Helfer wollen sich helfen

Leiter Sergej Hollmann (v.l.) und seine Kollegin Andrea Jacobs erläutern den Alltag im Tageszentrum, das zum „Augustenhof“ gehört. Fotos: Schuster

Füssen – Den Tag der offenen Tür bei der Sozialpsychiatrischen Beratungsstelle Augustenhof nutzte Einrichtungsleiter Sergej Hollmann kürzlich, um einen runden Tisch ins Leben zu rufen. Einrichtungen, die mit Pflege zu tun haben, sollten sich hier austauschen – und die Idee wurde gut angenommen.

Die Sitzplätze im Raum reichten kaum aus, um Berufsbetreuern, Ehrenamtlichen Helfern, Sozialpädagogen, und so weiter Platz zu bieten. Dabei waren einige Einrichtungen gar nicht vertreten, sondern kündigten sich erst für kommende Treffen an. Ziel des runden Tisches war, dass sich die Vertreter der zuständigen Stellen kennenlernen, voneinander erfahren und sich so gegenseitig vielleicht sogar helfen können. Mit dabei war auch Bürgermeister Paul Iacob mit Stadtrat Lothar Schaffrath (beide SPD) und Wolfgang Hößle von der AOK. 

So gab etwa Evi Griessmann vom Bürgerspital Einblick in die erst seit kurzem in dieser Form bestehenden Pflegeeinrichtung. Die beiden WGs in dem traditionsreichen Haus – eine für Demenzkranke, eine für Pflegebedürftige – werde gut angenommen, die Warteliste sei lang. Bürgerhelferin Gisela Wagner, die bei Trennungen hilft, berichtete, sie habe Probleme einen Nachfolger zu finden. 

Ein gutes Beispiel für den Sinn des Treffens lieferte Stefan Seitz, Leiter des heilpädagogischen Tageszentrums. Er würde gern weiter an den runden Tischen teilnehmen, nur „weiß ich nicht, ob es uns da noch gibt“. Das Heilpädagogische Tageszentrum habe zehn freie Plätze, wovon derzeit nur fünf, ab kommendem Schuljahr nur zwei belegt seien. „Das Jugendamt hat keine Kinder für uns“, gab er an, die Einrichtung sieht einer ungewissen Zukunft entgegen. „Gut das Sie uns das sagen“, dankte Hollman. Ohne das Treffen, hätten andere Pflegende davon womöglich gar nicht erfahren. 

Neben weiteren Treffen soll ein „Sozialer Führer“ neu aufgelegt werden, den es in ähnlicher Form schon einmal in Füssen gegeben habe, wie Paul Iacob bestätigte. Im Herbst soll ein weiterer runder Tisch stattfinden. 

Kreativität und geordnete Abläufe

Der Besprechung war eine Führung durch das Haus vorausgegangen. Mit Beratungsstelle, betreutem Wohnen und einem Tageszentrum erfülle der Augustenhof dreierlei Zwecke, erläuterte Hollmann. Auf das Tageszentrum im Erdgeschoss ging Andrea Jacobs, Fachkrankenschwester für Psychiatrie näher ein. Den psychisch kranken Menschen gebe der organisierte Tagesablauf im Augustenhof Halt. Viele, so Hollmann, können sich allein kaum aufraffen, sich die Zähne putzen zu gehen. Das dürfe man aber nicht mit Faulheit verwechseln. Menschen mit psychischen Krankheiten seien „gehirnorganisch verändert“. Im Tageszentrum kaufen sie gemeinsam ein, kochen und essen zum Beispiel. Auch ergotherapeutische Angebote gibt es, Kreativität sei sehr wichtig. Davon zeugten lustige Pappmaché-Köpfe von Tieren, die als bunte „Jagdtrophäen“ den Hausgang zierten. Am Nachmittag dann wurde beim gutem Wetter beim Grillen und Eis aus Beppos Eiskutsche der Tag der offenen Tür fröhlich gefeiert. ps

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