Motorradlärm wird im Außerfern zu einem ernsthaften Problem

Beten für schlechtes Wetter

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Breit abgeführte Diskussion in Weißenbach: auf dem Podium Günther Salchner (v.l.), Regionalentwicklung Außerfern, Bezirkspolizeikommandant Egon Lorenz, Moderator Manfred Mitterwachauer sowie Hans Dreier, Bürgermeister von Weißenbach.

Weißenbach/Außerfern – Wenn in einschlägigen Publikationen und in den neuen Medien immer wieder von landschaftlich schönen Motorradstrecken die Rede ist, so mag das den Zweirad-Enthusiasten durchaus ihre Freizeitgewohnheiten bereichern

Andererseits wird in den betroffenen Landstrichen von Lärm-Terror gesprochen. Bis zu 4000 Motorräder an schönen Sommertagen sind im Außerfern unterwegs. Den Anwohnern der „Biker-Strecke“ zwischen Schattwald und Imst, dem Lechtal, Namlos, Berwang eingeschlossen, reicht es deshalb jetzt.

Die Lärmbelästigung an Wochenenden und Feiertagen durch Motorradlärm habe ein Maß angenommen, das nicht mehr toleriert werden kann. Sie haben, drastisch formuliert, die „Schnauze voll“, wie vergangene Woche bei einer Podiumsdiskussion in Weißenbach deutlich wurde. Vor allem die hochgezüchteten Maschinen, die Lärm jenseits von Jumbo-Jets beim Start verursachen, bringen die Anwohner zur Weißglut. An einen erholsamen Aufenthalt in Gärten und auf Balkonen ist für viele nicht mehr zu denken. „Wir beten schon, dass am Wochenende Schlechtwetter herrscht, da ist es etwas ruhiger“, skizzierte ein Betroffener.

Andere beklagen den Wertverlust ihrer Liegenschaft, Gastronomen das Ausblieben der Gäste. Die vage Auskunft der Behörde, dass man da rechtlich nichts machen könne, stößt den geplagten Anrainern sauer auf. Auch nahezu alle Bürgermeister entlang dieser Rennbahn fühlen mit ihren Bürgern und haben sich unter der Federführung von Hans Dreier, dem Gemeindechef von Weißenbach, zu einer Initiative zusammengeschlossen. Unterstützung finden sie bei der Regionalentwicklung Außerfern (REA), wo die Ansicht vorherrscht, dass sich Verkehrslärm und sich positiv entwickelnde Naturparkregion eigentlich ausschließen.

Eine breite Front also, die hier Veränderungen zum Positiven erwartet. Es geht allen darum die zuständigen Gremien zum Handeln zu animieren.

Politik in der Pflicht

Gefordert seien hier die Zuständigen beim Land Tirol und in der Bundesregierung. Den Gemeinden sind die Hände gebunden, Entscheidungen müssen von übergeordneten Behörden im Auftrag der „hohen Politik“ getroffen werden. Es scheint allerdings, dass der Aufschrei der Bevölkerung gehört worden wäre und einiges „im Busch“ ist.

Auf dem Podium hatten neben Bürgermeister Hans Dreier und TT-Moderator Manfred Mitterwachauer der Polizeikommandant des Bezirks Reutte, Egon Lorenz, REA-Geschäftsführer Günther Salchner und die Bike-Hotel-Chefs Robert Heel und Kai-Uwe Bürskens aus dem Lechtal sowie Erich Vill aus Südtirol Platz genommen. Publikum und Podium waren sich dabei einig: Es geht nicht um den durchschnittlichen Motorradfahrer sondern um die hochgezüchteten Maschinen der „Rennfahrer“, die enormen Lärm verursachen und die Sicherheit unterminieren.

Ohne verordnete Geschwindigkeitsbeschränkungen sei es schwer gegen die Raser vorzugehen, meinte der Polizeichef. Auch die Lärmbelästigung, verursacht durch typengenehmigte laute Maschinen, sei kaum zu ahnden. Hier sei ein Schalldruckpegel bis zu 103 dB erlaubt. Eine schwerwiegende Lücke im Vorschriftendschungel, wie es ein Handwerker im Publikum formulierte. Er selbst habe seinen Umgebungslärm ganz weit unter diesen Werten einzuhalten und seine Mitarbeiter mit Gehörschutz vor dem gesundheitlich schädlichen Lärm zu schützen.

Ein Pegel von über 60 dB gilt in Fachkreisen bereits als gesundheitsschädlich. Alle Rennmaschinen auf den „Pisten“ des Außerferns bewegen sich weit über diesen Werten.

Gefahr für Tourismus 

Ein naturnaher Qualitätstourismus, wie er in der Region im Aufbau ist, sei durch den Motorradlärm in Frage gestellt, Handlungsbedarf von „oben“ sei unbedingt erforderlich, um die Bestrebungen nicht zunichte zu machen, formulierte Salchner von der REA.

Die drei genannten Hoteliers aus dem Kreis der Biker-Destinationen sahen die Problematik, nahmen aber ihre Gäste, die sich den Vorschriften unterordneten und sich im Touring-Modus bewegten, in Schutz. Ein Miteinander sei gewünscht und machbar, meinten sie, und berichteten von Bikern, die sogar ihren Wanderurlaub in der Region verbringen.

Auch der Großteil des anwesenden Außerferner Publikums im vollbesetzten Weißenbacher Gemeindesaal wollte durchaus nicht pauschalieren. Den „Freizeitrennfahrern“ müsse aber auf jeden Fall der Kampf angesagt werden.

Angedacht sind Geschwindigkeitsbeschränkungen, um die Strecken für Schnellfahrer weniger attraktiv zu machen. Das Argument, dass derartige Limits auch den heimischen Pendler treffen würden, wurde vom Publikum rasch zerstreut.

Eigenversuche in dieser Richtung hätten augenscheinlich gezeigt, dass zum Beispiel am Gaichtpass die Zeitunterschiede lediglich im Sekundenbereich lägen. Auch Überholverbote mit doppelten Sperrlinien wären ein geeignetes Mittel um potentielle Raser einzubremsen, stellte sich bei der Diskussion heraus.

Für Tempolimits

 Ein „Masterplan“, der weitere Möglichkeiten beinhalten soll, könnte Schwung in die Angelegenheit bringen. Was nun aber von der Politik, von der Landesverwaltung kommt und von der Bezirkshauptmannschaft verordnet werden muss, ist zu Zeit noch nicht abzusehen.

Der Schutz der Bevölkerung müsse auf jeden Fall Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen und möglichen gesetzlichen Gegenbheiten haben, war die Meinung der Anwesenden. Vorerst deutet alles auf rigorose Tempolimits in vielen Bereichen in den besiedelten Gebieten hin. Bis zur kommenden Motorradsaison sollte einiges in dieser Richtung realisiert sein, ist die Hoffnung der Bevölkerung, die „die Schnauze voll“ hat.

Hans Nikolussi

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