Allgäuer Dorf: Angst um Hotels und Brauhaus

Was wird aus dem Gelände, auf dem das Allgäuer Dorf geplant ist? Foto: LRA

Schwangau – Seit der Schwangauer Rathauschef Reinhold Sontheimer bei der Abstimmung des Zweckverbandes Allgäuer Land „Nein“ zu den Plänen eines Allgäuer Dorfes gesagt hat, kommt Schwangau nicht mehr zur Ruhe. Die Ablehnung des Projekts zieht sich offenbar durch den gesamten Schwangauer Gemeinderat. 

Und der spielte bei Sontheimers Meinungsbildung bisher eine große Rolle. Jüngst erst bei der Sitzung des Kur- und Verkehrsvereins bekräftigte der Bürgermeister sein „Nein“. Er selbst weilt derzeit im Urlaub und war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. 

Alle Fraktionen weisen vor allem darauf hin, dass ursprünglich nie von einer Ferienanlage die Rede gewesen sei. Peter Helmer (CSU), dritter Bürgermeister der Gemeinde und Campingplatzbetreiber: „Alle Fraktionen sind gegen diese Pläne. Wobei man ohnehin feststellen muss, dass die jetzt nichts mehr zu tun haben mit den ursprünglichen Plänen“. Seinerzeit sei von einer Art Autobahnraststätte bei Nesselwang die Rede gewesen, ähnlich dem Trofana in Tyrol. 

Diese Raststätte, mit einem kleinen 50-Betten-Hotel hätte ein Tor zum Allgäu werden sollen, so Helmer, wo sich die Orte hätten präsentieren können. Von einem Feriendorf sei da nicht die Rede gewesen. Lange Zeit hätten dann die Informationen gefehlt, Helmer spricht von Geheimniskrämerei. Als man dann das Allgäuer Dorf vorgestellt habe, sei plötzlich auch von einem Feriendorf mit 612 Betten die Rede gewesen. Nun heiße es ja auch anders, „Dorf – Ferien- und Erlebnisanlage Allgäu“, eben mit dem Zusatz Ferien- und Erlebnisanlage. Wobei Helmer, wie auch sein Gemeinderatskollege Roman Seider (SPD) vor allem die Bettenzahl als problematisch ansieht. 

Viele Schwangauer Hoteliers hätten in den vergangenen Jahren investiert und ihre Häuser auf Vordermann gebracht, so Seider. Damit würde diese 600-Betten-Anlage genau die Schwangauer Hoteliers treffen, ist sich Seider sicher. Ein Problem, dessen man sich auch im Kur- und Verkehrsverein bewusst ist. Mehr noch, laut Seider entstehe im Allgäuer Dorf auch eine direkte Konkurrenz zum Schwangauer Brauhaus – dem ehemaligen Kurhaus, das die Gemeinde mit nicht ganz zwei Millionen Euro saniert und eben zu einem Brauhaus umgebaut hat. 

Beim „Tor zum Allgäu“ habe ein Konsens geherrscht, beschreibt Roman Seider die Situation seinerzeit. Dass sich jetzt ausgerechnet Schwangau querlegt, vor allem erst jüngst, lasse sich leicht erklären, so Peter Helmer. Erst langsam seien Details bekannt geworden und damit die Erkenntnis, wohin die Entwicklung gehe. Mittlerweile stünde die Ferienanlage im Vordergrund, weniger sei die Rede vom Allgäuer Dorf. Dabei, so weiß Peter Helmer, war der Schwangauer Gemeinderat bislang der einzige, der das Thema Allgäuer Dorf auf der Tagesordnung gehabt habe. Mittlerweile aber würden auch die anderen Kommunen eine Neubewertung durchführen. 

Dabei fürchte man sich in Schwangau zu Recht, so Helmer. Die große Zahl an Betten könnte den Markt schon verschieben, nicht nur innerhalb Füssens, sondern eben im gesamten südlichen Ostallgäu. Zwar hat Schwangau rund 3850 Betten, aber im Segment des Familienurlaubs würde es sich bemerkbar machen. Die Wirtschaftlichkeitsberechnung gingen von 120.000 Übernachtungen pro Jahr aus, das sei eine Auslastung von etwa 55 Prozent, hat Helmer errechnet. Das ist schon machbar, so der Campingplatzbetreiber. In Schwangau sei die Auslastung im Schnitt über 50 Prozent, in Füssen liegt sie, nach Zahlen von Füssen Tourismus im Schnitt unter 40 Prozent. 

Doch es sind nicht nur die Übernachtungsgäste, die den Schwangauern Kopfschmerzen bereiten. Helmer fürchtet, dass politischer Druck auf die Gemeinde aufgebaut werden könnte und der Ruf nach der Umgehung, unter Einbeziehung Schwangaus, wieder stärker werden könnte. Denn man kalkuliere ja auch mit 350.000 Tagesgästen, was eine Verstärkung des Verkehrsproblems in Füssen bedeute. Begrüßenswert wäre aus seiner Sicht dagegen, wenn man ein Bettenprojekt unter Einbeziehung des Musicals der Wirtschaftlichkeit zuführen könnte. Denn damit wäre der gesamten Region geholfen.gau

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