Verwunderung über Sanierungskosten von über 400.000 Euro

Zweifel an Zahlen

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Diese Aufnahme zeigt das Mitterseebad in den 1920er Jahren. Derzeit ist seine Zukunft ungewiss.

Füssen – Auf den ersten Blick verständigte sich der Stadtrat vergangene Woche einstimmig und harmonisch auf das weitere Vorgehen beim Mitterseebad. Hinter den Kulissen ist die Stimmung allerdings eine andere.

So zweifeln einige Stadträte an den vorläufigen Kostenschätzungen. Diese seien für die Sanierung „wenig fundiert“ und viel zu hoch angesetzt, heißt es. Auch Dina Bader und ihre Mitstreiterinnen für den Erhalt der Badeanstalt sind enttäuscht.

Wie am Samstag berichtet, hat sich der Stadtrat vergangene Woche für die Einrichtung einer Arbeitsgruppe ausgesprochen, die Konzepte für die künftige Nutzung des historischen Mitterseebades erarbeiten soll. Zur Debatte steht ein Abriss der Anstalt mit Renaturierung, die Badeanstalt im Rahmen eines Kneippkurparkes in ein frei zugängliches Naturbad umzubauen oder komplett zu sanieren. Ein entschlussreifer Plan soll bis Ende Mai vorliegen.

Ärger bei Stadträten

Für Ärger im Anschluss an die Sitzung sorgte dann jedoch eine vom Bauamt erstellte Kostenprognose für die drei Varianten. Da diese laut Bürgermeister Paul Iacob (SPD) nur „ganz grob über den Daumen gepeilt sind“, ist sie der Öffentlichkeit bislang nicht zugänglich. Lediglich die Stadträte erhielten sie am vorvergangenen Dienstagabend. Nach Informationen des Kreisboten sollen die Verantwortlichen aber von folgenden Summen ausgehen: Abriss und Renaturierung: rund 330.000 Euro. Integration in einen Kneippkurpark mit Gebäudesanierung: ca. 312.000. Erhalt und Sanierung der Badeanstalt mit Kiosk und Umkleidekabinen: rund 440.000 Euro.

Nur kleinere Reparaturen? 

Bei einigen Stadträten sorgen diese Zahlen für Verwunderung. Sie halten die Kosten für Erhalt und Sanierung für viel zu hoch angesetzt und nicht fundiert. Ihr Verdacht: Durch die hohen Sanierungskosten sollen die Weichen bewusst in Richtung günstigeren Kneippkurpark gestellt werden. „Man merkt die Absicht dahinter und ist verstimmt“, sagt einer.

Dina Bader, die mit ihren Mitstreiterinnen für den Erhalt der Badeanstalt kämpft, hält die prognostizierten Sanierungskosten ebenfalls für nicht plausibel. „Die Summe ist utopisch“, sagte sie gegenüber dem Kreisboten.

 Ihrer Ansicht nach könnte das Bad mit viel geringerem finanziellen Aufwand in Schuss gehalten werden. „Wir sind der Meinung, mit kleineren Reparaturen wäre es auch getan“, sagte sie. „Wenn sie regelmäßig gemacht werden!“

Konkrete Zahlen im Februar

Hauptamtsleiter Andreas Rist verteidigte auf Anfrage unserer Zeitung das Zurückhalten der Zahlen gegenüber der Öffentlichkeit. „Das sind einfach nur Schätzungen“, betonte er. Es mache einfach keinen Sinn, Zahlen in die Öffentlichkeit zu geben, die sich anschließend nicht halten ließen, erklärte er. „Es müssen Zahlen sein, mit denen man auch abschließend arbeiten kann.“ Konkretere Summen sollen demnach erst im Februar vorliegen.

Stefan Fredlmeier, Chef von Füssen Tourismus und Marketing (FTM) und damit verantwortlich für die Kneipp-Pläne, verteidigt das Vorgehen der Stadtverwaltung ebenfalls. „Solange die Kosten nicht fundiert sind, sind die Schätzungen nur relativ grob“, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. „Bei den Zahlen ist noch Handlungsbedarf.“ Daher mache es keinen Sinn, diese in der Öffentlichkeit zu diskutieren. Zumal zu befürchten sei, dass angesichts der Brisanz des Themas damit sofort „Politik am Stammtisch“ gemacht werde.

 Für Dina Bader ist dennoch klar: „Man versucht uns das Bad wegzunehmen!“ Auch die beschlossene Arbeitsgruppe werde daran nichts ändern. „Das wird jetzt nur wieder verschleppt und zerredet“, glaubt sie und kündigt an, mit ihren Mitstreiterinnen weiter für das Bad kämpfen zu wollen.

Tourismuschef Fredlmeier betont hingegen, dass sich auch im Falle einer Umsetzung des Kneippkurparks für die Badegäste am Mittersee nicht viel ändern werde. So könne weiter im Mittersee gebadet werden – nur eben ohne Aufsicht durch einen Bademeister. „Die Einschnitte wären nicht so dramatisch, wie viele befürchten“, sagte er. Letztlich sei die Entscheidung, wie es am Mittersee weitergeht, aber „eine Frage der Strategie der Stadtentwicklung.“

Matthias Matz

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