Feier für Zächerlhaus: Stadtverwaltung verweigert Genehmigung

Mit Kanonenkugeln auf Spatzenjagd

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Bauherr Klaus Keller überzeugt die vorbeischauende Polizei davon, dass mit dem Bierausschank alles seine Ordnung hat.

Füssen – Ein schön umgebautes Haus ist immer ein Grund zu feiern. Das dachte sich auch Klaus Keller vom gleichnamigen Sportgeschäft. Deshalb wollte er am vergangenen Samstag sein neu gestaltetes Zächerlhaus segnen lassen und die Eröffnung des Esprit-Ladens feiern.

Musik, Freibier und Brezen sollte es geben. Doch bei seiner Planung machte ihm die Stadtverwaltung einen Strich durch die Rechnung. Am Ende fand die Party doch statt – mit Beteiligung der Polizei. Der Knackpunkt war das Jazzfestival: Da das zur gleichen Zeit in der Altstadt stattfand, sah sich die Füssener Stadtverwaltung außerstande, Keller die Sondernutzung auf öffentlichem Grund sowie eine Schankerlaubnis für sein Fest zu bewilligen. 

Als Keller das Antwortschreiben der Stadt erhielt, hatte er die Feier allerdings schon öffentlich angekündigt. Und die Stadtverwaltung reagierte prompt darauf. In einem „scharfen Schreiben“, so Keller, wies ihn die Verwaltung nochmals auf die abgelehnte Genehmigung hin. „Ein derartiges Verhalten kann leider seitens der Stadtverwaltung Füssen und auch der Veranstalter des Jazz-Festes nicht akzeptiert werden“, hieß es dort. 

Keller müsse bei „Zuwiderhandlung mit entsprechenden Konsequenzen rechnen“. „Entsprechende rechtliche Schritte“ werde die Stadtverwaltung gegen Keller einleiten, sollte er „öffentlichen Grund nutzen“, erklärte die Stadtverwaltung weiter. Eine Kopie des Schreibens ging unter anderem an die Verkehrsüberwachung Füssen, die Polizei Füssen und das Landratsamt Ostallgäu. Nachvollziehen kann Keller diese Reaktion nicht: „Man kann auch mit Kanonenkugeln auf Spatzen schießen.“ 

Zumal er ohnehin geplant hatte, sein Fest spätestens um 12.30 Uhr zu beenden – noch bevor das Festival um 13 Uhr in der Reichenstraße begann. Normal wäre gewesen einen Kompromiss auszuhandeln, meinte Keller. Diese Reaktion sei jedoch ein „Armutszeugnis“ der Stadtverwaltung, wie sie gegenüber den Bürgern auftrete. 

Zu spät beantragt? 

„Wir sind eine öffentliche Behörde, die sich an die Regeln halten muss“, erklärte dagegen Hauptamtsleiter Andreas Rist. Hier gebe es ganz klare Vorgaben. Die Stadtverwaltung könne nicht Genehmigungen für Bereiche erteilen, die bereits vergeben sind, so Rist. Zudem hätte Keller die Genehmigung vielleicht „auch früher beantragen können“, meinte er. Trotz allem wollte sich Keller die Freude an seinem Haus nicht vermiesen lassen. „Ich möchte mich bei den Arbeitern bedanken“, so der Bauherr. 

Deshalb ließ er sich einen cleveren Schachzug einfallen: Den Bierausschank übernahm das Eiscafé Dolomiti nebenan, das eine entsprechende Genehmigung hat. Die Arbeiter brachte er an den Tischen des gegenüberliegenden Stadtcafés unter. Dazu gab auch Hauptamtsleiter Rist im Vorfeld sein Okay. Wenn die Bewirtung in dem Bereich stattfinde, „wird sich die Stadt Füssen nicht einmischen“, versicherte er. Während am Samstag nun Kaplan Gabriel Bucher und der evangelische Pfarrer Joachim Spengler wie geplant das Haus segneten, wollte Keller jedoch auf die musikalische Unterhaltung verzichten. 

Doch am Ende kamen doch Musikanten mit ihren Alphörnern vorbei. Die hatten über die Werbegemeinschaft eine Genehmigung für das Ständchen erhalten, wie zu hören war. Dass das Haus bei den Bürgern „sensationell gut ankommt“, so Keller, war auch am Samstag zu sehen. Der Bauherr war dankbar und glücklich, dass so vielen Leuten zur Eröffnung gekommen waren. Ein „echtes Schmuckstück in der Fußgängerzone“ sei das Haus, war aus der Publikumsschar zu hören. Dem Zächerlhaus neuen Glanz zu geben, das war das Ziel von Keller und seiner Frau Sibylle. Wo früher eine Bankfiliale ebenerdig ihren Sitz hatte, ist jetzt ein Modegeschäft eingezogen. 

Als Vermieter des Ladens nahm Günter Hermann an der Feier neben weiteren Ehrengästen teil. Um ihr Ziel zu erreichen, hat die Familie Keller mit Handwerksbetrieben zusammengearbeitet, die aus dem in die Jahre gekommenen Gebäude ein attraktives Haus machen sollten. „Das ist perfekt gelungen“, freute sich Keller in seiner Eröffnungsrede. Im Mittelpunkt seiner Ansprache stand sein Dankeschön an die Firmen, die „im ICE-Tempo“ das Haus saniert hätten. Besonders viel Wert hatte der neue Besitzer auf die Gestaltung der Fassade gelegt. Hier war die Kunst der Illusionsmalerei gefragt, die von Gerhard Kramer „einfach hervorragend beherrscht wird“, so der Bauherr. Dass Kramer diesen anspruchsvollen Auftrag ausgeführt habe, sei „für uns ein Glücksgriff gewesen.“. 

Polizei schaut vorbei 

Der Bauherr erklärte bei der Feier jedes einzelne dieser Bilder, die immer wieder das Interesse bei Passanten wecken. Dabei erzählte er auch die Geschichte der verirrten Kanonenkugel eines französischen Soldaten. Diese hatte um 1800 ihr Ziel – den Turm am Augsburger Tor – völlig verfehlt. Die Kugel blieb vor dem Zächerlhaus liegen, woran hier erinnert wird. An der Hauswand ist außerdem dokumentiert, dass Hans Zell, ein Gastwirt, um 1650 Besitzer dieses Gebäudes „unter den Bögen“ gewesen sein soll. Während die Besucher Freibier und Brezen genossen, schaute dann tatsächlich noch die Polizei vorbei. Keller konnte sie aber davon überzeugen, dass der Bierausschank korrekt auf der Fläche des benachbarten Eiscafés erfolgt.

Katharina Knoll/Chris Friedrich

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