Bauherr will in Reichenstraße ein Hotel eröffnen

Widerstand gegen Hotelpläne

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Das Haus in der Reichenstraße 9 steht seit längerem leer. Nun sollen in den Obergeschossen Hotelzimmer entstehen.

Füssen – Nun zieht wohl doch kein großes Textilgeschäft in die Reichenstraße 9 ein, wie noch im März gedacht. Zumindest nicht in der geplanten Größenordnung von rund 1500 Quadratmetern. Stattdessen soll im Obergeschoss ein Hotel im zwei bis drei Sternebereich entstehen.

Den entsprechenden Bauantrag hat am Dienstag Bauamtsleiter Armin Angeringer dem Bauausschuss vorgestellt. Doch davon begeistert war keiner. „Dieses Projekt setzt die Entwicklung fort, die wir skeptisch und mit einer gewissen Machtlosigkeit zuschauen“, meinte Dr. Anni Derday (FWF).

Der Antragsteller will an dem Haus nicht viel ändern: Die bestehende Passage soll erhalten bleiben, informierte Bauamtsleiter Armin Angeringer. Auch an der Größe der Tiefgarage und an der Anzahl der oberirdischen Stellplätze wird sich nichts ändern. Das Haus soll weiterhin über die Hintere Gasse und die Ritterstraße angefahren werden. Dort soll ein Balkon mit Außentreppe gebaut werden. Neben den bereits bestehenden Läden im Erdgeschoss wird ein Filialist einziehen. Dessen Namen will der Bauwerber laut Angeringer aber noch nicht nennen.

Daneben will dieser im ersten Untergeschoss und im Erdgeschoss öffentliche Toiletten einbauen. Im ersten bis dritten Obergeschoss werden insgesamt 28 Zimmer mit 60 bis 80 Betten entstehen, erklärte Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier. Hier sollen vor allem Gruppen übernachten, die hauptsächlich über Buchungsportale beworben werden.

Daneben will der Antragsteller zwar einen Frühstücksraum bauen, aber keine eigene Gastronomie betreiben. „Eine Qualifizierung ist nicht angedacht“, so der Tourimusdirektor. In einer Stellungnahme bewertete er, ob das Projekt mit der Zielsetzung von Füssen Tourismus und Marketing (FTM) übereinstimme: Die Qualität im Tourismus zu steigern. Und erteilte dem Projekt eine klare Absage. Nach ihren Richtlinien könne er das Hotel „nicht befürworten“, sagte der Tourismusdirektor.

Keine Qualitätssteigerung

 Wenn man von Qualitätsverbesserung spreche, müsse man an Hotels im vier bis fünf Sternebereich denken, so Fredlmeier. Der zwei bis drei Sternebereich sei in Füssen bereits jetzt „mit zahlreichen anderen Häusern abgedeckt.“ Zudem sei das Hotel kein bestehender Betrieb, sondern eine Neuansiedlung und habe auch kein spezielles Profil. Daneben werde die Anfahrt über die Ritterstraße und Hintere Gasse wohl das Problem zwischen Fußgänger und Autos noch verschärfen.

Als positiv bewertete er jedoch, dass ein Leerstand in der Innenstadt beseitigt werde, dass öffentliche Toiletten entstehen und dass generell eine Investitionsbereitschaft der Gastgeber da sei. Wenn das Hotel nach einer Abwägung an den Start gehe, werde FTM es „nach Kräften unterstützen“, so Fredlmeier.

Doch auch die Stadträte waren von einem weiteren Hotel in diesem Preissegment nicht begeistert. So meinte Derday, dass Füssen in der Innenstadt bald „500 Betten dazubekommt, die müssen belegt werden.“ Sie warnte davor, dass die Tourismuszahlen nicht ewig steigen werden. Bereits jetzt kämen weniger Asiaten in die Stadt. „Als Stadtvertreter dürfen wir nicht die Augen zumachen. Wir wollen die Qualität fördern und die Betriebe vor Ort erhalten.“ An den Zahlen und Plänen für dieses Projekt merke man, „dass jeder Quadratmeter ausgenutzt wird für mehr und mehr Betten.“

