Die "Spargelgrenze" fällt

Auszug aus dem Energieatlas des Bayerischen Umweltministeriums: Je mehr die Fläche ins Rote oder Violette tendiert, desto höher sind die Windgeschwindigkeit in 140 Metern Höhe und desto wirtschaftlicher etwaige Windkraftanlagen. Grafik: stmug

Neue Flächen für Windkraftanlagen im Allgäu will der Regionale Planungsverband Allgäu zukünftig ausweisen. Auch südlich der B12 sollen voraussichtlich ab Frühjahr 2013 Windräder entstehen dürfen, hieß es jetzt in der Verbandsversammlung im Haus Hopfensee in Füssen, an der zahlreiche Bürgermeister aus dem ganzen Allgäu teilnahmen. Etwa in besonders wertvollen Biotopen, Naturschutzgebieten und in der Nähe von Siedlungen sollen sie weiterhin tabu bleiben, regionale Ausschlussgebiete soll es aber nicht mehr geben

. Den Anlass zum Umdenken in Sachen Windenergie im Allgäu gab die Reaktorkatastrophe in Fukushima, wie der Vorsitzende des Planungsverbands, der Kaufbeurer Oberbürgermeister Stefan Bosse (CSU) erklärte. Am 6. Juni beschloss die Bundesregierung den Atomausstieg – nur vier Tage später entschied sich der Planungsausschuss des Planungsverbands, das Kapitel „Windkraft“ im Regionalplan fortzuschreiben. Das heißt, dass jetzt bei der Suche nach Standorten für Windräder keine Ecke des Allgäus mehr grundsätzlich als Ausschlusszone gilt. „Wir müssen das ganze Gebiet unter die Lupe nehmen“, so Bosse. Dabei sollen auch die Landkreise ein gewichtiges Wort mitreden und auch die Bürgerbeteiligung nicht zu kurz kommen, schließlich wolle man ja „Differenzen nicht weiter vertiefen“, erklärte der Vorsitzende. Wie die Stand- ortsuche aussehen wird, erläuterte Dr. Kerstin Schick von der Regierung von Schwaben. Eine Arbeitsgruppe aus Mitgliedern des Planungsausschusses und der Landratsämter soll zunächst Ausschlusskriterien erarbeiten. So soll etwa in Nationalparks, Naturschutzgebieten oder geschützten Biotopen nicht gebaut werden dürfen. Dennoch fallen bisherige Tabus. „Landschaftsschutzgebiete, das zeichnet sich ab, sind nicht mehr von vornherein ausgeschlossen“, wenn man einen Standort sucht, erklärte Schick. Danach betrachtet die Arbeitsgruppe die Wirtschaftlichkeit der möglichen Gebiete, sprich: wie stark der Wind dort in 140 Metern Höhe bläst. Auch die Gemeinden sollen dann Vorschläge machen können, ehe der Planungsausschuss über Standorte berät. Kompakte Windparks sollen zudem eine „Verspargelung“ der Landschaft verhindern. Der Prozess wird aber noch dauern. „Vor Frühjahr 2013 ist es unrealistisch, dass wir neue Anlagen ausweisen“, gab Bosse an. Bis dahin, stellte Schick klar, gelten die bisherigen Regelungen. Weitere Infos gab Prof. Dr. Albert Göttle vom Bayerischen Umweltministerium. Bei der Umsetzung des Bayerischen Energiekonzepts sei es das Ziel, den Wind-Anteil am Bayerischen Strom von einem Prozent auf sechs bis zehn Prozent zu steigern. Dafür soll die Zahl der Windkraftanlagen im Freistaat von 400 auf 2000 wachsen, 30 Anlagen stehen bisher im Allgäu. Neben den von Schick genannten Einschränkungen nannte er noch Abstände die einzuhalten seien, etwa 800 Meter zu Wohn- beziehungsweise 300 zu Gewerbegebieten. Abstriche muss der Naturschutz machen. In Umweltgutachten im Rahmen der Planung von Anlagen soll bald nur noch auf 26 Vogelarten geschaut werden – noch sind es über 300. Das beschleunige das Erstellen nötiger Gutachten, wie Göttle auf Nachfrage des Wildpoldsrieder Bürgermeisters Arno Zengerle (CSU) erklärte. Mehr zur Formsache wurde die Neuwahl des Führungsduos des Regionalen Planungsverbands zu Beginn der Sitzung. Vorsitzender Stefan Bosse und sein Stellvertreter, der Lindauer Landrat Elmar Stegmann (CSU), wurden als einzige Wahlvorschläge einstimmig für weitere drei Jahre in ihren Ämtern bestätigt.

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