Ein altes Buch ist zurück in Füssen

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Mit bunten Bildern erzählt Bernhardin Hörman die Weltgeschichte. Hier stellte er eine Feuerwehrübung aus dem Jahr 1862 am Füssener Bürgerspital dar.

Füssen – Von der Zeit der Römer bis zur Gründung der deutschen Standesämter im Jahr 1876 reicht der „Geschichtskalender der Vorzeit“, den der Füssener Bäckermeister Bernhardin Hörman von 1866 bis 1876 gemalt und niedergeschrieben hat. Dieses „Bilderbuch“ hat die Stadt nun gekauft. 

100. Geburtstag des Füssener Museumsvereins präsentierte Bürgermeister Paul Iacob zusammen mit Riedmiller und der Stadtarchivarin Ruth Michelbach das Buch nun im Rathaus. Ein Feuerwehrmann eilt die Feuerleiter hinauf, um in ein Nachbarhaus des Bürgerspitals zu gelangen. In dem befinden sich schon zwei seiner Kollegen, die mit vereinten Kräften ein Rettungstuch spannen, auf dem ein Mann in Richtung Straße hinunterrutscht. So detailreich wie diese Feuerwehrübung am Füssener Bürger- spital von 1862 sind alle Zeichnungen Hörmans im „Geschichtskalender der Vorzeit“. Der umfasst 188 Seiten mit 176 Bildern. Seinen Fokus legt Hörman dabei auf das Weltgeschehen, das nach der Ansicht der damaligen Zeit vor allem durch Schlachten und die Taten „großer Männer“ geprägt war, erklärte Riedmiller. Auf 34 Seiten informiert der Bäckermeister über die Füssener Geschichte, zu der er 18 Bilder gemalt hat. An seinem Werk erkennt man die starke Verbundenheit zur katholischen Kirche und mit dem bayerischen Staat, meint der Kulturamtsleiter. Hörman war ein Autodidakt, der im Alter von 57 Jahren begonnen hat an dem Buch zu arbeiten. Seinen letzten Eintrag machte er 1876, zwei Jahre vor seinem Tod. Wahrscheinlich für seine Familie hat der Bäckermeister das Buch entworfen, vermutet Riedmiller. In Familienbesitz blieb es auch bis vorvergangenen Donnerstag, als der Besitzer aus der Ulmer Gegend das Buch der Stadt Füssen zum Kauf anbot. Er habe als Kind darin geblättert und wolle es jetzt der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen, sagte Riedmiller. Deshalb habe er der Stadtverwaltung auch einen „sehr entgegenkommenden Preis“ im vierstelligen Bereich gemacht, den die Stadt durch die Endras-Stiftung finanziert habe. Damit setze die Stadtverwaltung fort, was sich der Museumsverein bei seiner Gründung am 25. März 1913 als Ziel gesteckt habe. Nämlich Kulturgüter zu sammeln, aufzube- wahren und auszustellen, sagte Riedmiller. Die Industrialisierung löste die Angst aus, alte Traditionen zu verlieren, weshalb der damalige Bürgermeister Jakob Spitzauer die Gründung eines Museumsvereins auf den Weg brachte. Gleichzeitig wurde mit Spenden und Leihgaben die erste Ausstellung in der Bibliothek des ehemaligen Klosters Sankt Mang auf die Beine gestellt. Damit war der „Kern eines heutigen Museums“ gelegt, erklärte Riedmiller.

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