Derselben Meinung waren auch Dagmar Rothemund (SPD) und Michael Schmück (CSU). „Wir versuchen die guten Hotels auszulasten“, sagte Bürgermeister Paul Iacob (SPD). Der Antrag „widerspricht dem, was wir vom Grundsatz her wollen.“ Doch die Krux an der Sache ist: Viele Möglichkeiten, das Projekt abzulehnen, hat die Stadt nicht. Da das Haus im Mischgebiet liege, habe diese neue Nutzung einen „Rechtsanspruch zugelassen zu werden“, erklärte Angeringer. Den Antrag einfach abzulehnen, geht „nach öffentlichen Baurecht so nicht.“

Stellungnahme steht aus

Allerdings plane der Bauherr mit zusätzlichen Dachgauben im dritten Obergeschoss für mehr Licht in den Zimmern zu sorgen. Laut Baugestaltungsordnung seien die allerdings nur „in zurückhaltender Form“ zulässig, so Angeringer. Die „hohe Zahl und enge Platzierung“ der Gauben widerspreche dem eher. Allerdings liege eine Stellungnahme des Landesamt für Denkmalschutz (LfD) noch nicht vor, so Angeringer.

Daraus ergibt sich aber ein weiteres Problem: Laut Baurecht müssen Anträge innerhalb von zwei Monaten bearbeitet werden, informierte Angeringer. Da im August keine Sitzungen stattfinden, müsse das Gremium jetzt eine Entscheidung fällen. „Wenn wir nichts machen, wird das kommunale Einvernehmen automatisch nach Fristende erteilt“, sagte Iacob. Daran könne auch der städtische Beschluss, dass der Bauausschuss ohne Stellungnahme des LfD keinen Beschluss in der Altstadt fassen werde (der Kreisbote berichtete), nichts ändern, wie Dr. Christoph Böhm (CSU) und Magnus Peresson (UBL) gehofft hatten. „Unsere Anträge ändern nicht Landes- und Bundesrecht“, erklärte Ursula Lax (CSU).

Um trotzdem noch die Stellungnahme des LfD einholen zu können, kündigte Dr. Martin Metzger (BfF) an, wegen der zu vielen Gauben den Antrag abzulehnen. Außerdem könne die Stadt gleich noch die Annahme des Landratsamtes in Frage stellen, dass die vorhandenen Stellplätze sowohl für das Hotel als auch für den bestehenden Versammlungsraum ausreichen. Laut Bedarfsberechnung brauche das Hotel 44 Stellplätze, erklärte Angeringer. Vor Ort seien 49 Parkplätze vorhanden.

Dass das ausreiche, wenn der Versammlungsraum voll sei, bezweifelte Peresson. „Man kann den Versammlungsraum nicht von der Stellplatzproblematik herausnehmen“. Daneben meinte er, dass das Landratsamt den Antrag nicht genehmigen werde, wenn ihm keine Aussage des LfD vorliege. „Der Bauausschuss sollte nicht immer so unter Druck gesetzt werden, wie es hier oft gemacht wird.“

Um diesem Problem künftig aus dem Weg zu gehen, beantragte Metzger, dass die Stadtverwaltung Bauanträge für die Innenstadt künftig nur noch annehme, wenn eine Stellungnahme des LfD vorliege. „Das werden wir auf den rechtlichen Hintergrund prüfen“, so Iacob. Für einen Kompromiss bei den Hotelplänen war dagegen Jürgen Doser (FWF). Denn „der untere Bereich wäre für die Innenstadt in Ordnung“.

Um das „Projekt nicht komplett zu zerstören“, schlug Doser vor mit den Antragstellern zu sprechen. Vielleicht könne man einen Konsens finden, wenn der Bauherr merke, „wie die Diskussion hier drinnen ist“, so Doser. Am Ende lehnte der Ausschuss einstimmig den Antrag ab mit Verweis auf die fehlende Stellungnahme des LfD, die vielen Dachgauben, die Verkehrsanbindung und die Hotelnutzung.

Katharina Knoll

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