Ein Stück Gitarrengeschichte

Kunstsammler Carlo Alberto Carutti (links) erläutert Bürgermeister Paul Iacob Techniken des Zupfinstrumentenbaus. Foto: cf

Füssen – Auf Handwerkskunst und die Entwicklungen im Instrumentenbau lässt die Ausstellung „Lauten, Gitarren, Mandolinen“ bis zum Sonntag, 8. September, im Museum der Stadt Füssen zurückblicken. Der Kunst- und Musikfreund Carlo Alberto Carutti gab bei der Eröffnung einen Einblick in diese Schau.

Aus Caruttis Privatsammlung präsentiert das Kulturamt 20 Exponate von Meistern des europäischen Instrumentenbaus - wie zum Beispiel dem Andalusier Antonio de Torres (1817 – 1892). Er erfand die Form der modernen Konzertgitarre. Die Ausstellung ist täglich von 11 bis 17 Uhr geöffnet. 

Zur Vernissage war eigens eine Delegation aus Füssens Kultur-Partnerstadt Cremona angereist. Bürgermeister Paul Iacob erinnerte in seiner Begrüßung, die für die Gäste aus Norditalien übersetzt wurde, an die „schöne Ausstellung 2012 mit sehenswerten Instrumenten aus der Geigenbauerstadt Cremona, mit der wir weiterhin unsere Freundschaft pflegen“. 

Privatsammler Carutti wiederum ist den beiden Instrumentenbaustädten mit ihrer langen Tradition herzlich verbunden. Er werde dem neuen Museum in Cremona seine Instrumentensammlung schenken, kündigte Carutti unter Beifall an. Schon jetzt in Füssen stellt er sein Credo unter Beweis, als er betonte: „Ich will meine Leidenschaft mit andere Leuten teilen.“ 

Die Instrumente in seinem Besitz hätten auch gleichzeitig einen „sozialen Wert“, so der immer noch rüstige Sammler. Carutti ließ es sich nach dem offiziellen Teil der Feier nicht nehmen, persönlich durch diese im Refektorium beginnende und sich in den Kabinetten fortsetzende Ausstellung zu führen.

Interessierte Geigenbauer

Dem Kommentar „sehr interessant“ von Geigenbaumeisters Oliver Radke haben seine Füssener Kollegen Pierre Chaubert und Urs Langenbacher – wie bei einem Rundgang noch zu hören war – ebenfalls zugestimmt. Doch aus welchen Gründen sollten denn Laien diesmal den Weg ins Museum finden, zumal sich die Geige seit ihrer Geburtsstunde praktisch nicht verändert habe, wie nicht allein Radke unterstreicht. 

Erstens: Allein das harmonische Zusammenspiel des Saals mit der luftig angelegten Vitrinenpräsentation lohnt den Besuch. Nachdem der imposante Gesamteindruck seine große Wirkung entfaltet hat, macht es hier sowie in der intimen Atmosphäre der kleineren Ausstellungsräume Freude, sich die Instrumenten-Verzierungen anzusehen: somit der zweite gute Grund. Die jeweils erläuternden Texte – drittens - sind sachkundig, jedoch angenehm kurz gefasst. 

Von vier und fünf zu sechs Gitarrensaiten

Carruti, der als junger Mann mit Jazzmusikern aufgetreten ist, präsentiert Gitarren, die in der Barockzeit vier- oder fünfsaitige Zupfinstrumente waren. Jedes Kind weiß, dass die heute bei Konzerten erklingende Gitarre sechs Saiten hat, die gestimmt werden müssen. Repräsentative Exponate der herausragenden Sammlung Caruttis markieren die Entwicklungen im Instrumentenbau. Der Abend führte noch in den Kaisersaal, zu einem Gitarren-Konzert. Sponsor war die Firma Bihler. Gründer Otto Bihler hatte geschäftliche Verbindungen zu dem Ingenieur Carutti. „Doch die Musik blieb sein ständiger Begleitet“, heißt es im Flyer zur Ausstellung. cf

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