160 exotische Arten sind im neuen Reptilienzoo im Füssener Magnuspark am Lech sehen

Echsen, Insekten und echte Raritäten

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Bei Gefahr rasselt die Klapperschlange mit ihrer Rassel am Schwanzende. Diese Warnung ist in er freien Wildbahn vor allem bei Huftieren sehr nützlich, die eher zufällig auf Klapperschlangen treffen und diese zertreten könnten.

Füssen – Reptilien, Amphibien, Insekten, Spinnen und Kleinsäuger: Im Reptilienzoo Allgäu gibt es mehr zu sehen als „nur“ Echsen und Schlangen. Ca. 160 Arten präsentiert der Zoo im Magnuspark in Füssen.

Darunter auch echte Raritäten wie ein Taipan, eine der giftigsten Schlangen der Welt, Nashorn- und Gabunvipern oder Tejus, eine Echsenart. Diese gibt es nicht so häufig in Zoos zu sehen, erklärt Inhaber Dieter Graf. 

Echsen und Insekten

Schwarze Augen starren mich an, eine gespaltene Zunge schnellt aus dem Maul und eine Rassel klappert bedrohlich: Eine Klapperschlange versucht Dieter Graf mit einem Haken für die Kamera in Position zu bringen. Sie ist eine von zahlreichen Giftschlangen, die Graf in seinem Reptilienzoo hält. 

Die Idee dafür hatte er schon länger, nur die Umsetzung war alles andere als einfach. „Wir haben seit Jahren versucht einen geeigneten Standort zu finden“, so Graf. Doch die meisten Vermieter waren nicht begeistert von der Vorstellung, Schlangen und Spinnen in ihre Räume zu holen. 

Doch vor drei Monaten hat es dann geklappt: Der gelernte Tierpfleger konnte mit seinen Tieren in den Magnuspark einziehen. Viele von ihnen lebten zuvor bei ihm zu Hause. Denn Graf betreibt seit Jahren eine Auffangstation für Exoten, die unter anderem beschlagnahmt wurden. Den Rest erhält er von Zoos oder Privatleuten. 

Gut getarnt 

Wenn zum Beispiel Fische fürs heimische Aquarium zu groß werden, finden sie im Reptilienzoo ein neues Zuhause. Andere Tiere werden mit Zoos getauscht. Wie zum Beispiel Grafs Speikobras. Diese haben einen Monat vor der Eröffnung Eier gelegt. „Das hätte man besser nicht timen können“, so der Tierpfleger.

Pünktlich zur Eröffnung sind die Jungen geschlüpft. „Das war für die Besucher sehr interessant.“ In seinen Terrarien hat Graf und seine Partnerin Ingrid Jäger versucht den natürlichen Lebensraum der Tiere, bei denen es sich nur um Nachzuchten handelt, so gut es geht nachzuempfinden. Mit dem Ergebnis, dass man manche Exoten suchen muss. 

So sieht man in einem Terrarium nur einen Haufen Laub – bis sich ein Blatt bewegt. Australische Gespenstschrecken leben hier. Wenn Kinder ein solches Insekt erst einmal auf dem Finger haben, „stellt sich ein Wow-Effekt ein“, erzählt Graf. 

Der Tierpfleger weiß: Wenn Besucher nach dem ersten Rundgang schon wieder zum Ausgang zurückkehren, haben sie wahrscheinlich viele Tiere nicht gesehen. Dann zeigt er den Besuchern, wo die Tiere sitzen.

Erklärungen zu den Exoten, wie Lebensraum, Nahrung und Besonderheiten, stehen an den Terrarien. 

Besucher aufklären

Für Gruppen bietet Graf auch Führungen an, beispielsweise für Schulklassen, Kindergarten- oder Seniorengruppen. 

Dabei ist ihm der Aufklärungsgedanke besonders wichtig. „Nur das, was man liebt, schützt man“, so Graf. Es ärgert ihn, wenn er ein paar Mal pro Woche zu Leuten gerufen wird, weil eine Kreuzotter, Ringelnatter oder sogar nur eine Blindschleiche in ihrem Garten liegt. „Man sollte sich freuen, dass man heutzutage sowas noch findet. Das ist schon eine Seltenheit.“ 

Aufgeschlossen seien besonders Kinder. Die seien in der Regel begeistert, wenn sie die Tiere aus der Nähe sehen, so Graf. Andere ändern ihre Einstellung, wenn sie eine Schlange erst einmal anfassen und merken, wie sich das anfühlt.

So hieß Grafs 70 Kilogramm schwerer Tigerpython plötzlich „dicke Berta“, erklärt der Tierpfleger schmunzelnd. 

Vögel und Säuger

Wer sich aber nicht für Schlangen, Leguane, Chamäleons oder Schildkröten begeistern kann, findet auch andere Tiere im Reptilienzoo. 

Verschiedene Finkenarten sind hier genauso zu Hause wie Streifenhörnchen oder Streifenmäuse. Für Aquarianer gibt es 70 Fischarten, darunter viele Zierfische. In anderen Terrarien sitzen Einsiedlerkrebse, Vogelspinnen, Gekos, Schlammspringer oder handtellergroße Kröten. Darunter auch eine Colorado-Kröte – ein Lieferant für Drogenfreunde, wie Graf schmunzelnd erklärt. 

Denn diese sondert ein Sekret ab, das eine ähnliche chemische Zusammensetzung hat wie LSD. Und am Wochenende ist auch ein Papagei im Reptilienzoo. Der wohnt aber sonst bei Graf und Jäger zu Hause.

Katharina Knoll

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