"Ständig wechselnde Vorgaben"

In Schwangau schreiten die Bauarbeiten voran, noch vor Weihnachten soll die neue Sauna eröffnet werden. Die Konkurrenz aus Reutte fürchtet Steinhart nicht: „Die bauen ein Millionengrab.“ Foto: gau

Der Einstieg der Kristallbädergruppe um Heinz Steinhart beim Reuttener Erlebnisbad Ehrenberg ist endgültig gescheitert. Heinz Steinhart selbst brach die Verhandlungen mit Alois Oberer ab, Grund seien immer wieder neue und wechselnde Vorgaben. „Sie bauen mit 13,7 Millionen Euro ein Hallenbad und Millionengrab“, wirft Heinz Steinhart dem Reuttener Bürgermeister vor.

Die Nachricht, dass die Kristallbäder-AG das Erlebnisbad Ehrenberg übernehmen und zur Therme ausbauen wollte, sorgte Anfang Oktober für Furore. Insbesondere die Pläne, die Steinhart für Reutte hatte, beeindruckten: Das dortige Mineralwasser und Radongas sollte genutzt werden, der „Bäderkönig“, wie er in österreichischen Medien gerne genannt wird, wollte sogar eine Bäderregion à la Birnbach einrichten. Da kam die Pressemitteilung aus Reutte umso überraschender, in der die Kooperation nicht zustande kommt. Grund sei die fehlenden finanziellen Zusagen Steinharts gewesen. Konkrete Gespräche zwischen Steinhart und dem Reuttener Bürgermeister gab es erstmals im September, wie eine Chronologie beweist, die unserer Zeitung vorliegt. Steinhart wollte langfristig das Bad pachten, dafür sollte die Gemeinde von den Verlusten freigehalten werden und die Kristallbädergruppe den Kapitaldienst für Zusatzinvestitionen tragen – Reutte hätte pro Jahr eine Million sparen können, aber mehr investieren müssen. Der Neubau des Erlebnisbades kostet die Marktgemeinde 13,7 Millionen Euro, dazu kommen noch die Kosten der Gründung (1,3 Millionen Euro), wofür die Gemeinde einen Kredit über 9,6 Millionen Euro aufnehmen muss. Erste Unstimmigkeiten Am Tag nach der Pressekonferenz kames aber bereits zu Unstimmigkeiten, die Kommunalbetriebe bestritten gemachte Absprachen, heißt es in den Unterlagen. Danach herrschte Funkstille, Interviewanfragen wurden mit dem Hinweis, es gebe nichts Neues, zurückgegeben. Dafür tauchte plötzlich die ominöse Bankbürgschaft auf. Schließlich platzte die Vision einer Reuttener Therme wie eine Seifenblase. Steinhart hakt nach Schuld daran, dass die Verhandlungen scheitern, sei die Forderung nach Absicherung der Investitionen. Alois Oberer dazu: „Wir haben vom ersten Gespräch an Sicherheiten für die Zusatzinvestitionen verlangt, die haben wir nicht bekommen, damit ist für mich die Sache erledigt.“ Man habe aber weder Verträge gehabt, so Steinhart, die abgesichert hätten werden müssen, noch sei einzusehen, warum ein Pächter Garantien für einen Bau abgeben soll, der im Eigentum der Gemeinde bleiben wird. Während Oberer das Thema als abgehakt betrachtet, fordert Steinhart zumindest die Rücknahme der Behauptung, die Kristallgruppe könne nicht die erforderliche Bonität vorweisen. Wenige Tage zuvor beim Treffen mit den Bankern sei man sich über die Finanzierung einig gewesen und hätte sich über die Formalitäten geeinigt. Dann aber habe ein Vertreter der Kommunalbetriebe Reutte (RKB) abermals sechs Millionen auf ein Treuhandkonto gefordert, um damit den Baufortschritt bezahlen zu können. Steinhart in seinem Schreiben an Bürgermeister Oberer: „nicht (meine) Emotionen haben das Geschäft scheitern lassen, sondern ihre ständig wechselnden Vorgaben“.

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