Ein Kompromiss ist in Sicht

Kommt dm doch noch?

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Wer derzeit bei Aldi einkauft, hat in der Regel keine Parkplatzprobleme. Doch mit der Neuansiedlung der Drogerie dm würde es einige weniger geben. Zu wenig, wie Bauamtsleiter Armin Angeringer im Bauausschuss feststellte. Deshalb ist jetzt die Innenstadt als Standort im Gespräch.

Füssen – Vielleicht kommt die Drogerie dm doch nach Füssen. Am Dienstag diskutierten die Stadträte das Thema erneut im Bauausschuss – und waren hin- und hergerissen: Einerseits wollten sie den Willen der Bürger berücksichtigen, von denen sich viele einen dm wünschen. Andererseits wollen sie die Innenstadt schützen.

Der Discounter Aldi will auf seinem Gelände in der Abt-Hafner-Straße eine dm-Drogerie bauen. Über einen entsprechenden Bauantrag hatte der Bauausschuss bereits im Juli diskutiert – und ihn abgelehnt (der Kreisbote berichtete).

An sich hatten die Räte zwar nichts gegen eine dritte Drogerie in der Lechstadt, allerdings passte ihnen die Lage am Stadtrand nicht. Dazu kam noch ein weiteres Problem: Der Bauwerber könne laut Füssener Stadtverwaltung nach dem damaligen Stellplatzschlüssel lange nicht genügend Parkplätze für beide Märkte nachweisen.

Neuer Antrag

Doch das wollte der Bauwerber offenbar nicht auf sich sitzen lassen: Er reichte erneut einen Bauantrag ein. Mit dabei ein Gutachten, das erklärt, dass Aldi mit den 107 Parkplätzen, die nach dem Bau der Drogerie noch übrig bleiben, auskomme, sagte Bürgermeister Paul Iacob (SPD). Zudem berufe sich der Bauwerber auf die Toleranz, von der einst die Stadt gesprochen habe, so Iacob.

Denn: der später gebaute Lidl in der Kemptener Straße musste nur noch einen Parkplatz pro 15 Quadratmeter Baufläche nachweisen, während Aldi einst einen Parkplatz pro zehn Quadratmeter Baufläche zur Verfügung stellen musste. Und wenn der neue Stellplatzschlüssel auch für Aldi gelte, könne der Markt genug Parkplätze nachweisen – sowohl für für seinen Markt als auch für dm. Allerdings wurde die damalige Baugenehmigung für den Discounter nach dem alten Schlüssel erteilt. „Das können wir nicht mehr ändern“, so der Rathauschef.

Frauen für dm?

Wenn es aber zu einem Rechtsstreit komme, wisse er nicht, wie der ausgehen würde. „Es könnte sein, dass das kippt“, sagte Iacob. Der Rathauschef machte klar: „Das (Bauantrag – Anmerk. d. Rd.) macht uns von der Verwaltungsseite nicht glücklich.“ Schließlich wolle man innenstadtrelevante Betriebe auch in der Innenstadt halten. Aber: „In dem Bereich zählt die Innenstadtrelevanz nicht“, so dass der Bauantrag „grundsätzlich durchführbar“ sei, erklärte Iacob.

Ähnliche Bedenken hatten auch die übrigen Stadträte. „Ich bin für den Markt. Aber ich habe Angst, dass dann Tür und Tor für andere Märkte geöffnet wird“, erklärte Michael Schmück (CSU). Andererseits hatten sich einige Bürger nach dem ersten Beschluss vehement für dm eingesetzt. „Die Damen sagen, dass man ihn nicht mit Rossmann vergleichen kann“, so Bernhard Eggensberger (CSU). Dort gebe es Bioprodukte und entsprechende Kleidung. Diese Mütter, „fahren dafür nach Kempten“, sagte Eggensberger.

„Wenn wir das sausen lassen, tun wir der Stadt definitiv keinen Gefallen“, meinte Michael Jakob (CSU) in diesem Zusammenhang. „Wenn sie das Geld nach Kempten tragen, finde ich das überhaupt nicht lustig.“ Bürgermeister Iacob zeigte sich von diesem großen Zuspruch ganz erstaunt.

Er befürchtete, dass sich die Einkäufe in Kempten oder Kaufbeuren dann nicht auf dm beschränken werden. Dann trage man „mehr Kapital rüber als erforderlich wäre“, sagte der Rathauschef. Das Kapital und die Arbeitsplätze sollten aber in Füssen bleiben. „Die Innenstadt lebt nicht allein von Wohnungen.“

Politik in der Verantwortung

Deren Schönheit könne man nur aufrechterhalten, wenn auch die Wirtschaft da sei. „In anderen Städten der Größe Füssens sterben die Innenstädte“, erklärte Iacob. Wenn man die Stimmen von der Bevölkerung einhole, dann sollte man auch den Einzelhandelsverband fragen, meinte Magnus Peresson (UBL). Der habe einst die Tendenz, dass Betriebe an den Stadtrand ziehen, als gefährlich eingestuft. „Wir haben eine Verpflichtung gegenüber den alten einheimischen Kaufleuten. Man sollte schon schauen, dass man die Kernstadt schützt“, so Peresson.

In der Kernstadt sei aber nur noch ein einheimischer Kaufmann angesiedelt, sonst seien dort nur Märkte, hielt Ursula Lax (CSU) dagegen. Um einen Rechtsstreit bei den Parkplätzen aus dem Weg zu gehen, schlug sie vor die Gebäude für Aldi und dm zu einem zu verbinden. Für das könnte dann eine neue Baugenehmigung mit dem jetzigen Stellplatzschlüssel erteilt werden. „Dann würden wir nicht den vorherigen Vorgaben widersprechen.“

Außerdem sei der Parkplatz bei Aldi „total überdimensioniert“, meinte Lothar Schaffrath (SPD). „Die Hälfte ist nicht belegt. Der gesunde Menschenverstand sagt, dass sie reichen.“ Einen andere Lösung hatte Dagmar Rothemund (SPD) im Kopf: Die Drogerie woanders in der Stadt anzusiedeln. „Das wäre wesentlich besser. Ich finde dm auch gut.“ Aber dass es in der Innenstadt immer weniger Geschäfte gebe, „finde ich furchtbar schade“, so Rothemund. Die Innenstadt dürfe nicht zur „Fressmeile verkommen“, forderte die SPD-Stadträtin. Nach dieser Anregung schlug Iacob vor, die Drogerie im Erdgeschoss des ehemaligen Sparkassengebäudes in der Reihenstraße anzusiedeln, wo früher die Drogerie „Ihr Platz“ war.

Die Stadtverwaltung soll dementsprechende Gespräche mit dem Bauwerber führen. Gleichzeitig soll rechtlich geprüft werden, ob man den neuen Stellplatzschlüssel auf Aldi anwenden kann. Das Ergebnis dieser Verhandlungen soll dann noch einmal im Bauausschuss diskutiert werden. Das segnete der Bauausschuss einstimmig ab.

Katharina Knoll

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