Zugeschütteter Mühlbach: Bürgermeister spricht sich für Parkplätze aus

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Neue Parkplätze entstehen derzeit auf dem Gelände der ehemaligen Hanfwerke. Dafür wurde der historische Mühlkanal zugeschüttet und verrohrt. Während die Stadtverwaltung für die Parkplätze ist, ist das Landratsamt noch skeptisch.

Füssen – Zeichnet sich im Fall des ohne Genehmigung zugeschütteten denkmalgeschützten Mühlkanals bei den ehemaligen Hanfwerken eine Lösung ab? Bürgermeister Paul Iacob (SPD) stellte dies zumindest vergangene Woche im Stadtrat in Aussicht und stärkte der verantwortlichen Firma den Rücken. Doch die zuständige Abteilung Bau und Umwelt im Landratsamt ist vorsichtig.

„Wir haben noch keinen Lösungsvorschlag, denn da spielen mehrere Behörden und Fachbereiche mit“, sagte Abteilungsleiterin Gudrun Hummel am Freitag auf Nachfrage dieser Zeitung. Füssens Bauamtsleiter Armin Angeringer droht derweil eine Dienstaufsichtsbeschwerde.

Wie im Kreisbote berichtet, hat die Eigentümerin der Hanfwerke, die Firma Glass, den über 200 Jahre alten denkmalgeschützten Kanal des ehemaligen Mühlbachs bei Sanierungsarbeiten auf dem Areal zugeschüttet und verrohrt. Ziel der Arbeiten war neben dem Bau zusätzlicher Parkplätze auch ein verbesserte Anfahrsituation für die Feuerwehr.

Nachdem das Landratsamt auf den Fall aufmerksam geworden war, einschritt und einen Rückbau der Verfüllung forderte, ruhen die Arbeiten seit Ende April.

Vergangenen Mittwoch im Stadtrat wollte Zweiter Bürgermeister Niko Schulte (CSU) nun wissen, warum das Landratsamt in diesem Fall „so rigoros“ vorgehe. Schließlich seien die zusätzlichen Parkplätze auf dem Areal der ehemaligen Hanfwerke zu begrüßen. Daher verwundere ihn das Vorgehen der Kreisbehörde. „Wir sollten zeigen, dass wir zu dem stehen, was da unten passiert“, sagte er und forderte einen Beschluss des Stadtrats, der dies auch eindeutig signalisiere.

Bürgermeister Iacob erläuterte daraufhin, dass er in der Vergangenheit mit Vertretern der Firma Glass über den Bau weiterer Stellplätze auf dem Gelände gesprochen habe – auch für Bewohner der Altstadt. „Wir haben dort gute Betriebe – dafür brauchen wir aber auch Stellplätze“, sagte er. Dazu, so Iacob weiter, komme, dass die Zufahrt für die Fahrzeuge der Brandbekämpfer sicherer gemacht werden müsse. Darauf habe Füssens Feuerwehrkommandant Thomas Roth mehrfach hingewiesen. Außerdem hätten Anwohner über Ratten und anderes Ungeziefer im Bereich des Bachlaufs geklagt.

 Lösung möglich?

 Die Firma habe sich daher entschlossen, die Überreste des alten Kanals zuzuschütten und darüber ein Rohr zu verlegen. Die historischen Quadersteine seien aber nach wie vor unter der Erde erhalten. Außerdem sei bereits in den Jahren davor ein gutes Stück des Bachlaufs zugeschüttet worden, ohne das sich jemals jemand beschwert habe.

Just am Tag der Stadtratssitzung habe außerdem ein Treffen zwischen ihm, einem Vertreter des Landesamtes für Denkmalpflege (LfD) und des Kreisdenkmalschützers Anton Hohenadl stattgefunden, so Iacob weiter. „Ich habe mit aller Bestimmtheit deutlich gemacht, dass wir diese Parkplätze brauchen“, berichtete Iacob den Stadträten.

Zudem habe bereits zuvor ein Treffen im Landratsamt mit Vertretern der Firma Glass stattgefunden. Dabei habe sich die Firma dafür entschuldigt, keinen Bauantrag für die Verfüllung gestellt zu haben. Nun, so der Bürgermeister, könnte als Kompromiss der Bach unter der Brücke bis zum Lech wieder ausgegraben werden und ein Biotop entstehen. Im Gegenzug blieben die neuen Parkplätze erhalten. „Unser Einsatz dafür ist gegeben“, betonte Iacob.

In der Abteilung Bau und Umwelt des Landratsamtes ist man dahingehend aber zurückhaltender als im Füssener Rathaus. „Das sind die Vorstellungen der Stadt“, sagte Abteilungsleiterin Gudrun Hummel im Gespräch mit dem Kreisbote zu Iacobs Ausführungen im Stadtparlament. „Wir haben dagegen noch keinen Lösungsvorschlag, denn da spielen mehrere Behörden und Fachbereiche mit“, erklärte sie.

So stehe unter anderem noch die Stellungnahme des Landesamtes für Denkmalpflege (LfD) aus. Außerdem sei der Mühlkanal als Retentionsgebiet im Falle eines Lech-Hochwassers vorgesehen, so Hummel weiter. Und für als Überschwemmungsgebiete gesicherte Bereiche an Lech und Wertach gelten laut Landratsamt Ostallgäu bestimmte Vorgaben.

 So dürfen in diesen Gebieten keine neuen Baugebiete ausgewiesen werden und auch bei der Errichtung oder Erweiterung baulicher Anlagen sind Einschränkungen gegeben. Quer zur Fließrichtung dürfen keine Mauern, Wälle oder ähnliche Anlagen errichtet werden und die Erhöhung oder Vertiefung der Erdoberfläche ist nicht mehr erlaubt. Das Ablagern von Gegenständen, die den Wasserabfluss behindern oder die fortgeschwemmt werden können, ist ebenfalls nicht zulässig.

Keine Abstimmung

 Darüber hinaus wurde der Bachlauf bei der Bewilligung für den Neubau des neuen Kraftwerks im hinteren Bereich des Areals 2006 als „naturschutzfachliche Ausgleichsfläche“ vorgesehen. Aus Sicht der Kreis-Baubehörde sei demzufolge noch keine Lösung in Sicht. Man müsse dafür zunächst die Stellungnahmen der verschiedenen Behörden abwarten, erklärte Hummel.

Zweiter Bürgermeister Niko Schulte dagegen hätte die Angelegenheit am liebsten gleich am vergangenen Mittwoch per Beschluss des Stadtrats absegnen lassen. Da SPD-Stadträtin Ilona Deckwerth jedoch auf die fehlende Unterlagen verwies, wurden Diskussion und Abstimmung zunächst vertagt. Doch bevor das Stadtparlament oder der Bauausschuss involviert werden können, müsse zunächst einmal ein Bauantrag der Firma Glass vorliegen, erklärte Bauamtsleiter Armin Angeringer am Montag auf Nachfrage. Das sei bisher nicht der Fall.

Bereits aktiv geworden sind dagegen die „Aktiven Bürger“, deren Sprecher Harald Vauk nach eigenen Angaben bereits im Landratsamt vorstellig geworden ist. Er möchte, dass die Kreisbehörde prüft, ob Verfehlungen der Stadtverwaltung vorliegen. Offenbar aufgrund eines Missverständnisses hat die Abteilung Kommunalrecht dies als Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Bauamtsleiter Angeringer gewertet und diese an die Stadtverwaltung weitergeleitet. Nun muss sich Bürgermeister Iacob dazu äußern.

Matthias Matz

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