Ein Stück Kultur im Abseits?

„Uns fehlt einfach die Laufkundschaft“, sagt Ewald Sauter. Der Apfelbauer aus Friedrichshafen bietet seit vielen Jahren sein Obst vom Bodensee auf dem Füssener Wochenmarkt an, ebenso wie auf vielen anderen Märkten im südschwäbischen Raum. Was am Füssener Markt anders ist als an anderen: Er liegt weit abseits der Einkaufsinnenstadt.

Schon sein Vater hatte seine Äpfel auf dem Füssener Wochenmarkt verkauft, Sauter kennt das Geschäft und die Stadt seit Jahren. „Der Markt wurde immer weiter raus verlegt“, sagt er. Von der Innenstadt an die Morisse, wo er schließlich auf dem hinterenParkplatz landete. Hier stehen in den kalten Monaten nur rund 15 Händler, bald werden es wieder mehr werden. „Die meisten Kunden sind Stammkunden“, sagt Sauter. Sie gehen gezielt auf den Markt, die Laufkundschaft bleibe aus. Das Parken nebenan müssten die Marktbesucher zudem bezahlen. „Die Schranke hält viele ab“ meint Martin Euchner aus Altenstadt, der seine Kartoffeln und Karotten auf dem Markt anbietet. Er meint das Selbe wie Sauter und sein Obsthändler-Nachbar Markus Völkl: Der Markt lohnt sich zwar noch, ist in anderen Städten aber besser. Auch der Einzelhandel würde von einem Wochenmarkt in der Innenstadt profitieren, meint Sauter. „Der Markt ist ein Stück Kultur“, sagt Lutz Kretschmer. Auf dem Kennzeichen seines fahrbaren Fisch-Standes steht Günzburg, ursprünglich kommt er jedoch aus Hamburg. „Wie ist der Einzelhandel denn entstanden? – über den Markt“, erklärt er. Das wisse man in Süddeutschland nicht in dem Maße zu würdigen, wie in seiner norddeutschen Heimat. Der städtische Marktverwalter, Heinz Weller, sieht im jetzigen Standort mehr Vorteile als Nachteile. „Die Laufkundschaft haben wir mit den Bussen“, sagt er. Zudem können die Besucher am Markt parken und die Händler mit ihren Lkws direkt an den Stand fahren. Besonders letzteren Vorteil hätten die Händler in Gesprächen sogar gelobt. Wohin mit Lkws? In der Altstadt sei der Markt nicht unterzubringen, denn dann kämen nicht nur Lastwägen, sondern auch Rettungskräfte nicht mehr durch. Denn der Wochenmarkt sei umfangreicher, als etwa die verstreuten Glühweinbuden zu Weihnachten. Höchstens eine Möglichkeit gebe es: den Markt an die innere Kemptener Straße zu verlegen. Das sei aber Zukunftsmusik und birgt auch ein Problem: Die Parkplätze dort wären während des Marktes nicht nutzbar.

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