiller zum letzten Mal seine Sachen im Kulturamt zusammen und geht in den Ruhestand.

Im Gespräch mit dem Kreisbote blickt der Kulturamtsleiter auf seine Arbeit zurück, zu den Anfängen ohne Computer oder Faxgerät und erzählt, wie die Kulturarbeit in der Lechstadt immer professioneller wurde.

Die Faszination für Geschichte und Kultur wurde Riedmiller bereits in die Wiege gelegt: Sein Vater arbeitete als Heimatpfleger in Kempten. Nach seinem Abitur am musischen Gymnasium in Marktoberdorf – mit Hauptfach Geige – schlug Riedmiller einen ähnlichen Weg ein: Er zog nach Tübingen und studierte dort empirische Kulturwissenschaft und Geschichte. Doch nach seinem Magisterstudium, „war es nicht so leicht einen Job zu bekommen“, sagt Riedmiller. Am Ende landete er zufällig in Füssen – durch die Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (ABM) der Arbeitsagentur.

Seine Aufgabe war es, hier ein modernes Museum aufzubauen. Zwar war die damalige Kulturamtsleiterin Cilly Kahle „sehr aktiv“ was den Veranstaltungsbereich betrifft. Doch im musealen Bereich bestand Handlungsbedarf. Wenn Interessierte 1987 das Museum besichtigen wollten, mussten sie erst einmal den Hausmeister suchen.

Keine Ordnung

 Dieser hat dann „aufgesperrt und die Gäste durch den Kaisersaal und einige andere Räume geführt“, so Riedmiller. Damals seien „auf dem Tisch verschiedene Gegenstände gestanden.“

Von Ordnung oder einer didaktischen Aufbereitung keine Spur. Und auch das alltägliche Arbeiten kann man sich heute nicht mehr vorstellen: „Wenn man 1987 aus der Stadtverwaltung nach draußen telefonieren wollte, musste man sich bei der Zentrale anmelden“, so Riedmiller. Auch ein Faxgerät gab es 1990 im Kulturamt noch nicht. In dringenden Fällen sei man dann einfach schnell zur Sparkasse rüber gelaufen und habe dessen Gerät benutzt, erinnert sich der 65-Jährige.

Museum ausbauen

 1990 wurde Riedmiller schließlich Kulturamtsleiter, nachdem seine Vorgängerin in Ruhestand gegangen war. Ab da vereinte er das Amt des Kulturamts- und Museumsleiters in Personalunion. Dabei lag sein Schwerpunktbereich weiterhin auf dem Ausbau des Museums. Heute umfasst es drei Stockwerke im Südtrakt des ehemaligen Benediktinerklosters. Wegen der klammen Stadtkasse ging der Ausbau aber nur in Etappen voran. Das Museum ist deshalb „nicht aus einem Guss“, so Riedmiller.

Das hatte aber auch einen Vorteil: „Man lernt dazu. Die Erfahrung fließt hinein in die Neukonzeption“, so Riedmiller. Zu seinen persönlichen Höhepunkten zählt er unter anderem das Stadtjubiläumsjahr 1995, die Bayerische Landesausstellung 2010 und die Sonderausstellung „50 Jahre Gruppe 47“ 1997, deren Gründungstreffen in Ilse Schneider-Lengyels Hütte am Bannwaldsee stattfand. „Wir haben ihren Nachlass entdeckt und Teile ausgestellt“, so Riedmiller. Darunter Bücher und Masken der Poetin und Ethnologin.

Ein „Meilenstein“ war laut Riedmiller auch die Sonderausstellung zum 50. Geburtstag des Hollywoodfilms „Gesprengte Ketten“ 2013 oder die Ausstellung „Herbst des Barocks“ 1998, bei der das Museum Originalzeichnungen der Pfrontener Malerfamilie Keller präsentierte.

Geschichte „von unten“

 Besonders am Herzen lag Riedmiller die Geschichte „von unten“, aus Sicht der einfachen Leuten und deren Lebensverhältnissen zu zeigen. Diese haben „Unglaubliches geschaffen“ in Füssen, beispielsweise den Bau des Barockklosters St. Mang oder das Lauten- und Geigenmacherhandwerk.

Auch in den übrigen Fachgebieten des Kulturamts hat sich in den vergangenen 30 Jahre einiges getan: Früher betreuten städtische Mitarbeiter nebenbei das Stadtarchiv. Und auch die Arbeit in der Stadtbibliothek war alles andere als professionell: Lehrer kümmerten sich in ihrer Freizeit um die Bibliothek. „Früher war das schrecklich“, so Riedmiller. Man musste eine schmale Treppe hinaufsteigen, wenn man sich ein Buch ausleihen wollte. Heute habe sich die Bibliothek zum „Kommunikations- und Bildungszentrum“ entwickelt, sagt der Kulturamtsleiter.

Er ist besonders stolz darauf, dass heute „in den Sachgebieten überall hochqualifizierte und engagierte Mitarbeiter arbeiten. Das A und O sind die Mitarbeiter“, meint Riedmiller. Deshalb mache er sich auch keine Sorgen um die Zukunft des Kulturamtes. „Ich glaube, es geht alles gut weiter.“ Seit Januar habe er mit dem neuen Museumsleiter Dr. Anton Englert „sehr schön zusammengearbeitet“. Und die neue Kulturamtsleiterin Karina Hager „ist länger im Kulturamt als ich. Sie weiß bestens Bescheid.“

Im Rückblick meint Riedmiller: „Ich habe die Arbeit immer gern gemacht. Es ist nicht nur der schönste Arbeitsplatz vom Raum her, sondern auch von den Möglichkeiten gewesen.“ Er konnte „viel selber gestalten und auf den Weg bringen.“ Besonders interessant fand er dabei die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen wie beispielsweise dem Haus der Bayerischen Geschichte. „Man lernt enorm dazu, wenn man den Blick nach außen richtet.“

Buchprojekt beenden

 Für seinen Ruhestand hat der 65-Jährige noch keine konkreten Pläne. Er wolle sich mehr Zeit für die Familie und fürs Radeln nehmen. Aber soweit ist es noch nicht: „Ich arbeite bis zum letzten Tag.“ Und auch noch darüber hinaus. Denn mit seinem Buch über die Geschichte der Füssener Lauten- und Geigenmacher, bei dem er mit zwei Fachleuten aus Leipzig und Nürnberg zusammenarbeitet, ist der Kulturamtsleiter noch nicht fertig. Trotzdem freue er sich darauf „unabhängig von den täglichen Verpflichtungen zu sein“, sagt Riedmiller. „Am Kulturleben werde ich weiterhin teilnehmen. Dann aber als Genießer.“

Katharina Knoll

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