Geplantes Mehrfamilienhaus in Bad Faulenbach ist Stadträten zu groß

Bau ist zu massiv

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Dort, wo künftig ein Mehrfamilienhaus stehen soll, befinden sich derzeit Büsche. Die Tiefgaragenzufahrt soll rechts am Fuße des Kapellenbergs am Europarkhotel entstehen.

Füssen – Eine Veränderungssperre für das Gelände „Am Anger” hat der Stadtrat jetzt beschlossen. Damit wollen die Räte verhindern, dass das Landratsamt Ostallgäu dem Bauwerber seine Pläne genehmigt, während die Stadt einen Bebauungsplan aufstellt. Denn das geplante Projekt  ist der Stadt zu massiv. 

Handlungsbedarf sahen die Füssener Stadträte von Anfang an bei diesem Projekt: In der Julisitzung vertagte der Bauausschuss die Entscheidung in die Septembersitzung. Zuerst wollte man ausführlichere Informationen einholen, so die Räte. Denn mit dem Projekt könne Bad Faulenbach den Zusatz „Tal der Sinne” streichen, meinte damals Michael Jakob (CSU). In seiner Septembersitzung empfahl der Bauausschuss dann einstimmig dem Stadtrat die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans (B-Plan) für dieses Areal, wofür sich auch die Stadtverwaltung aussprach. Der Hauptgrund: Bei den Kosten gebe es „ganz gravierende Unterschiede”, erklärte Bauamtsleiter Armin Angeringer. Während für diesen ca. 3000 Quadratmeter großen Bereich ca. 10.000 Euro fällig werden, würde ein B-Plan für ganz Bad Faulenbach das vierzigfache kosten: „60.000 Euro aufwärts ohne besondere Leistungen”, so der Bauamtsleiter. Außerdem sei es ein „Wahnsinnsaufwand”, weil alle vorhandenen Häuser ebenfalls vermessen werden müssten, fügte Bürgermeister Paul Iacob (SPD) hinzu. Als Beispiel führte er den Bebauungsplan Hopfen Uferstraße Nord an. 

Doch so einig wie in der vergangenen Bauausschusssitzung waren sich die Stadträte nun nicht mehr. „Ich denke, dass das, was in Hopfen passiert ist, positiv ist”, widersprach Andreas Eggensberger (Füssen-Land). Der Blick nur auf dieses Areal zu richten, das sei zu klein gedacht. Ähnlich sah es Dr. Martin Metzger (BFF). „Das ist das Tal der Sinne. Können wir es uns wirklich leisten nur den kleinen Bereich in den Bebauungsplan zu packen oder sollten wir schauen, wo es in den nächsten Jahren brennt?” Das nächste Bauprojekt werde wohl auf der Westseite von Bad Faulenbach entstehen. Doch damit ist wohl erst in den kommenden zehn bis 15 Jahren zu rechnen. „Das ist noch nicht greifbar”, erklärte Iacob. „Der enge Umgriff ist nicht sinnführend”, meinte auch Magnus Peresson (UBL), der einen B-Plan für ganz Bad Faulenbach forderte. „Ich mach da nicht mit.” 

Wenn die Stadt Füssen in der Vergangenheit einen vorhabenbezogenen B-Plan aufgestellt habe, hätte der Bauwerber immer bekommen, was er wollte, kritisierte Peresson. In der Bevölkerung werde die Stadt schon als „zahnloser Tanzbär” gesehen, „den der Bauherr hinter sich herzieht”, so Peresson. Anwohnerin sorgt sich Auf Nachfrage des Kreisboten erklärte Armin Angeringer, dass die Stadt Füssen in der Vergangenheit immer nur dann solch einen B-Plan aufgestellt habe, um ein Bauprojekt auf den Weg zu bringen, das sonst nicht möglich gewesen wäre. Hier sei es jedoch der „umgekehrte Fall”. Die Baupläne entsprechen nicht der städtischen Zielsetzung und müssten deshalb angepasst werden. 

Am Ende verabschiedeten die Stadträte mit 17:4 Stimmen den vorhabenbezogenen B-Plan. Dr. Anni Derday (FW) nahm als unmittelbar Betroffene nicht an der Abstimmung teil. Außerdem soll die Stadtverwaltung mit den Bauherrn wegen der Kostenübernahme für die Bauleitplanung verhandeln. 

Dass das Projekt auch manchem Anwohner Sorgenfalten auf die Stirn treibt, zeigte sich bei der anschließenden Bürgersprechstunde. Bad Faulenbach sei „einzigartig, bitte, erhaltet das”, meinte eine Anwohnerin. Andernfalls werde dieser Stadtteil zugebaut. „Weil, wenn die einmal anfangen dann gibt es kein Halten mehr.” Auch über die geplante Tiefgaragenzufahrt am „Kapellenberg” machte sie sich Sorgen. Da herrsche „jetzt schon ein Verkehrschaos”. „Die Tiefgaragen-Ausfahrt ist schon nicht unproblematisch”, meinte auch Angeringer. Hier müsste man „die Verkehrssicherheit hinterfragen.” Autofahrer könnten Radler übersehen, die schnell den Berg hinunterradeln. kk

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