Starkbieranstich im Schlossbräustüberl: Fastenprediger Walter Sirch sorgt für viele Lacher im Publikum

"Große Teller, kleine Portionen, gar it günstig"

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Die Lokalpolitik aufs Korn nimmt Fastenprediger Walter Sirch als Hausmeister Walter.

Hohenschwangau – Heuer war alles anders beim Starkbieranstich der König Ludwig Schlossbrauerei Kaltenberg in Hohenschwangau: Neuer Bürgermeister, neuer Verwalter und neuer Fastenprediger luden ins Schlossbräustüberl.

Während Fastenprediger Walter Sirch als Hausmeister die aktuellen politischen Ereignisse durch den Kakao zog, unterhielt Thomas Günter als Bräustüberlwirtin mit flotten Liedern. Passend dazu begrüßte Prinz Luitpold von Bayern seine Gäste mit einer humorvollen Rede. Lange stand es in den Sternen, ob es heuer wieder einen Starkbieranstich in Hohenschwangau geben werde. 

Schließlich wurde das Schlosshotel Lisl geschlossen, von dem keiner wisse wie es weitergehe, erklärte Andrea Strein, Sekretärin des neuen Verwalters des Wittelsbacher Ausgleichsfonds (WAF), Albert Aulinger. Schließlich entschied der sich doch dafür, zur Freude der Gäste. Denn rund 250 drängten sich am Donnerstagabend in den Bräustüberl-Keller, um den diesjährigen Ritterbock zu testen. 

Genussland Bayern 

Das Fass schlug Johann Stöger, zweiter Bürgermeister in Schwangau, in Vertretung für Bürgermeister Stefan Rinke routiniert an. 

Der Ritterbock sei heuer mit etwas über neun Prozent „ein bisserl stark rausgekommen“, erklärte Prinz Luitpold von Bayern bei seiner Begrüßung mit einem Augenzwinkern. Das „macht aber nichts, wir trinken es ja zur Freude“, so der Prinz. Das Bier sei schließlich in Bayern ein Volksgetränk. Dessen Genusskultur Bayern zum Kulturland gemacht habe. „Wir leben damit ganz gut“, so der Prinz. Zumal Biertrinken lebensverlängernd sei – Grund genug, den Konsum zu regulieren. 

Schließlich müsse man die Krankenkassen und die Rentenversicherung vor alten Leuten schützen. Dass es heuer wieder den Starkbieranstich in Hohenschwangau stattfand, freute auch Walter Sirch alias Walter, der Hausmeister vom Schlossbräustüberl, den die neue Wirtin Lisl (Thomas Günter vom WAF) zur Reparatur des Aborts gerufen hatte. Schließlich gebe es in Hohenschwangau sonst keine Abendunterhaltung. Obwohl „der nui Schwogar Bürgermeister, d´r Stefan, will huir an Weihnächda zum erstamoal a Weihnachtsbeleuchtung in Hogau aufhenka, des isch doch amoal al Anfang.“ Denn mit den Schlosskonzerten laufe es nicht mehr so, dank der neuen Brandschutzverordnungen. 

Jetzt dürfen nicht mehr so viele Leute in den Sängersaal rein und die Feuerwehr muss während der Aufsicht auf ihr Bier verzichten. Zur Freude der neuen Schlossverwalterin Frau Schmid, die es eher ruhig mag. Doch „d´r Albert , d´r nui WAF-Chef in Hogau, där will Obads an Rummel, där plant sogar eine Kleinkunstbühne“. Mit dem sei man sonst auch, „recht zfrieda“, so Sirch: Der „Franziskus von Hohenschwangau“ sei Reformator, barmherzig, sparsam – „bloaß dä Porsche passt jetzt it ganz zum Franziskus va Rom, aber des ka ma ja no ändra“. 

Sonst komme er aber seiner Aufgabe vorbildlich nach: „Du sperrsch am Obad die Heißla zua und moasch di Lichter aus und dann ka Hohenschwangau in Ruhe schlofa“. Und auch dabei sei er sparsam: „Er hot beobachtet, dass a Chinesin unterm Drehkreuz durgschloffa isch, da hot a sich denkt, wenn die scho schwaz bisslat, na braucht se oh koi Licht.“ Ja, mit den Touristen sei das so eine Sache. Wegen der Unfallgefahr durch Eiszapfen musste die neue Schlossverwalterin jetzt den Fußweg von der Bushaltestelle zum Schloss sperren. 

Aber bei den vielen Besuchern, „i moi des ka ma doch verkrafda? Des merkt doch koi Sau...“, wenn mal einer fehlt. Anders sieht das natürlich in Füssen aus. „Ohna die chinesischen Touristen, wo uibra Apodeka leer kaufa, hätsch ja gar koi Steuereinnahmen mä“, so Sirch zu Füssens Bürgermeister Paul Iacob. 

Bahnhof verlegen 

Auch dem Grund, warum man das Schlosshotel Lisl zugesperrt, dafür aber den Parkplatz geöffnet hat, wollte Sirch auf den Grund gehe, blieb aber erfolglos. Da ist es gut, dass die Hogauer wenigstens das Hotel Alpenrose haben, auch wenn GKG nicht für „Großer Königlicher Genuss“ sondern für „Große Teller, kleine Portionen, gar it günstig“ stehe. Eine Lösung hatte Sirch allerdings für das Füssener Verkehrsproblem parat: „Paul handr mit dem Bahnhof scho agfanga? Bauad den auf Hohenschwangau. Fiessa und Hohenschwangau moachad mir autofrei.“ Dann könnten die Touristen direkt zu den Schlössern fahren – eine Umgehungsstraße ist dann unnötig. „Und wenn d´r in Altersschrofa no a Haltestelle moachad, dass d´r kühne Max und Götz Ulli einsteiga kannet, da hander oh zwoi, wo des zahlet“, meinte Sirch. 

Außerfern eingliedern 

Und wenn man grad dabei ist, kann man gleich noch eine Zahnradbahn nach Pinswang bauen und ein Kombiticket für die Schlösser und die Hängebrücke in Reutte anbieten. Denn „des isch doch bloaß no a Frage der Zeit bis mir di (Karl Wechselberger – Bürgermeister Pinswang, Anmk. d. Rd.) kassiert hand, au der nui ADAC Karda isch d´r Außerfern scho gar nemmer einzeichnet.“ Eine Unbekannte sei jedoch der Damenausflug vom G7-Gipfel, meinte Sirch. 

Denn wo soll man denn dann die Preise erhöhen? Bei den Schlössern oder doch lieber beim Minigolfplatz in Schwangau? „In Garmisch koscht jetzt a Läberkässemmel 11,80 Euro. Des brauchad´r frei it noachmoacha“, meinte Sirch. Da sollte man doch lieber erst mal das Starkbier und die zünftigen Musik der Musikkapelle Schwangau genießen.

Katharina Knoll

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