CSU Fraktion schlägt Bauexperten für einzelne Projekte vor

Hilfe vom Bauexperten?

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Michael Schmück

Füssen – Braucht Füssen einen Stadtbaumeister? Diese Frage wird immer mal wieder in der Lechstadt diskutiert. In der CSU Fraktion ist man jetzt offenbar zu der Erkenntnis gelangt, dass die Stadt einen Fachmann bei einzelnen Bauprojekten gut gebrauchen kann, wie Michael Schmück (CSU) jetzt erklärte.

Diesen Vorschlag will er am Dienstag, in der Sitzung des Bauausschusses, vorbringen.„Ich glaube bei vielen Kollegen ist die Einsicht gewachsen“, dass man bei einzelnen Projekten jemand brauche, der über den Tellerrand hinausschaut, so Schmück. Hinter seinem Vorschlag stehe die gesamte CSU-Fraktion. Dabei machte er jedoch klar, dass er nicht gegen Bürgermeister Paul Iacob und Bauamtsleiter Armin Angeringer wettern, sondern mit ihnen zusammenarbeiten möchte. „Angeringer macht das gut“, sagte Schmück.

Bei seinem Vorschlag denkt er auch nicht an einen Stadtbaumeister. Denn „das kann sehr teuer werden“, so der CSU-Stadtrat, sondern an einen externen Architekten, den man nur für einzelne Bauprojekte engagiert. Der könne dann mit dem städtischen Bauamt zusammenarbeiten und es fachlich beraten.

Eine solche Beratung bietet beispielsweise die Bayerische Architektenkammer an, sagte Schmück. Sie hilft dabei einen „temporären Gestaltungsbeirat“ zusammenzustellen, der aus unabhängigen Fachleuten - Architekten, Landschaftsarchitekten, Innenarchitekten und Stadtplanern - besteht. Die Beiräte sollen auf Antrag der Kommune einzelne Bauvorhaben oder städtebauliche Entwicklungen beurteilen.

Rat soll vermitteln

Damit soll die Kommune unterstützt werden die richtigen städtebaulichen und planerischen Entscheidungen zu treffen. Daneben soll der Beirat zwischen allen am Bau Beteiligten und den Bürgern vermitteln, wie in einer Infobroschüre der Bayerischen Architektenkammer steht.

Schmücks Anregung steht beispielsweise Magnus Peresson (UBL) „positiv gegenüber“, wie er unserer Zeitung erklärte. Der Architekt, Stadtrat und Vorsitzender des Historischen Vereins „Alt Füssen“ setzt sich immer wieder vehement für den Erhalt historischer Gebäude in der Füssener Altstadt ein. „Natürlich bräuchte eine Stadt wie Füssen, mit einer alten baulichen Vergangenheit, einen Baumeister, der Architekt ist“, so Peresson. „Wenn das so ist wie jetzt, wo kein Architekt im Bauamt sitzt, bräuchte die Stadt unbedingt einen geschulten Fachmann für bestimmte Projekte.“

Gespür für die Region

Der bräuchte neben dem entsprechenden Können ein Gespür für die Stadt und für das, „was in der Region über Jahrhunderte gewachsen ist“, sagte Peresson. Denn das Klima und die regionalen Baumaterialien bestimmten in der Vergangenheit die Form der Dächer und Häuser. „Wenn man mit dem Zug von Flensburg nach Füssen gefahren ist, hat man an den Häusern gesehen, wo man ist“, erklärte Peresson. Heute sei das nicht mehr der Fall. So sehe man beispielsweise den Neubausiedlungen auf dem ehemaligen Kurhausareal nicht an, „dass sie im Allgäu stehen“, meinte der Stadtrat.

Heutzutage gehe es mehr um die Zahl der Parkplätze oder Abstände, als um gute Architektur, so Peresson. Von einer guten Architektur habe man sich in Füssen „leider schon längst verabschiedet“, sagte der Stadtrat. Allerdings könnte künftig ein Fachmann in der Stadtverwaltung Bauherren da entsprechend führen.

Anderer Meinung ist da allerdings Bürgermeister Paul Iacob (SPD), wie er dem Kreisbote erklärte. Für einen externen Fachmann „sehe ich keine Veranlassung“, so der Rathauschef. Die Gestaltung eines geplanten Hauses hänge entweder davon ab, was im Bebauungsplan stehe, oder, wenn der nicht existiert, wie die umliegenden Häuser aussehen. Falls die Stadt den zweiten Schritt nicht gehen möchte, könne sie wie beispielsweise bei der Guggemoswiese einen Architektenwettbewerb ausrufen. Oder wie beim Wohnprojekt „am Anger“ eine Veränderungssperre verhängen und mit einem Bebauungsplan, der sich speziell auf dieses Bauprojekt bezieht, Einfluss auf die Gestaltung nehmen.

Beim zweiten Fall hatte der Stadtrat zunächst aber etwas beschlossen, was juristisch gar nicht geht: Bei der Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans kann man keine Veränderungssperre erlassen. Das geht nur bei einem (Angebots-)Bebauungsplan. Darauf machte die Baujuristin im Landratsamt Ostallgäu die Stadtverwaltung aufmerksam. „Das ist eine baujuristische Spitzfindigkeit. Welcher Architekt in der Region beschäftigt sich mit juristischen Spitzfindigkeiten? Das tun sie nicht“, sagte Iacob.

Kostenlose Unterstützung 

Dafür habe Füssen als kreisangehörige Stadt die Baujuristin im Landratsamt, bei der man sich auch bei schwierigen Fällen erkundigen könnte. Diese habe der Stadt „immer den richtigen Weg aufgezeigt“, meinte der Bürgermeister. Zudem sei diese Unterstützung kostenlos, so der Rathauschef. „Ich wüsste nicht, wo (auf welchem Weg der Baugenehmigung – Anmerk. d. Rd.) ein externer Architekt reinkommen soll.“ Und ob die Gebäudegestaltung einem gefällt oder nicht und ob sie in die Umgebung passe, hänge vom persönlichen Geschmack ab, ist Iacob überzeugt. Einen Architekten aus diesem Grund einzustellen sei „abwegig.“ Mit den bauplanerischen Vorgaben sei die Stadt bis jetzt „gut gefahren. Bisher haben wir immer den richtigen Weg bestritten“, sagte Iacob.

Was der Bauausschuss dazu sagt, lesen Sie in der kommenden Samstagsausgabe des Kreisbote.

Katharina Knoll

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