"Bürgerverein am Lech" zieht ein Jahr nach der Gründung eine erste Bilanz

"Wie soll das funktionieren?"

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Armin Eder (vorne) leitet seit einem Jahr den Hilfsverein Bürger für Bürger am Lech

Prem – Fast exakt ein Jahr nach der Gründung hat der Bürgerverein am Lech zur ersten Mitgliederversammlung eingeladen. In der Lechaue ging es um die Zukunft des knapp 300 Mitglieder zählenden Vereins, vor allem, um die Projekte und Finanzen.

Schon vor seiner Gründung hatte der Bürgerverein am Lech Furore gemacht, wollten doch vier Gemeinden aus dem Ostallgäu und aus dem benachbarten oberbayerischen Landkreis Weilheim-Schongau gemeinsam einen Verein auf die Beine stellen.

Einen Verein, der nicht nur gemeinnützig sein sollte, sondern der sich die Hilfe für den Mitmenschen und Nachbarn auf die Fahnen geschrieben hatte. Eine Hilfe, die aus dem Verein heraus kommen soll: Der eine fährt den anderen zum Arzt, dafür mäht ein Dritter den Rasen oder hilft der jungen Familien bei den Hausaufgaben der Kinder. Ein Projekt, das, vor allem durch den landkreisübergreifenden Aspekt, viel Aufmerksamkeit und entsprechende finanzielle Zuwendung von höchster Seite erfahren sollte.

Doch genau an dieser Stelle könnte es nun auch Probleme geben, wie sich in der ersten Hauptversammlung gut ein Jahr nach der Gründung des neuen Vereins zeigen sollte. Denn um Fördermittel zu erhalten, muss der Verein in Vorleistung gehen. Und noch an einer weiteren Stelle hakt es im Moment noch.

An den Beginn aber stellte Vorsitzender Armin Eder zunächst ein paar Eckpunkte der doch recht erfolgreichen Geschichte. So zählte der Verein nur fünf Tage nach der Gründungsversammlung am 8. Oktober 100 Mitglieder, Ende November war der Verein eingetragen und erhielt bereits Ende Dezember die Förderzusage vom Ministerium. Seit April laufen die ersten Dienstleistungen und auch der Essen-auf-Rädern-Dienst der im Bürgerverein unter „Täglich frisch gekocht für Sie“ firmiert, ist erfolgreich angelaufen.

Fakten, die sich auch auf die Finanzen auswirken, um die sich Gerda Steininger kümmert und die einen Überschuss im ersten Vierteljahr verzeichnen konnte.

Mehr Mitglieder? 

Im Anschluss stellte Gabriele Walters, die das Organisationsbüro besetzt, den Finanzplan für das laufenden und die nächsten zwei Jahre vor. Denn bis Ende 2019 oder vielmehr bis September, laufen die Finanzzusagen der Staatsregierung.

Gabriele Walters kalkuliert dabei mit einem Anstieg der Mitglieder um wenigstens 30 in 2017 und auch in 2018. Ebenso würde die Zahl der gelieferten Essen ansteigen, ist die Annahme. Die kalkulierten 18 bis 20 Menüs pro Tag habe man schon erreicht, so Walters. Das entspreche 250 ausgelieferten Essen pro Monat. Auch die Zahl der Hilfestunden sei mit 350 bereits erreicht.

Um mehr Essen ausliefern zu können und damit auch die Zahl der Kunden zu erweitern, müsse der Verein neue Boxen, je zwei pro Kunde, beschaffen. 2017 werde man so die Essensausgabe auf wenigstens 350 pro Monat steigern können. „Das wird aber bestimmt mehr“, war sich Walters sicher. „Vor allem das Essen auf Rädern ist sehr sehr gut gewachsen“, resümierte sie die vergangenen Monate.

Woher soll das Geld kommen?

Sorgen bereiten den Verantwortlichen aber die kommenden Jahre. Es gehe, rekapitulierte Vorsitzender Eder, um die Unterstützung von Menschen aufgrund ihres Alters oder der körperlichen Möglichkeiten sowie um die Entlastung von pflegenden Angehörigen. Vor einem Jahr noch sei er der Meinung gewesen, dass hier am Lech die Welt noch in Ordnung sei und man habe sich über die Förderzusage vom Staat gefreut. Dieser wollte 20 Prozent der Ausgaben stützen bzw. eben fördern.

Das heiße aber im Umkehrschluss, so Eder: „Wir müssen 120.000 Euro ausgeben, um 30.000 Euro Förderung zu erhalten“. Diese 120.000 Euro müssten aber auch aufgebracht werden, so Eder: „Wie soll das funktionieren?“ Denn der Verein arbeitet ehrenamtlich und allein durch Mitgliedsbeiträge seien im ersten Jahr nur knapp 3500 Euro in die Kassen gespült worden.

Auf Spenden angewiesen

Dazu kamen Spenden und Hilfszusagen der vier beteiligten Gemeinden. Der Verein überstehe dieses Jahr nur dank großzügiger Spenden, etwa der Sparkasse. Und die Gelder aus den Gemeinden und von den Landkreises flössen auch nur einmal. Nur durch eine deutliche Expansion und Erweiterung der Hilfsangebote, so Eder, könne der Verein das stemmen. Seine Sorge sei, dass der Verein so weiter wachse wie bisher.

Denn – das wurde im Vortrag von Wilfried Götz deutlich – der Verein hat 270 Mitglieder. Die erbringen aber zum überwiegenden Teil derzeit keine Hilfe, sondern sind nur in der Voraussicht beigetreten, irgendwann einmal Hilfe zu benötigen. Es gebe wenige, die sich bereit erklärten, das Essen eine ganze Woche lang auszufahren.

Raus aus der Nische

Man müsse auch bestehende Strukturen, was so nicht geplant war, mit ihren Hilfsangeboten kassieren, wurde deutlich, damit der Verein aus seiner Nische herauskommen und wachsen kann. Momentan, so wurde es kommuniziert, fehlten etwa junge Familien, wo man beispielsweise bei den Hausaufgaben helfen kann und im Gegenzug dafür Unterstützung in der Gartenarbeit oder beim Schneeschaufeln erhält. „Es ist ein Geben und Nehmen“, versuchte Wilfried Götz die gut sechs Dutzend anwesenden Vereinsmitglieder in der Lechaue zu überzeugen. Immerhin 40 bis 50 Prozent der Mitglieder seien schließlich in der Lage, Hilfe zu geben, war er sich sicher.

Oliver Sommer

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