Kleidersammelaktion des AK Asyl

"Wir ertrinken in Klamotten"

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Die Helfer des Arbeitskreis Asyl kommen kaum mit dem Sortieren und Zusammenlegen der gespendeten Kleidung hinterher.

Füssen – Stau in der Kirchstraße, Stau im Hausgang: Die Spendenbereitschaft der Füssener ist riesengroß. Das zeigte sich am Mittwoch bei der zweiten Kleidersammlung des Arbeitskreis Asyl. „Wir ertrinken in Klamotten“, erklärte Ingrid Stubbe vom AK.

Obwohl der Arbeitskreis eigentlich nur für eine Stunde am Nachmittag Kleidung annahm, hatten viele bereits am Vormittag ihre Spenden abgegeben. Kaum hatte die Annahmestelle im „Haus der Begegnung“ geöffnet, standen die Füssener auch schon Schlange. 

„Könnt ihr Decken gebrauchen?“, „Stofftiere, braucht ihr die auch?“, war an der Annahme zu hören. Auch Anja Twardy kam mit ihrer Tochter Emily vorbei, „Selbstverständlich spenden wir“, erklärt Twardy. Dafür habe sie gestern extra noch einmal alles gewaschen. „Ich bin total begeistert, dass die Hilfsbereitschaft so groß bei den Füssenern ist. Es ist wirklich beeindruckend, dass so viel abgegeben wurde“, sagt sie, während Tochter Emily einen Fahrradhelm auf einen der Tische legt. 

„Ihr seid einfach spitze“, meint dazu Joachim Spengler, evangelischer Pfarrer in Füssen. Auch Stubbe freut sich: Kinderfahrradhelme standen auf ihrer Wunschliste. „Die Spendenbereitschaft ist riesig“, so Stubbe. Das zeigte sich schon bei der ersten Kleidersammlung. Weil damals aber Spender und Asylbewerber gleichzeitig vor Ort waren, entstand ein Durcheinander. Daraus hat man gelernt. Die Kleidung wird jetzt erst einen Tag später ausgegeben. 

Trotzdem haben die zwölf Helfer alle Hände voll zu tun: Tüten ausräumen, Jacken aufhängen, Hosen zusammenlegen und sortieren. Da die Asylbewerber in Füssen hauptsächlich junge Männer sind, werden vor allem Jeans und Sweatshirts gebraucht. Doch „leider werden auch sehr, sehr viele Frauensachen“ abgegeben, so Stubbe. Die gibt es unter den Füssener Asylbewerbern zwar auch, aber eben nur wenige. 

Auch mit XXL-Größen oder altmodischer sowie klassischer Kleidung, kann der AK nicht viel anfangen. „Das sind junge Männer von maximal 30 Jahren, die ziehen keine Anzughosen von Senioren an“, erklärt Stubbe. Doch weggeworfen wird das nicht. Alles Tragbare, das der AK nicht braucht, „kommt in die Kleiderkiste“, so Stubbe. Was fehlt sind neben Jeans auch Rucksäcke, Handschuhe und Mützen, so die Helfer. Auch Schulranzen werden noch benötigt. 

Währenddessen geht es an der Annahme weiter hektisch zu. Während sich eine Dame mit Rollator Richtung Ausgang bewegt, schiebt sich Umut Yilmaz mit seinem dreijährigen Sohn Okan im Kinderwagen voran, in den Händen drei Tüten mit Schuhen, Hosen, Mützen und auch Kinderkleidung. „Wir haben vor unserer Haustür Probleme. Viele schauen zu, ich tu lieber was“, erklärt er sein Engagement. Die meisten hätten eh viel zu viele Klamotten im Schrank hängen. „Ich finde es toll, dass so viele da sind“, zeigt er sich beeindruckt von der Füssener Spendenbereitschaft. „Ich bin aber auch ein bisschen überrascht“, gibt er zu. 

Das Engagement des Arbeitskreises findet dagegen Silvia Reisacher „sehr gut“. „Wir sind in einer glücklichen Lage, da darf man nicht wegschauen“, so die Füssenerin. „Jeder sollte helfen.“ Die Hilfsbereitschaft der Füssener findet sie deshalb auch „total klasse“, erklärt sie, bevor sie sich durch die Menge nach draußen schiebt.

Katharina Knoll

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