Keine öffentliche Verkehrsmittel in der Nacht

Ein gefährliches Spiel

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Andreas Reisigl (MOJA Reutte), Linda Strickner (HAK), Marina Messner (HAK) und Günter Salchner (REA) erarbeiten Mobilitätsangebote für Jugendliche in den Nachtstunden.

Reutte – Jung sein in der Stadt und auf dem Land sind zwei Paar Schuhe. Auf dem Land braucht man jedenfalls Schuhe mit guten Sohlen, zumindest dann, wenn man nach einer nächtlichen Zechtour nach Hause will.

Denn das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln ist aufgrund der geringeren Bevölkerungsdichte wesentlich ärmer als in urbanen Räumen. Schülerinnen der Bundeshandelsakademie (HAK) Reutte untersuchen jetzt im Rahmen ihrer Diplomarbeit, welche alternativen Mobilitätsangebote hier Abhilfe schaffen könnten.

In einer repräsentativen Befragung der Regionalentwicklung Außerfern (REA) mit 369 Jugendlichen im Jahr 2014 bewerteten 55 Prozent das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln als schlecht oder sehr schlecht. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam der Beteiligungsprozess „Next Generation Tannheimer Tal“. Jugendliche und junge Erwachsene sahen in der eingeschränkten Mobilität das mit Abstand größte Manko.

Besonders schlecht, weil schlichtweg nicht vorhanden, ist das Öffi-Angebot in den Nachtstunden. Von Nightliner-Angeboten wie in Innsbruck kann man im Außerfern nur träumen. Und Taxifahrten sind für Jugendliche und junge Erwachsene oft zu teuer. In Höfen und Wängle sowie im Tannheimer Tal fahren daher Bürger für Bürger. Das Flexi-Shuttle und das Talfuhrwerk Tannheimer Tal erfreuen sich deshalb bei vielen großer Beliebtheit. Andernorts behilft man sich mit Fahrgemeinschaften. Oft stehen auch die Eltern mitten in der Nacht auf, um den Nachwuchs von der Disko sicher nach Hause zu chauffieren.

Unbefriedigende Situation

 Diese Situation ist für viele Jugendliche jedoch unbefriedigend. Ein Team aus den HAK-Schülerinnen Linda Strickner und Lena Keller, beide aus Heiterwang, sowie Marina Messner aus Reutte untersuchen nun im Rahmen ihrer Diplomarbeit, welche alternativen Mobilitätsangebote hier Abhilfe schaffen könnten. Derzeit erheben sie das Ausgeh- und Mobilitätsverhalten der Jugendlichen im Bezirk Reutte. Besonderes Interesse gilt dabei auch den Kinobesuchen in Füssen oder Garmisch-Partenkirchen. Den daraus abgeleitete Bedarf wollen sie mit funktionierenden Angeboten in anderen Regionen abgleichen.

In einem weiteren Schritt prüfen die Schülerinnen, welche dieser Angebote im Außerfern realisierbar, sprich finanzierbar, sind. Von Bürgern betriebene Modelle wie in Höfen und Wängle sind jedenfalls nicht immer übertragbar. Die Schülerinnen werden unterstützt von Andreas Reisigl von der Mobilen Jugendarbeit (MOJA) Reutte und Regionalmanager Günter Salchner vom Verein REA, der diese Untersuchung in Auftrag gegeben hat.

Jugendliche einbinden

 Für Regionalmanager Günter Salchner ist das Einbinden von Jugendlichen in die regionale Entwicklung ein zentrales Anliegen. „Wir haben uns vorgenommen, jedes Jahr Themen für Diplomarbeiten den Schülern der HAK beziehungsweise HLW anzubieten und bei Interesse auch gemeinsame Projekte umzusetzen. Ich bin vom Engagement der Jugendlichen und der Ausbildungsqualität an unseren Schulen sehr angetan“, erklärt Salchner.

Für Andreas Reisigl geht es bei diesem Projekt vor allem um ein Mehr an Sicherheit. „Unseren Jugendlichen bleibt beim Ausgehen vielfach nur das Auto, um in der Nacht wieder nach Hause zu kommen. Das Spiel mit Promillegrenzen ist ein sehr gefährliches. Ein Nachtshuttle wäre hier eine echte Alternative“, ist der Reuttener Streetworker überzeugt.

kb

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