Neuer Baumarkt im Gewerbepark

"Das ist eine Sauerei"

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Bürgermeister Paul Iacob steht wegen der Ansiedlung eines Baumarktes im Gewerbepark "Allgäuer Land" in der Kritik.

Füssen – Neues Jahr, altbekannte Vorwürfe: Stadträte der CSU und Freien Wähler kritisieren im Zusammenhang mit dem geplanten Bau eines V-Markt-Baumarktes das Vorgehen von Bürgermeister Paul Iacob (SPD). Sie hätten erst aus der Presse von dem Vorhaben erfahren. Iacob weist die Vorwürfe ebenso wie Kritik an seiner Wirtschaftspolitik zurück.

Sie hätten erst aus der Presse von dem Vorhaben erfahren. Iacob weist die Vorwürfe ebenso wie Kritik an seiner Wirtschaftspolitik zurück.

Wie mehrfach im Kreisbote berichtet, will die Mauerstettener Firma Georg Jos. Kaes GmbH im Gewerbepark „Allgäuer Land“ neben der Firma Heuberger einen Baumarkt mit einer Verkaufsfläche von rund 8500 Quadratmetern bauen. Der Zweckverband „Allgäuer Land“ hatte dafür in seiner Sitzung Anfang Dezember den Weg frei gemacht.

Bei einigen Stadträten stößt das jedoch auf Kritik. Sie hätten erst aus der Presse davon erfahren, so ihr Vorwurf. „Ich finde, das ist eine Sauerei“, sagte CSU-Stadtrat Michael Schmück. Er empfinde es als nicht angenehm, so vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. „Ich bin enttäuscht. Vertraut man uns denn nicht? Müssen wir so etwas aus der Zeitung erfahren?“ Jürgen Doser von den Freien Wählern (FW) äußert sich ebenfalls kritisch dazu: „Die Stadträte wurden außen vor gelassen“, sagte er gegenüber dem Kreisboten. „Das finde ich nicht korrekt.“

Bürgermeister Iacob zeigte sich auf Anfrage unserer Zeitung überrascht über die Vorwürfe und weist diese entschieden zurück. „Ich habe das im Haupt- und Finanzausschuss am 10. November deutlich gemacht“, sagte er. In der Bürgerversammlung vom 16. November habe er ebenfalls über die Pläne, einen Baumarkt anzusiedeln, berichtet. Es sei daraufhin Sache der Fraktionen gewesen, ihre Mitglieder zu informieren. Daher sei er „mehr als überrascht“ von der nun aufkommenden Kritik.

 Bestätigt wird Iacob von SPD-Fraktionsvorsitzenden Lothar Schaffrath, der nach eigenen Angaben seit der Sitzung am 10. November im Bilde ist.

Nicht nachhaltig?

Doser und Schmück kritisieren allerdings auch grundsätzlich die Ansiedlung eines Baumarktes. Schließlich seien die Flächen ursprünglich für produzierendes Gewerbe vorgesehen gewesen. „Für eine nachhaltige Entwicklung hätte ich mir etwas anderes gewünscht“, so Doser. Hier sei eine Chance vertan worden. „Die Fläche ist unwiederbringlich weg!“ Wenn das die Wirtschaftsförderung der Stadt sei, „ist das schade.“ Michael Schmück befürchtet dagegen eine Konkurrenz für OBI. Dieser zahle hier den vollen Gewerbesteuersatz, während die Stadt Füssen von Betrieben im Gewerbepark „Allgäuer Land“ nur 30 Prozent Gewerbesteuer einnehme. Der Rest gehe an die übrigen Gemeinden im Zweckverband. „Ist das sinnvoll?“, fragt Schmück.

Bürgermeister Iacob erklärte, es sei „sehr schwer“ produzierendes Gewerbe in Füssen anzusiedeln. „Es gab für dieses Grundstück keinen anderen Bewerber“, betonte er. Auch sein Fraktionschef sieht einige Probleme: „Es ist sicherlich nicht einfach – trotz Autobahnanschluss – Firmen an die Peripherie der BRD zu bringen. Da gibt es Autobahnkreuze, die lukrativer sind“, so Schaffrath. Positiv seien jedoch die zusätzlichen Steuereinnahmen zu sehen. „Wenn dann die Gewerbesteuer beim Zweckverband und somit auch anteilmäßig bei der Stadt Füssen bleibt, sind wir zufrieden. Eine grüne Wiese zahlt keine Steuern!“ Von der Konkurrenz zwischen zwei Baumärkten würden zudem die Verbraucher profitieren.

Und: „Sicher werden auch für Schüler, die Füssen nicht verlassen um zu studieren, zusätzliche Ausbildungsplätze und dann Arbeitsplätze geschaffen.“

Jürgen Doser fordert dagegen ein professionelleres Stadtmarketing und ein Stadtentwicklungskonzept. „Wir müssen das Ganze vermarkten. Das muss ich professioneller in Angriff nehmen!“, appelliert er. Iacob hingegen verweist auf die Erfolge seiner Wirtschaftspolitik. „Wir haben viel getan und Kontakte geknüpft.“ Außerdem sei es gelungen, im Gewerbepark Arbeitsplätze abzusichern und zu schaffen. „Unsere Wirtschaftspolitik zeigt eine deutliche Änderung gegenüber früher“, sagte er.

Darüber hinaus werde die Stadt kulturell, touristisch und wirtschaftlich gut vermarktet. „Über Füssen spricht man!“ Er und Hauptamtsleiter Andreas Rist würden dabei eng mit der Allgäu GmbH, Klaus Zettlmeier, Vorsitzender des Wirtschaftsbeirats, und anderen Einrichtungen zusammenarbeiten. „Es wird etwas getan!“ Das zeige sich auch daran, dass Füssen mittlerweile auf über 15.000 Einwohner gewachsen sei.

Ob die Sache damit erledigt ist, bleibt abzuwarten. Stadtrat Schmück ist der Meinung, dass das Thema noch einmal auf den Tisch müsse. „Wir werden reagieren.“

Matthias Matz

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