Ziernhöld tritt als Präsident der Zunftbruderschaft St. Josef zurück

Nach zwölf Jahren ist Schluss

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Beim Besuch in der Nachbarregion trifft der ehemalige deutsche Bundesfinanzminister Theo Waigel Bundesrätin Sonja Ledl-Rossmann .

Bichlbach - Es bedurfte schon eines außergewöhnlichen finanziellen und arbeitsintensiven Kraftaktes um Anfang der Siebzigerjahre den Verfall einer ungewöhnlichen Kirche zu stoppen.

Die einzige Zunftkirche im deutschsprachigen Raum erlebte in Bichelbach eine Rettungsaktion auf die die zwischentorener Gemeinde mit Recht stolz sein darf. Seitdem kümmert sich die Zunftbruderschaft St. Josef um die Kirche. Bei ihrer Jahresversammlung am Josefi-Tag wählte die Zunftbruderschaft jetzt einstimmig Paul Strolz zum neuen geschäftsführenden Präsidenten, bevor Festredner Theo Waigel einen Vortrag über Europa hielt. 

Mit einem Festakt, bei dem auch das Gemeindewappen übergeben wurde, konnte 1974 die aufwändige Sanierung der Kirche, unterstützt durch Land, Gemeinde, Institutionen und Privatpersonen gefeiert werden. Danach wurde die Zunftbruderschaft St. Josef zu Bichlbach wieder aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt. Seitdem kümmert sie sich erfolgreich um das Außerferner Kleinod. Traditionell immer zu „Josefi“, dem Tiroler Landesfeiertag, hält die Zunftbruderschaft ihre Jahresversammlung ab. Die Zunftbrüder rekrutieren sich traditionell aus dem Gewerbe, dem Handwerk aus klassischen Betrieben. 

Als Gäste hatten sich Gleichgesinnte, wie die Fuhrleute aus Imst und die Zunftbrüder aus Kappl in Bichlbach eingefunden, um mit ihren Kameraden zu feiern. Auch Landtagspräsident Herwig van Staa (ÖVP), Bundesrätin Sonja Ledl-Rossmann (ÖVP), viele geistliche und weltliche Repräsentanten waren erschienen. Zunftprobst Lorenz Wacker, ein Mann der ersten Stunde, konnte als „Hüter der Zunftlade“ über ein positives finanzielles Gebaren berichten. Man ist schuldenfrei, kann die notwendigen Erhaltungsmaßnahmen, die laufend anstehen, mit der Hilfe von Zuwendungen finanzieren und verfügt außerdem noch über kleine Reserven, so Wacker. 

Anschließend ließ sich Bichlbachs Bürgermeister Klaus Ziernhöld nicht mehr zur Wahl aufstellen. Er zog sich nach zwölf Jahren zeitintensiver Arbeit aus dem Vorstand zurück. Als neuer, einstimmig gewählter geschäftsführender Präsident trat Paul Strolz die Nachfolge an. Seit seiner Kindheit ist Strolz mit St. Josef verbunden. Sagte er doch als Schulkind bei den Feierlichkeiten zur geglückten Renovierung vor dem „Walli“, dem legendären Tiroler Landeshauptmann, ein Gedicht auf. 

In seiner Antrittsrede versprach er ein gutes Miteinander zum Wohle der Bruderschaft. Ohne von Hypo-Alpe-Adria-Schatten verdunkelt zu werden, scheinen die Beziehungen Tirol-Bayern zu funktionieren. Der ehemalige Bundesfinanzminister Theo Waigel, knapp über der Grenze in Seeg beheimatet, kam auf jeden Fall gern nach Bichlbach. 

EU-Kritik entgegentreten 

Seine Freundschaft mit dem Parteikollegen, Ex-Landeshauptmann und nunmehrigem Landtagspräsidenten, Herwig van Staa, wird dazu wohl auch einiges beigetragen haben. „Nur wer die Heimat verloren hat, kann diesen Begriff so richtig schätzen“ meinte er und legte ein Bekenntnis zur Europäischen Union als friedenstiftende Institution ab. Er plädierte für ein Europa der Vaterländer, der Regionen, das immer mehr zu Recht zusammenwachse. 

Ein Miteinander sei die unabdingbare Prämisse ohne dabei die vorhandenen regionalen Befindlichkeiten ignorieren zu müssen. Es gäbe zwar kein europäisches Volk, aber durchaus eine von allen zu respektierende Wertegemeinschaft. Solidarität müsse großgeschrieben werden. Billigen Polemikern aus den verschiedensten Lagern erteilte er eine unmissverständliche Absage, es gelte das Große und Ganze zu sehen und den zersetzenden Kräften mit Vehemenz entgegenzutreten. 

Ein grenzenloses Europa sei kein Gegensatz zu verschiedenen Identitäten, die engere Heimat stelle im Zusammenleben mit der gegenseitigen Hilfe einen wichtigen sozialen Aspekt dar, meinte Waigel und sah die Zunftbruderschaft in diesem Zusammenhang als gutes Beispiel. Den alljährlich ausgelobten Sozialpreis übergab „Bruderschaftsmitglied“ Sonja Ledl-Rossmann an Anita Kramer aus Heiterwang mit ihrem Team. 

Die Heiterwanger Frauen, sagte Ledl-Rossmann, seien mit ihrer Nachbarschaftshilfe ein Muster an Freiwilligkeit. Landtagspräsident van Staa dankte der Zunftbruderschaft für ihr Engagement und sichert die weitere Unterstützung des Landes Tirol zu.

niko

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