Johann Hensel wird neuer Schlossherr auf Neuschwanstein

Neuer Mann mit viel Erfahrung

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In der Vergangenheit hatte Finanzminister Markus Söder häufig Grund, skeptisch auf die Vorgänger im Märchenschloss zu schauen. Das soll sich mit dem neuen Schlossherren ändern.

Schwangau/München – Nach jahrelangen Querelen hinter den malerischen Kulissen des Märchenschlosses Neuschwanstein soll nun der Regierungsamtsrat Johann Hensel als neuer Vorstand endlich für Ruhe in der Belegschaft sorgen und alte Gräben ebnen.

Seine Ernennung gab die Bayerische Schlösserverwaltung jetzt bekannt. Hensel, bisheriger Leiter der Seeverwaltung Ammersee, tritt damit die Nachfolge von Katharina Schmidt an. Die Regierungsrätin hatte sich nach zahlreichen Querelen Anfang des Monats auf einen anderen Posten versetzen lassen. Die Belegschaft reagierte erleichtert auf die neue Personalie.

Der Kreisbote berichtete es bereits Anfang Oktober, jetzt ist es amtlich: Der 60 Jahre alte Johann Hensel aus Fuchstal (Landkreis Landsberg) wird neuer Schlossherr auf Schloss Neuschwanstein. Am kommenden Dienstag, 15. November, soll er nach Angaben der Bayerischen Schlösserverwaltung (BSV) sein neues Amt offiziell antreten.

Hensel war seit 1981 Leiter der Seeverwaltung Ammersee und damit unter anderem auch zuständig für den Alpsee bei Schwangau, den Schwansee und den Forggensee (nur Fischereirecht). Begonnen hat seine Laufbahn 1977 beim Landratsamt Landsberg als Sachbearbeiter für die Sachgebiete Wasserrecht und Baurecht.

Für das Amt des Schlossherren vorgeschlagen hatte ihn das BSV. Das zuständige Finanzministerium unter der Leitung von Markus Söder hat der Personalie jetzt in Abstimmung mit dem Personalrat zugestimmt.

Als neuer Schlossherr wartet auf Hensel keine geringere Aufgabe als auf Neuschwanstein eine neue Ära einzuläuten. Denn hinter den Mauern der prominentesten Immobilie des Freistaats mit jährlich rund 1,5 Millionen Besuchern aus aller Welt rumort es seit Jahren.

So flog 2012 auf, dass aus Sonderführungen jahrelang schwarze Kassen für die Belegschaft unterhalten wurden. 2014 wurde deshalb ein ehemaliger Schlossverwalter vor dem Amtsgericht Kaufbeuren zu einer Geldauflage von 8000 Euro verurteilt.

Kommen und Gehen 

Regelmäßig tauchten in der Folgezeit immer wieder Berichte und Gerüchte über Mobbing, interne Querelen und eine Spaltung der Belegschaft auf. Dann geriet der externe Sicherheitsdienst wegen rassistischer Ausfälle einzelner Mitarbeiter in die Schlagzeilen (der Kreisbote berichtete).

Zuletzt klagte ein hochrangiger Mitarbeiter erfolgreich vor dem Arbeitsgericht gegen zwei Abmahnungen durch die bisherige Schlossherrin. Die warf kurz danach nach nur drei Jahren entnervt hin. Bereits ihr Vorgänger hatte sich nach internen Querelen und Mobbingvorwürfen vorzeitig versetzen lassen.

Die Spitze der Schlösserverwaltung ist überzeugt, dass Hensel der richtige Mann ist, die Gräben in der Belegschaft zu schließen. „Er gehört zu den langjährigen und erfahrensten Führungskräften der Bayerischen Schlösserverwaltung“, erklärte BSV-Specherin Dr. Cordula Mauß gegenüber unserer Zeitung. Der Fuchstaler besitze eine ausgeprägte Sozial-, Verwaltungs- und Organisationskompetenz. „Dies qualifiziert Hensel für den betrieblich-administrativen Aufgabenschwerpunkt bestens“, so Mauß.

Hohe Erwartungen 

Die Mitarbeiter des Märchenschlosses setzen anscheinend ebenfalls große Hoffnungen in den neuen Schlossherren. „Wir blicken optimistisch in die Zukunft“, so ein Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte. Der Füssener SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Paul Wengert, der in der Vergangenheit bereits mehrfach auf die Vorkommnisse auf dem Aushängeschild der BSV hingewiesen hatte, sagte auf Anfrage: „Ich hoffe, dass es jetzt einen Neustart gibt!“

Es gehe vor allem darum, dass Hensel eine Verbesserung des Betriebsklimas gelinge. „Die Frage ist, ob es ihm gelingt, mit Führungsqualität und Sozialkompetenz den Teamgeist zu reaktivieren“, erklärte Wengert. Er wünsche sich, so der Sozialdemokrat, „dass es künftig nicht mehr erforderlich ist, dass ich mich als örtlicher Abgeordneter wegen des Schlosses an das Ministerium wenden muss.“

Hensels Vorgängerin Schmidt hatte Mitte September nach den oben genannten Querelen in einer Personalversammlung angekündigt, sich zum 1. November versetzen zu lassen. Nach Auskunft der BSV wird sie ab kommenden Dienstag die organisatorische Leitung der Verwaltung der Königsschlösser in Garmisch-Partenkirchen übernehmen.

Matthias Matz

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