Fachleute informieren Lechbrucker über die Flüchtlingssituation vor Ort

"Das ist Fakt!"

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Das Interesse der Lechbrucker am Thema ist groß, wie dieser Blick in den Saal zeigt.

Lechbruck – In Lechbruck kommen auf 100 Bürger knapp vier Flüchtlinge. Damit ist der 2800 Einwohner zählende Ort Spitzenreiter im Ostallgäu. Doch steht diese Konzentration auch im Zusammenhang mit dem verstärkten Auftreten von Bettlern in Lechbruck und immerhin drei unaufgeklärten Einbrüchen?

Das seien drei Probleme, so Bürgermeister Helmut Angl. Deshalb hatte er die Bürger am Montagabend zu einer Info-Veranstaltung in die Lechhalle eingeladen. Man wolle und dürfe diese drei Punkte nicht in einen Topf werfen, mahnte Angl. Doch man müsse auch ganz klar sehen, dass es Ängste und Befürchtungen in der Lechbrucker Bevölkerung gebe. „Die sind da!“, betonte er.

Um diese Ängste zu nehmen und eventuelle Ressentiments abzubauen, wolle die Gemeinde mit Hilfe von Experten informieren und Fragen der Bürger beantworten. Oberregierungsrat Ralf Kinkel vom Landratsamt machte mit den nackten Zahlen den Anfang (siehe eigener Bericht). Er musste auch in der anschließenden Diskussionsrunde das Gros der Fragen beantworten. Wobei Kinkel fast zum Schluss seines Vortrages den entscheidenden Satz aussprach und eingestand: „Wir haben keine Vorstellung, wie das Ganze sich weiterentwickelt“. Länger als drei Monate könne man derzeit keine Prognose stellen, so Kinkel weiter. „Wir bekommen auch von Oben keine näheren Auskünfte“.

Suche nach Wohnraum

Der Zustrom an Flüchtlingen werde aber wohl so weitergehen und die Behörden würden auch weiterhin Unterkünfte schaffen müssen. Doch diese Suche stelle kleine Kommunen wie Lechbruck zunehmend vor Probleme, wie Bürgermeister Angl erklärte. Ihn treibe aber auch das Problem um, dass der vorhandene oder gesuchte Wohnraum dringend für die eigenen Bevölkerung gebraucht werde. Man suche vor allem für junge einheimische Familien händeringend Wohnraum und habe dabei auch noch das Problem der Nachverdichtung. Das heißt, dass eigentlich vor allem innerorts Wohnraum geschaffen werden soll und nicht an der Peripherie.

Martin beruhigt Gemüter

Immerhin konnte der Füssener Polizeichef Edmund Martin einige Bedenken zerstreuen. Die aufgegriffenen Bettler – zumeist Banden mit rumänischen Pässen – seien nicht für die Einbrüche verantwortlich. Man habe diese Straftaten aufgenommen und ermittle nun gegen Unbekannt. Eine Verbindung zu den Asylbewerbern gebe es aber nicht. „Das soll nicht nur beruhigen“, so Martin, „das ist Fakt!“. Allerdings gelte für Deutschland eine „erhöhte abstrakte Gefahr“, so Martin weiter.

Weshalb er für den Bereich seiner Inspektion, die den Altlandkreis Füssen mit der ehemaligen Kreisstadt, Pfronten, Schwangau und Halblech sowie Wald, Rückholz, Roßhaupten und Lechbruck umfasst, eine verstärkte, vor allem auch uniformierte Präsenz angeordnet habe. „Man soll uns sehen. Und wir werden wahrgenommen“, ist sich Martin sicher.

Gerade in Orten wie Lechbruck baut der Polizeichef noch dazu auf die Unterstützung der benachbarten Inspektionen in Marktoberdorf und Schongau. Auf die Nachfrage, ob es denn Anzeigen oder Informationen über sexuelle Übergriffe gegen Frauen gebe, gab sich Martin ahnungslos. Man prüfe jeden Vorfall. Es gebe in Kempten entsprechende Vorfälle, so Martin. Auffällige Personen würden sofort in andere Unterkünfte verlegt, beruhigte er die Fragestellerin. „Sie müssen keine Angst haben“. Meist würden sich die bekannt gewordenen Vorfälle aber intern abspielen: Beleidigungen oder Schlägereien unter den Flüchtlingen oder Drohungen gegen die Heimleiter. Man leite aber in jedem Fall ein Strafverfahren ein, versicherte er.

Costian vorgestellt

Erst sei zwei Monaten bzw. wenigen Wochen im Amt sind Isabel Costian und Christina Panje, die als Ansprechpartner der ehrenamtlichen Asylhelfer fungieren (der Kreisbote berichtete). Sie stellten sich in der voll besetzten Lechhalle ebenso kurz vor wie die Sozialasylberaterin der Caritas, Martina Hindelang, die jeden Montag ihre Sprechstunde in Lechbruck abhält. Auch Vertreterinnen des Asylhelferkreises, der unter anderem Sprachkurse und Hausaufgabenhilfe anbietet, kamen zu Wort. Sie suchen vor allem weitere Helfer. Derzeit gehören sieben Frauen und zwei Männer zu harten Kern der Ehrenamtlichen. Sie waren es auch, die den Anwesenden in der Lechhalle Mut machen wollten: „Wenn wir zusammenhalten, können wir das schaffen“.

Oliver Sommer

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