Landesbühne Dinkelsbühl eröffnet mit "die 39 Stufen" die Theatersaison

Theater im Theater

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Mit Situationskomik und überzogenem Spiel sorgen die Schauspieler des Landestheaters Dinkelsbühl für Lacher im Publikum.

Pfronten – Der rote Teppich war wieder ausgerollt, flankiert von Fackeln und Kerzen. So feierlich und untermalt mit Musik der „Oischer Saitenmusig“ begrüßte die Theatergemeinde Pfronten-Nesselwang ihr Publikum zur Eröffnungsvorstellung der Theatersaison 2014/15 im Pfarrheim St. Nikolaus.

„Die 39 Stufen“ von John Buchan und Alfred Hitchcock standen auf dem Programm, aufgeführt vom Landestheater Dinkelsbühl. War Hitchcocks früher Film von 1935 ein wenig langatmig, konnte sich das Theaterpublikum in Pfronten kaum über Langeweile beklagen. Wenn sich auch nach der Pause die Flucht des Hauptprotagonisten Richard Hannay (Julian Niedermeier), angekettet an seine „Verräterin“ durchs schottische Hochmoor schon ein wenig in die Länge zog. Allerdings sorgte dabei Katharina Felling auf der linken Bühnenseite nicht nur als Geräuschemacherin für Komik und Publikums-Lacher. 

Ein Darsteller - vier Rollen 

Brillant setzte Regisseur Jens Heuwinkel die Bearbeitung des Stückes von Patrick Barlow nach dem Originalkonzept von Simon Corble und Nobby Dimon um: als „Theater im Theater“. „Der Projektor des Kinos ist defekt“, kam der Ruf hinten aus dem Saal. Schreie einer Dame aus dem Publikum: „Geld zurück“ - einige im Publikum schlossen sich dem Ruf an - waren der Auftakt der Aufführung. Julian Niedermeier alias Kino-Conferencier und später Richard Hannay spielend, verkündete kühn, man werde „Die 39 Stufen“ kurzerhand als Theaterstück aufführen, also kein Geld zurück. 

Die schreiende Dame (Stefanie Steffen) aus dem Publikum erhielt alle drei weiblichen Hauptrollen, der verzweifelte Filmvorführer (Thomas Tucht) musste ebenfalls als mehrfacher Darsteller auf die Bretter, die die Welt bedeuten und Andreas Peteratzinger, der mit Andreas Harwarth für die musikalische Leitung verantwortlich zeichnete, erhielt neben vielen kleinen Rollen vier Schlüsselrollen. Darunter war auch die des „Mr. Memory“, der am Ende für ein Happyend sorgte.

 Schotte spricht bayrisch 

Die Handlung selbst war den meisten Theaterbesuchern wahrscheinlich bekannt: Im Vorkriegs-England 1935 trifft der in London lebende Kanadier Richard Hannay auf die schöne Annabella Schmidt, die aus Angst vor Verfolgern mit in dessen Wohnung geht. Dort wird sie in der Nacht aber erstochen. Vorher hatte sie Hannay in ihr Geheimnis eingeweiht: Als Geheimagentin, im Auftrag der Regierung wolle sie verhindern, dass ein Staatsgeheimnis außer Landes gelangt. Hannay, der als potentieller Mörder Annabellas ins Visier der Polizei gerät, flieht. 

Die einzige Möglichkeit seine Unschuld zu beweisen ist, den Spionagering „Die 39 Stufen“ zur Strecke zu bringen und ganz nebenbei ein Held zu werden. Das Bühnenstück lebt nicht nur von scheinbar leichter Situationskomik. Wieder einmal mehr werden Schauspieler zu Bühnenbauern, die die notwendigen Requisiten gewollt überzogen, komisch aber gekonnt mit in Szene setzen. Auch die Idee, den schottischen Hochmoor-Bauern in bestem Oberbayrisch, und seine Frau in tiefstem Schwäbisch reden zu lassen: genial! 

Auch wenn die Technik (Felix Rudolf) nicht ganz mit ihrem Licht zufrieden war, ist der Theatergemeinde Pfronten-Nesselwang (unter anderen Ulrike Rottenburger) mit den „39 Stufen“ einmal mehr eine hervorragende „Ouverture“ zur Theatersaison geglückt.

Johanna Lang

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