700 Läuferinnen und Läufer nehmen am ersten "Allgäuman" rund um Füssen teil

"Es wird hier dreckig"

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700 Athleten quälen sich am Samstag durch den Matsch des abgelassenen Forggensees.

Füssen – Top oder Flop? Sport oder fragwürdiges Spektakel? Im Vorfeld warf die Premiere des „Allgäuman“ viele Fragen in und um Füssen auf.

Doch seit Samstagabend dürfte feststehn: Teilnehmer und Zuschauer feierten mit dem Helfer-Team der Organisatoren Maximilian Elsner und Timo Zimmermann einen Erfolg, der das Prädikat „super“ – wie man häufiger hörte – durchaus verdiente. 

„Es wird hier dreckig“, das war Monika Holler mit der Startnummer 399 schon vor dem Rennen klar. „Wir stehen das an diesem Wochenende in Füssen aber alle gemeinsam durch“, betonte sie und reihte sich mit ihren Leuten in die nächste Startergruppe am Bootshafen ein. Dort gab Bürgermeister Paul Iacob (SPD) um 12 Uhr den Startschuss für die ersten Läuferinnen und Läufer des als „Extremlauf“ angekündigten „Allgäuman“ ab. 

Von dort aus ging es für die Teilnehmer auf die schwierige Strecke: 15 Kilometer lang, gespickt mit natürlichen und künstlichen Hindernissen. Dabei mussten sich die Läufer durch Baustellenzäune quetschen oder über Baumstämme, durch knietiefe Schlammbecken im Forggensee und unter eiskalten Wasserfontänen der Feuerwehr hindurch springen. 

Am Füssener Bootshafen ging es derweil munter im Drei-Minuten-Takt weiter, hinunter in den abgelassenen, schlammigen Forggensee, wo Männer in Fellkostümen das Weiterlaufen erschwerten. Doch auch einer aus der Krampus-Gruppe machte umgehend mit dem Schlammloch neben dem Laufweg Bekanntschaft – zur großen Belustigung des Publikums und der noch wartenden weiteren Läufer. „Wir hatten mit 300 Teilnehmern gerechnet. Es wurden 700“, freute sich Maximilian Elsner aus dem Veranstalterteam. 

Er und Mitorganisator Timo Zimmermann schickten ein eigenes durchtrainiertes „Allgäuman-Team“ auf den hindernisreichen Weg in Richtung Füssener Altstadt, das mit Christoph Birkner auf dem fünften Platz seinen besten Läufer hatte. Birkners Soldatenkamerad Simon Bittner – ebenfalls aus dem ambitionierten Gastgeberteam – wurde am Ende „nur“ Sechster. Mit Can Parlar auf dem achten Platz bildete das Trio allerdings unbestritten das tagesbeste Team. Der „Allgäuman“-Sieger hieß dagegen Marcus Nagl vom Team „Yoshi`s“. Er war bereits nach einer guten Stunde – 1:03:15 – im Ziel, dicht gefolgt von Mannschaftskamerad Joseph Rüther mit der Startnummer 652. Beide Mannschaften hatten sich zuvor ein enges Rennen geliefert. 

Für zusätzliche Motivation auf beiden Seiten hatte Simon Bittner vom „Allgäuman Team“ gesorgt: Auf der Bühne im Festzelt hatte er vor dem Rennen keine Zweifel daran gelassen, dass seine Truppe sich zu den Favoriten zähle. Die Läufergruppe „Yoshi`s“, die sich nach Figuren aus einem Videospiel benannt hatte, nahm diese Herausforderung umgehend an. 

Lisa Helm beste Läuferin 

Beste Teilnehmerin war Lisa Helm als 34. aus der Gruppe „Muddy Fox Running Rocks“. Ihre Zeit: 1:34:27 Stunden. 

Ihr Team aus der Nähe von Nürnberg tritt als „Schlammspezialist“, so Kapitän Markus Leng, „bei einem ähnlichen Event in England an“. „Möglichst im Mittelfeld platzieren“ wollten sich dagegen die „Hombres fuertes“. Bei diesen handelte es sich aber keineswegs um Spanier oder Kubaner, sondern um „starke Männer“ mit Wurzeln im Raum Kempten, die es nach Hamburg und Hessen verschlagen hat. 

Einer von ihnen war der 40-jährige Jörg Daniel. Platz 218, den er später erreichte, ließ diese Hombres mit dem Wiggensbacher jubeln. Für die Zuschauer, die einen freien Blick auf die ersten spektakulären Meter des Hindernislaufes hatten, wurde schnell deutlich, dass sie hier ein Teilnehmerfeld vor Augen hatten, in dem sich vor allem zwei große Gruppen befanden: Trainierte Athleten, die wild darauf waren, den ersten Titel als Allgäuman zu holen, und zahlreiche Hobbyläufer, die in ihren Kostümen eher an ein Comeback der Love Parade als an sportlichen Wettkampf denken ließen. 

Auch das Publikum am Startgelände und an den einzelnen Stationen teilte sich in zwei Fraktionen: Die eine feuerte mit Respekt die sich beim Klettern und Abseilen quälenden Läufergruppen an, während die andere mit Schadenfreude die Stürze in den Schlamm beobachtete. Sonderbeifall gab es immer, wenn sich die Mitglieder eines Teams beim Hindernis-Überwinden mit viel Geschick die notwendige Unterstützung gegeben hatten. Zum Gelingen der Veranstaltung trug neben der Helferschar des Organisationsteams die Freiwillige Feuerwehr ebenso bei wie das Rote Kreuz, das einen BRK-Einsatzwagen in der Nähe der Klettermauer am Lechuferweg bereitgestellt hatte.

Chris Friedrich

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