Schwangauer starten in die neue Faschingssaison und feiern dabei gleich zwei Geburtstage

Rauschendes Jubiläumsfest

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Ein Bote des Hofstaates bringt dem alten Prinzenpaar Namen Maria (Huber) und Lukas (Mayr)  die Nachricht, dass Nordmänner in das Reich von Zeus eingefallen sind.

Schwangau – Mit einem rauschenden Fest ist der Schwangauer Faschingsverein am Freitagabend in die neue Saison gestartet.

Anstatt nur das neue Prinzenpaar zu proklamieren, stand der diesjährige Auftakt der 5. Jahreszeit ganz im Zeichen der „11“ – vor 44 Jahren wurde der Faschingsverein gegründet, vor 88 Jahren gab es den ersten Umzug durch den Ort. Und auch der musikalische Ausnahmezustand, die Kaiser Wilhelm Gedächtniskapelle (KWGK), kann in dieser Faschingssaison auf ihr 40. Gründungsjubiläum zurückblicken.

Schwangau startet in den Fasching

Obwohl der Fasching in der Schlössergemeinde eine weitaus längere Tradition hat, häufen sich in dieser Saison die Jubiläen (der Kreisbote berichtete). Nachdem in einem feierlichen Rahmen die Insignien der Macht über den Faschingsverein auf den neuen ersten Vorstand Peter Reinelt übertragen worden war und nach den Grußworten von Bürgermeister Rinke und Martin Klopfer vom Trachtenverein konnten die Feierwilligen loslegen.

Für die nötige Stärkung sorgte die Trachtler, die als Patenverein ein ordentliche Brotzeit mitgebracht hatten. Es war dann an der neuen Vorstandschaft des Faschingvereins um Peter Reinelt und Steffi Kiefer, die langjährigen und treuen Mitglieder zu ehren. Sie gehören zu den ersten, die dem neugegründeten Verein seinerzeit beitraten und seit nunmehr vier Jahrzehnten die fünfte Jahreszeit und ihr ausgelassenes Treiben herbeisehnen.

Übrigens wurde vor 40 Jahren auch die Standarte des Faschingsvereins, die ein Schwan mit Narrenmaske ziert, geweiht. Dass der Fasching aber nicht erst 1973 im Dorf Einzug hielt, daran erinnerte Steffi Kiefer, die die Vereinschronik gewälzt und historische Daten zusammengetragen hatte.

Demnach fand der erste Faschingsball schon 1928 im damaligen Café Knestele (heute Weinbauer) statt, der Eintritt damals: stattliche 60 Pfennige.

Grüße aus Füssen

Deutlich jünger ist die Guggenmusik aus Staig (gleich gegenüber von Senden an der Iller). Seit elf Jahren aktiv, heizten die 22-köpfige Gugga-Bätscher dem Publikum im Schlossbrauhaus ebenso ein, wie es sonst nur die Gedächtniskapelle vermag.

Etwas ruhiger wurde es, als schwarzbefrackte Frauen und Männer mit Zylinderhüten auf dem Kopf die Bühne betraten: die Ratsherren der Schindau mit dem einzig wahren Füssener Bürgermeister. In gereimter und musikalischer Form überbrachten sie ihre Grüße zum Jubiläum und eine Liebeserklärung an das Dorf. In dieser beklagten sie, dass sie nicht öfter in Schwangau sein könnten. „Immer nur zur Faschingszeit, weil der Iacob das nicht so gern sieht.“

Mit einigen Klassikern wie dem „Schneepflugsong“ und einem Lied über das (Schwangauer Trink-) Wasser komplettierten die Füssener ihren Auftritt. Anschließend ehrten die Schindauer Peter Reinelt und Rudi Hahn, Vorstand der KWGK.

 Und so hatten die KWGK-Männer in ihren alten Feuerwehruniformen und den polierten und goldenen Helmen ihren Auftritt unter der Leitung von Max Lori. Sie gehören zum Schwangauer Fasching wie das „Gunglhos“, einer Art Theaterstück, bei dem die Missgeschicke der Schwangauer seit 1970 auf höchst amüsante Weise beleuchtet werden. Nur ein Jahr danach erblickte übrigens der Faschingsorden das Licht der Faschingswelt und zeigt jedes Jahr das Thema der Saison und des Prinzenpaares.

Apropos Orden: einer der bekanntesten im Allgäu kommt auch aus Schwangau und heißt auf gut Deutsch: „Taten statt Worte“. „It viel rede, ebbas due“, das steht für den wohltätigen Zweck, den der Faschingsverein seit 1975 verfolgt und mit dem Organisationen mit einem beachtlichen Geldbetrag ausgezeichnet werden, die sich engagieren.

Dank für Helfer 

Bevor es zu den beiden wichtigsten Namen des Abends überging, vergaß Steffi Kiefer nicht, einige Personen zu erwähnen, ohne die der Fasching in Schwangau in dieser Form nicht möglich wäre. Neben den zahllosen Prinzenpaaren gehören Albert Sepp und seine Frau Mathilde zum Rückgrat des Faschings, die noch heute mit Einlagen beim Gaudiwurm die Zuschauer zum Schmunzeln bringen.

Dank gab es auch für die vielen Ehefrauen, die die Musiker der KWGK versorgen, ohne ein einziges Mal aus dem Schatten ihrer Gatten treten zu können. Über lobende Worte durften sich auch die Trainerinnen der Garden und alle, die dafür gesorgt haben, dass der „Staufer Löwe“ – eine der höchsten Auszeichnungen des Allgäu-Schwäbischen-Fasnachtsbundes – heuer zum sechsten Mal nach Schwangau ging.

Im Reigen der Prinzenpaare, die man auf die Bühne geholt hatte, wurden schließlich Ihre Lieblichkeit Klara (Müller) und Seine Tollität Tobias (Heiserer) vorgestellt.

Oliver Sommer

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