In Füssen ist günstiger Wohnraum für sozial Schwache Mangelware

"Nicht vorhanden"

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Spatenstich in der Hohenstaufenstraße. Hier baut das Siedlungswerk Füssen derzeit neue Wohnungen.

Füssen – In Füssen fehlt es an bezahlbarem Wohnungen. Zu diesem Ergebnis kommt auch der Arbeitskreis für bezahlbaren Wohnraum. Dieser stellte am Dienstag im Stadtrat seine aktuellen Zahlen und Analysen vor. Fazit des Netzwerkes: „Die Wohnraumversorgung kann insgesamt als schlecht angesehen werden.“

Zusammen mit Sergej Hollmann vom SPDI Füssen präsentierte Heike Krautloher, Gleichstellungsbeauftragte des Landratsamtes Ostallgäu, Zahlen und Erklärungen, die den Ratsmitgliedern zu denken geben dürften. 

So kommen nach Berechnungen des Arbeitskreises auf 183 Sozialwohnungen in Füssen 573 Berechtigte. Im Schnitt sind bei 30 Bewerbern im Monat zweieinhalb Wohnungen verfügbar. „Günstiger Wohnraum ist nur selten vorhanden“, betonte Krautloher. 

Die Gründe für das große Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage seien vielfältiger Natur. Zum einen gebe es schlicht und ergreifend zu wenig günstigen Wohnraum. Zum anderen sind in Füssen vergleichsweise viele Menschen auf sozialen Wohnungsraum angewiesen. Ein wichtiger Grund dafür seien die im Hotel- und Gaststättengewerbe üblichen niedrigen Löhne bei überdurchschnittlich hohen Mieten in Füssen. 

Viele Hartz-IV-Empfänger 

So liege in der Lechstadt die Quote der Hartz-IV-Empfänger mit 3,6 Prozent deutlich über dem Landkreisschnitt von 1,8 Prozent (Bayern: 4,2 Prozent). Der Anteil derjeniger, die über eine monatliche Kaufkraft von weniger als 1500 Euro verfügen, betrage 34,5 Prozent. Auf den Landkreis Ostallgäu bezogen liegt der Anteil bei 27,7 Prozent. „Nur Seeg und Günzach stehen noch schlechter da“, so Krautloher. Gleichzeitig kämen 17,9 Prozent aller Klienten der Schuldnerberatung Ostallgäu aus Füssen – dabei stellt Füssen nur 10,8 Prozent der Landkreis-Bevölkerung. 

Erschwert werde die Situation zusätzlich noch durch den in Füssen überdurchschnittlich hohen Anteil an Alleinerziehenden mit minderjährigen Kindern – dieser liege mit 23,4 Prozent ebenfalls deutlich über dem Schnitt. Aber gerade Alleinerziehende, so die Gleichstellungsbeauftragte, hätten oft besonders mit Vorbehalten von Vermieterseite aus zu kämpfen. Gleiches gelte für Behinderte und Flüchtlinge. 

Abhilfe könnten hier nach Ansicht von Sergej Hollmann vom SPDI folgende Maßnahmen bringen: Gründung einer Konzeptgruppe, kein weiterer Verkauf von stadteigenen Wohnungen, Erstellung eines jährlich fortzuschreibenden Gesamtkonzepts, mehr barrierefreier Wohnraum, Einführung einer Quote für Sozialwohnungen, Erstellung eines Mietspiegels sowie verstärkte Kooperation mit Vermietern. 

Die Stadträte waren ebenfalls der Meinung, das gehandelt werden müsse. „Der soziale Wohnungsbau muss jetzt massiv gefördert werden“, forderte Ilone Deckwerth (SPD) und dankte dem Netzwerk: „Sie haben uns wunderbar den Spiegel vorgehalten.“ 

Iacob will handeln 

FW-Stadtrat Jürgen Doser regte dagegen eine Initiative privater Vermieter an. Diese habe bereits hinsichtlich von Asylbewerbern in Füssen gut funktioniert, argumentierte er. Auch Fraktionskollege Andreas Ullrich plädierte dafür, das Angebot des Arbeitskreises anzunehmen. Gleichzeitig verwies er aber auch darauf, dass einige Ideen Hollmanns in der Vergangenheit bereits von den Freien Wählern beantragt worden seien. 

Dr. Martin Metzger (BfF) interessierte sich indes besonders für die vorgeschlagene Quote für Sozialwohnungen und mögliche juristische Hürden. Durch eine Änderung der Bauleitplanung sei eine solche Quote wohl einführbar wurde ihm erklärt. Die Stadt Buchloe im Norden des Landkreises habe eine solche Regelung bereits eingeführt. 

„Ich werde mich in Buchloe sofort erkundigen“, kündigte Bürgermeister Paul Iacob (SPD) an, nachdem Metzger beantragt hatte, die Verwaltung möge die Machbarkeit einer Wohnungsquote prüfen. Allerdings, so Iacob, habe sich in der jüngeren Vergangenheit bereits einiges getan. So seien dem Siedlungswerk in der Hohenstaufenstraße Grundstücke für Sozialwohnungen günstig zur Verfügung gestellt worden und ein Projekt in Kager- und Hiebelerstraße sei in Planung (der Kreisbote berichtete am vergangenen Samstag). 

Dazu komme das Baugebiet Weidach, wo die BSG Allgäu ebenfalls günstigen Wohnraum anbieten werde. Nichtsdestotrotz: „Der soziale Wohnungsbau war hier lange Brachland“, meinte Bürgermeister Iacob.

Matthias Matz

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